CFO-Karriere

Erfolgskriterien im Wandel

Ausgabe-Nr.: 07/2017

Marcus Schneider, Senior Client Partner bei Korn Ferry: „Menschen werden aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen eingestellt und aufgrund von mangelndem persönlichem Fit zur Unternehmenskultur wieder entlassen.“

Wirtschaftlicher Misserfolg hat als Karrierekiller ausgedient. In einer weltweiten Befragung von 321 Konzern-Finanzchefs durch die Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry haben nur acht Prozent geantwortet, dass ein Verfehlen der geschäftlichen Ziele der wichtigste Grund für Abberufung sei. Dagegen haben 41 Prozent der Befragten angegeben, dass ein Zerwürfnis mit dem CEO zur Demission führe. Und mehr als die Hälfte hält ein solches Zerwürfnis für den wichtigsten Grund, warum der CFO selbst das Handtuch werfe.

 

„Die Zahlen untermauern, was wir seit Jahren beobachten. Menschen werden aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen eingestellt. Und aufgrund von mangelndem persönlichem Fit zur Unternehmenskultur wieder entlassen. Bei der Einstellung eines Chief Financial Officers (CFO) sollten Aufsichtsräte und CEOs vor allem darauf achten, dass ein Kandidat mit seinen charakterlichen Eigenschaften, individuellen Motivationstreibern und auf der menschlichen Ebene zu ihnen und zur Unternehmenskultur passt“, sagt Marcus Schneider, Senior Client Partner bei Korn Ferry Frankfurt.

Finanzchefs sind in den meisten Fällen die Nummer zwei in Unternehmen und arbeiten sehr eng mit ihrem CEO zusammen. Dementsprechend besteht eine hohe gegenseitige Abhängigkeit. Daher ist es wichtig, dass sie nicht nur auf Basis von beruflicher Erfahrung und Fachkompetenz eingestellt werden. Diese Erkenntnis hat dazu geführt, dass sich Personalsuchen im CFO-Umfeld deutlich verändert haben. An die Stelle der Suche nach geeigneten Kandidaten ist die Frage nach ihrer Persönlichkeit getreten sowie die Überlegung, ob der Kandidat zu dem Geschäftsführer und der Führungsmannschaft passt. Denn: Während ein Anwärter in der einen Umgebung und Kultur sein volles Potenzial entfalten kann, gelingt es in der anderen nicht. Diesen ‚Fit’ zu erkennen ist heute eine der wichtigsten Aufgaben eines Personalberaters. Daher entstand das im Angelsächsischen geprägte Credo: „Hire for attitude and train for skills“.

Personalberater muss ,Fit‘ erkennen

Während mit einem Drittel ein großer Teil der Befragten gern seine Rolle in einer jeweils größeren Organisation fortführen möchte, traut sich einer von vier Finanzchefs (23 Prozent) auch die Rolle als CEO zu. In den vergangenen Jahren kam es zu einer Reihe von CFO-Beförderungen direkt an die Firmenspitze. Viele davon dienen ihren Unternehmen nun als CEO und tragen signifikant zur Steigerung der Ergebnisse bei. Dabei hilft ihnen ihr Finanz-Know-how sehr stark. Ein solcher Schritt ist aber nahezu unmöglich, wenn die jeweiligen Aspiranten nicht schon in ihrer Rolle zuvor in der Firmenkultur angekommen sind und sich intern eine starke Positionierung erarbeitet haben. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass ein Finanzchef, der aufgrund seiner Fachkompetenz eher geduldet als erwünscht ist, diesen Schritt in seiner aktuellen Organisation mutmaßlich nicht gehen kann. Dementsprechend glaubt nur ein Drittel der Befragten, im eigenen Unternehmen als Nachfolger zum CEO in Betracht gezogen zu werden.

Abseits der persönlichen Passung spielen berufliche Erfahrungen selbstverständlich nach wie vor eine wichtige Rolle. Der wichtigste Erfahrungsbaustein, um zum CFO zu werden, ist nach Meinung der Befragten General Management (27 Prozent), direkt gefolgt von Strategie/M&A (26 Prozent). Immer wichtiger wird eine hohe IT-Affinität, sagen neun von zehn CFOs. Auch Schneider bestätigt, dass die Digitalisierung im Finanzbereich längst angekommen ist. Corporate Finance, Controlling und klassische CFO-Bereiche sind in den vergangenen Jahren immer stärker in Einzelprozesse zerlegt worden und damit ideal für eine gezielte Automatisierung. Dies ist vielfach bereits geschehen oder in der Entwicklung. Ein CFO benötigt zwar nicht die gleichen Kenntnisse wie ein Programmierer oder Techniker, aber er muss die Grundzüge verstehen, um seine Abteilungen weiter zukunftsgerecht ausrichten zu können.

 

 

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