Start-up-Unternehmen

Bewerberinnen gesucht

Ausgabe-Nr.: 11/2017

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Es gibt leider immer noch zu wenige Frauen, die sich für ein technisches oder für ein Informatik-Studium entscheiden.“

In deutschen Start-ups sind Frauen in der Minderheit. Nur in rund jedem vierten Start-up gehören Frauen zum Gründungsteam. Auch unter den Beschäftigten kommt auf drei Männer gerade einmal eine Frau. Der Frauenanteil beträgt im Durchschnitt 27 Prozent. Nur in jedem sechsten Start-up ist mindestens die Hälfte der Beschäftigten weiblich. Gleichzeitig sagen drei von vier Gründern, dass sie sich mehr Bewerbungen von Frauen wünschen.

 

 

„Es gibt leider immer noch zu wenige Frauen, die sich für ein technisches oder für ein Informatik-Studium entscheiden. Wo in Wirtschaft und Gesellschaft die Zeichen auf ,digital first‘ stehen, müssen wir daran dringend etwas ändern“, sagt Achim Berg, Präsident des Bitkom e.V. in Berlin. Er betont, dass Initiativen wie der Girls‘ Day oder auch erlebe-IT des Digitalverbands, die Mädchen, aber auch Jungen für Berufe in der digitalen Welt interessieren wollen, ein guter Anfang sind. Besonders wichtig sei jedoch ein Pflichtfach Informatik in der Schule, ebenso wie die Vermittlung von Digitalkompetenz in allen Fächern.

In einer Umfrage im Auftrag des Bitkom unter mehr als 250 Start-up-Gründerinnen und -Gründern gibt mehr als jedes zweite Start-up (54 Prozent) an, sich aktiv um mehr Frauen als Mitarbeiterinnen zu bemühen. Acht von zehn (84 Prozent) versuchen, familienfreundliche Arbeitsbedingungen wie Teilzeit oder Homeoffice zu ermöglichen, von denen alle Mitarbeiter profitieren. In vier von zehn Start-ups (41 Prozent) werden weibliche Nachwuchstalente gezielt gefördert.

Gründerinnen setzen hier einen deutlichen Schwerpunkt: Von ihnen geben 59 Prozent an, weibliche Nachwuchstalente gezielt weiterbringen zu wollen. Dem Bitkom zufolge sollten Start-ups, die schnell wachsen und Beschäftigte brauchen, die innovativ denken und neue Lösungen finden, frühzeitig eine Strategie entwickeln, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Die Förderung von Frauen sei eine Win-win-­Situation für Bewerberinnen, Mitarbeiterinnen und für das Unternehmen gleichermaßen.

Fragt man nach den Gründen für den geringen Frauenanteil in Start-up-Teams, gibt es deutliche Unterschiede zwischen Gründern und Gründerinnen. So sagt mehr als jeder zweite Gründer (56 Prozent), es gebe in der Tech-Szene nur wenige qualifizierte Frauen, daher sei ihr Anteil in den Start-ups gering. Unter den Gründerinnen stimmt nur jede Dritte (32 Prozent) dieser Aussage zu. Umgekehrt gibt nur jeder dritte Gründer (32 Prozent) an, Frauen hätten es in der Tech-Szene grundsätzlich schwer, unter den Gründerinnen sehen das jedoch 54 Prozent so.

In einem Punkt sind sich beide Geschlechter aber weitgehend einig: In der Start-up-Szene ist die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern höher als in der etablierten Wirtschaft. Diese Meinung vertreten 57 Prozent der Gründerinnen und sogar 69 Prozent der Gründer.

 

 

 

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