Fachkräfte-Barometer/Trendence

Handlungsbedarf bei Image-Pflege

Ausgabe-Nr.: 12/2020

Trendence-Geschäftsführer Robindro Ullah: „Arbeitgeber, die diese Grundbedürfnisse erfüllen, haben hohe Chancen, in unserem Ranking nach oben zu klettern.“

Die größte Kandidaten-Gruppe auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind mit einem Anteil von 75 Prozent Beschäftigte ohne akademischen Berufsabschluss. Das Trendence Institut befragte für das „Fachkräftebarometer“ fast 30.000 Nichtakademiker unabhängig von ihrem aktuellen Dienstverhältnis. – Ein Ergebnis dieser Untersuchung: IT-Unternehmen sind besonders unbeliebte Arbeitgeber.

„Im nichtakademischen Umfeld können wir erkennen, dass systemrelevante soziale Berufe deutlich an Bedeutung gewinnen, während die klassischen Wirtschaftszweige wie etwa die Automobil- oder Handelsbranche etwas an Anziehungskraft verlieren“, erklärt Robindro Ullah, Geschäftsführer der Trendence Institut GmbH in Berlin.

Seit 1999 führt das Marktforschungs-Institut die Befragung unter Nichtakademikern durch und veröffentlicht jährlich die Top-100-Wunsch-Arbeitgeber. Unternehmen, die nicht mehr oder weiter hinten im Ranking gelandet sind, sollten sich etwas einfallen lassen, um auf dem Personal-Markt attraktiver zu erscheinen. Denn die Kandidaten-Gruppe macht gut drei Viertel der Gesamtheit der Beschäftigten in Deutschland aus.

Das gilt besonders für IT-Unternehmen, Banken und Versicherungen. Sie wurden als unbeliebteste Arbeitgeber bewertet. Unglaublich: Im Ranking der 49 beliebtesten Firmen tauchen mit Google, Apple und IBM nur drei renommierte IT-Unternehmen auf (-> Tabelle 1). Am besten schnitt der Öffentliche Sektor ab, gefolgt von der Automobil-Industrie und dem Gesundheitswesen. Dass der IT-Branche vergleichsweise ein so schlechtes Zeugnis ausgestellt wird, ist angesichts des enormen Fachkräfte-Mangels besonders dramatisch. Offensichtlich besteht in Sachen Image-Pflege ein großer Handlungsbedarf.

Die wesentlichen Faktoren für berufliche Unzufriedenheit sind fehlende Wertschätzung, schwache Bezahlung und ein schlechter Führungsstil. Die Teilnehmer der Umfrage bezogen auch zum Thema ‚Stress‘ Stellung. An mehr als drei Tagen pro Woche verspüren sie Anzeichen einer Überbelastung. Am stärksten im Handel, in der Automobil-Branche und interessanterweise im Öffentlichen Dienst.

Frauen empfinden häufiger ein höheres Stress-Aufkommen als ihre männlichen Kollegen. Während sich Männer im Durchschnitt an 3,2 Tagen pro Woche beruflich gestresst fühlen, sind es bei den Frauen 3,5 Tage.

Trotz des hohen Stress-Empfindens sind 65 Prozent der Mitarbeiter ohne akademischen Abschluss mit ihrem derzeitigen Arbeitgeber und Job zufrieden, 20 Prozent sogar sehr. Besonders wichtig sind ihnen in diesem Zusammenhang ein faires Gehalt, ein gutes Kollegen-Umfeld sowie die Sicherheit des Jobs. „Arbeitgeber, die diese Grundbedürfnisse erfüllen, haben hohe Chancen, in unserem Ranking nach oben zu klettern“, sagt Ullah.

 

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