BWA-Arbeitsreport

Flexible Arbeitszeiten gefragt

Ausgabe-Nr.: 13/2017

BWA-Chef Harald Müller: „Um junge Talente anzuziehen und High Performer zu halten, ist eine zunehmende Flexibilisierung unerlässlich.“

Die Flexibilität am Arbeitsplatz ist für die Mehrzahl der Beschäftigten heutzutage wichtiger als die langfristige Arbeitsplatzsicherheit. Dies stellt eine Kernaussage des aktuellen Arbeitsmarktreports ‚New Work‘ der BWA Akademie dar. Dem Bericht liegt eine Umfrage unter 100 Personalexperten aus der deutschen Wirtschaft zugrunde.

 

„Um junge Talente anzuziehen und High Performer zu halten, ist eine zunehmende Flexibilisierung unerlässlich. Es sollte sich nicht mehr die Frage nach dem ‚ob’ stellen, sondern nur noch nach dem ‚wie’. Unternehmen, die diesbezüglich keine attraktiven Angebote unterbreiten, drohen künftig an der demografischen Struktur im Betrieb zu ersticken“, sagt Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts Akademie GmbH (BWA).

Den im Rahmen des Reports gefragten Personalfachleuten zu­folge vertreten 81 Prozent die Auffassung, dass flexible Arbeitszeiten zu den besonders attraktiven Angeboten eines Arbeitgebers gehören. 78 Prozent (Mehrfachnennungen waren erlaubt) halten einen flexiblen Arbeitsort oder die Möglichkeit zum Arbeiten im Home-Office für wünschenswert.
69 Prozent plädieren für Teilzeitmodelle. Hingegen wird eine langfristige Sicherheit des Arbeitsplatzes nur von 57 Prozent der Fachleute als besonders wichtig eingestuft.

Für den Wunsch nach mehr Flexibilität über den klassischen 9-to-5-Job im Büro hinaus sprechen laut BWA-Report gleich mehrere Gründe. So gehen 81 Prozent der Personal­experten davon aus, dass viele Arbeitnehmer in einer anderen Umgebung kreativer sind als im Büro. Fast 80 Prozent befürworten es, wenn Arbeitnehmer ihre individuellen „geistigen Höchstphasen“ zum Beispiel am frühen Morgen, am späten Abend oder gar nachts zugunsten des Arbeitgebers einsetzen können. 68 Prozent vertreten die Auffassung, dass die Arbeitnehmer durch die erhöhte Flexibilität zufriedener werden und dadurch freiwillig mehr arbeiten als im Büro.

Experten sehen Nachteile der Flexibilität

Allerdings sehen die Experten auch die Nachteile der Flexibilität: Gemeinsame Meetings lassen sich schwerer arrangieren (65 Prozent) und der informelle Wissenstransfer etwa an der Kaffeemaschine geht verloren (61 Prozent). 57 Prozent befürchten eine verstärkte Ablenkung von der Arbeit außerhalb des Büros, 51 Prozent vermissen die unmittelbare Kontrolle vor Ort.

BWA-Chef Müller lässt diese Argumente nicht gelten. Seiner Meinung nach lässt sich Kommunikation im Zeitalter von Telefonkonferenzen und Messaging auch ohne eine permanente Anwesenheit im Büro organisieren. Allerdings müssen die Personalabteilungen Wege finden, das soziale Geflecht im Unternehmen nicht auseinanderbrechen zu lassen. Hierzu gäbe es ein ganzes Spektrum an Teambuilding-Maßnahmen, auf die die Personalverantwortlichen zurückgreifen können.

Ebenfalls wichtig ist nach Einschätzung von 65 Prozent der Befragten ein interessantes Angebot an Weiterbildungsmaßnahmen für die Beschäftigten. Über 60 Prozent stufen den Dienstwagen gerade angesichts der zunehmenden Flexibilität als bedeutsam ein. 59 Prozent plädieren für attraktive Bonusprogramme, 57 Prozent für zusätzliche Urlaubstage und 48 Prozent für Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Bei aller Flexibilität in den aktiven Arbeitsjahren stellt die finanzielle Absicherung im Alter ein wesentliches Argument bei der Wahl des Arbeitgebers dar. So halten zwei Drittel der Personalfachleute eine betriebliche Rente für unerlässlich, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten.

 

 

 

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