CEBIT 2018/Digitale Berufswelt

Neue Märkte – Neue Chancen

Ausgabe-Nr.: 6/2018

Heiko Meyer, CEO von Hewlett Packard Enterprise: „Die neue CEBIT war ein voller Erfolg. Wir beglückwünschen das Team zur Premiere der neuen CEBIT. Mit dem Mut zur radikalen Transformation haben die Mitarbeiter die Basis für die Zukunft gelegt.“

Bei der Mehrheit der Bundesbürger sind die Folgen der Digitalisierung in der Wirtschaft mit ihren grundlegenden Veränderungen inzwischen im Bewusstsein angekommen. 77 Prozent der Beschäftigten sind sich daher sicher, dass eine ‚digitale Kompetenz‘ für ihren Arbeitsplatz genauso so wichtig ist wie die fachliche und soziale Eignung. Und 92 Prozent wissen, dass ein lebenslanges Lernen immer wichtiger wird und die Weiterbildung und die Erweiterung der Fähigkeiten die Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern.* Von anstehenden massiven Veränderungen in der Berufswelt und den daraus entstehenden neuen Chancen konnten sich die Besucher der diesjährigen CEBIT vom 11. bis 15. Juni überzeugen.

 

„Durch die Digitalisierung verändern sich Berufe grundlegend und es entstehen völlig neue Berufsbilder. Die kontinuierliche Weiterbildung der Mitarbeiter wird deshalb in Zukunft immer stärker über den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen entscheiden“, sagt Anja Olsok, Geschäftsführerin der Bitkom Servicegesellschaft mbH in Berlin.

Die massiven Veränderungen in der Berufswelt konnten die Besucher der diesjährigen CEBIT vom 11. bis 15. Juni wahrnehmen. Mit ihrem neuen Konzept sollte, so die Messe-Gesellschaft, durch den „Dreiklang aus Messe, Konferenz und Networking-Event ein 360-Grad-Blick auf die Digitalisierung von Unternehmen, Verwaltung und Gesellschaft“ ermöglicht werden. Auf der Messeplattform d!conomy fanden IT-Professionals und Entscheider aus Unternehmen, öffentlichem Sektor und Handel alles Notwendige für die Digitalisierung von Wirtschaft und Verwaltung. Beim Messeformat d!tec drehte sich alles um Entwickler. Start-ups zeigten disruptive Geschäftsmodelle und Forscher präsentierten Technologien von morgen und übermorgen.

Die Veranstalter mussten einen Spagat zwischen Jugendkultur, Innovation und einer klassischen Fachmesse hinlegen

Die Deutsche Messe AG versuchte vor der Veranstaltung hohe Erwartungen an eine neue CEBIT zu befeuern, um den dramatischen Einbruch des ‚alten‘ Konzeptes zu stoppen. Denn die Veranstalter mussten einen Spagat zwischen Jugendkultur, Innovation und einer klassischen Fachmesse hinlegen. Und dabei sollten die Messe-Verantwortlichen die Ansprüche des B2B-Segmentes im Auge behalten.

Die Abkehr von einem seit Jahren kritisierten Messe-Konzept ist nach unserer Meinung zumindest im ersten Anlauf gelungen. Auch im Hinblick auf die gesunkenen Besucherzahlen von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Denn Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Eine gute Resonanz erhielten die Messe-Macher aus verständlichen Gründen von den Big Playern in der ITK-Branche.  Wie etwa Hewlett Packard Enterprise: „Die neue CEBIT war ein voller Erfolg. Wir beglückwünschen das Team zur Premiere der neuen CEBIT. Mit dem Mut zur radikalen Transformation haben die Mitarbeiter die Basis für die Zukunft gelegt“, bewertet CEO Heiko Meyer das Ereignis.

Wichtig zu wissen: Der CEO von HP ist zugleich Vorsitzender des CEBIT-Messe-Ausschusses und würde in dieser Eigenschaft vermutlich selbst kapitale Flops und Investitionsruinen in den offiziellen Stellungnahmen gesundbeten. Aber Meyer hat Recht. Das neue Konzept mit dem jungen Publikum und der Verbindung von Business und Festival gab dieser Veranstaltung eine neue Richtung. Gerade die vielen jungen Besucher konnten sich in Hannover einen guten Überblick über die neuen Technologien und die Entstehung neuer Berufschancen verschaffen.

So zählte Künstliche Intelligenz zu den herausragenden Themen. Hewlett Packard Enterprise zeigte, wie Computer Millionen von Krankheitssymptomen aus unterschiedlichen Quellen vergleichen können, um die optimale Medikation für einen Patienten zu finden. Bei IBM konnten die Besucher einen smarten Assistenten mit Sprachsteuerung, Kameras und Sensoren kennenlernen. Auch der digitale Workspace profitiert von KI-Technologien: Assistenten wie Alexa oder Chatbots, die auf Zuruf reagieren, erleichtern die Bedienung vieler neuer Software-Tools.

Zudem präsentierten viele Aussteller Lösungen mit 360-Grad-Output für komplette Prozesse. Ein wichtiges Thema ist dabei auch die Datensicherheit. Weil gefährliche Angriffe häufig von Mitarbeiter-Arbeitsplätzen ausgehen, stellten mehrere Aussteller automatisierte Security-Konzepte vor.

Robotics: Der humanoide Roboter „Pepper“ von SoftBank Robotics reagiert auf menschliche Gefühlsregungen und kann Fragen zu Produkten oder Dienstleistungen beantworten. An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stellten Forschungseinrichtungen auf der CEBIT ihre neuesten Entwicklungen vor. So präsentierte das Karls­ruher Institut für Technologie (KIT) den Roboter „ARMAR-6“, der menschlichen Kollegen beispielsweise mit der Bohrmaschine zur Hand geht, aber auch den Gebrauch neuer Werkzeuge durch Beobachtung erlernt.

Internet of Things: Mit der 5G-Technologie steht der mobile Datenfunk vor einem Quantensprung. Die Datenkommunikation in Echtzeit macht viele IoT-Anwendungen realisierbar, die auf der diesjährigen CEBIT Premiere feierten. So konnten die Besucher bei Vodafone erleben, wie per 5G-Funk verbundene Roboter voneinander lernen können, obwohl sie viele Hundert Kilometer voneinander entfernt sind. Selbst mit Sensoren ausgerüstete Lkw-Reifen werden künftig ein Teil des Internet of Things, wenn der Flottenbetreiber aus der Ferne Temperatur und Druck mit einer App überwachen kann.

Auch die Themen „Predictive Maintenance“ und „Smart City“ spielten in Hannover eine wichtige Rolle. So stellte Huawei ein intelligentes Nervensystem für Metropolen vor, um die wachsende Verkehrs- und Umweltbelastung zu verringern. Und ein Showcase der Software AG machte deutlich, wie sich die Abfallentsorgung und die Reparatur defekter Straßenlampen mit smarten Sensoren an den Mülltonnen und vernetzten Beleuchtungskonzepten  verbessern lässt.

Future Mobility: Smarte Mobilitätskonzepte standen bei Volkswagen mit dem Roboterauto „Sedric Active“ im Fokus. In wenigen Jahren will der Konzern die Vision von der „Mobilität auf Knopfdruck“ umsetzen. Neben dem autonomen Fahren ging es auch um Themen wie Quanten-Computing und Car-Sharing. Die Deutsche Bahn zeigte den Regionalzug der Zukunft mit multimedialen Fahrgast-Services.

Bitkom Akademie bietet 120 Seminare in den Bereichen KI, Datenschutz, Compliance, Data Science und Digital Marketing an

Drones & Unmanned Systems: Neben Showcases zu Themen wie dem „Autonomen Fliegen“ oder „Drohnen im Einsatz für den Tierschutz“ gab es zu den angesagten Flugrobotern Expertenrat und Hintergrundinfos. Außerdem war das erste Drohnen-Taxi, das eine Verkehrszulassung für bemannte Flüge erhalten hat, bei Intel zu bestaunen: der „Volocopter“.

Blockchain: Mehrere Unternehmen zeigten, dass sich die Technologie ebenso für den sicheren Datenaustausch im IoT eignet wie für den Handel mit erneuerbarer Energie oder Car-Sharing-Dienste. Dass Verwaltungen von der Blockchain profitieren können, demonstrierte Materna mit dem Konzept einer ständig aktuellen Feinstaubkarte mit Bürgerbeteiligung.

Die digitale Transformation wirft für viele Unternehmen ganz neue Fragen auf und stellt sie vor Herausforderungen, die von qualifizierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern gelöst werden müssen. Gleichzeitig eröffnen sich durch die oben genannten technologischen Entwicklungen in diesen Bereichen enorme Potenziale. Das ist einer der Gründe, weshalb beispielsweise die Bitkom Akademie auf die steigende Nachfrage mit einem erweiterten Angebot für das zweite Halbjahr reagiert.

Mehr als 120 Seminare aus den Bereichen KI und Data Science, Datenschutz und Compliance, IT-Sicherheit, Recht und Finanzen und Digital Marketing umfasst das Programm ab Juli 2018. Das Angebot trifft offensichtlich die Nachfrage. So ist der gemeinsam mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz entwickelte Zertifikatslehrgang „Ausbildung zum KI Manager“ aktuell ausgebucht, Schulungen rund um die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) sind stark nachgefragt und das Weiterbildungsangebot rund um Data Science und User Experience wurde neuerlich erweitert. Die Seminare und Ausbildungen der Bitkom Akademie sind verfügbar unter bitkom-akademie.de/seminare.

* Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter mehr als 1000 Bundesbürgern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

 

 

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