Berufsziele/Karrieren

Fundierte Ziele definieren

Ausgabe-Nr.: 4/2020

Carsten Schaefer, Experte für Talent und Professional Search bei Korn Ferry: „Die Job-Welt wird in zehn Jahren deutlich agiler und flexibler sein, als sie heute bereits ist. Darum sollten Karrieren nicht mehr als eine lineare Leiter betrachtet werden.“

Das Personal-Beratungsunternehmen für Organisation und Executive Search synchronisiert nach eigener Darstellung für Unternehmen ihre Geschäfts- und Talentstrategie, um Top-Performance zu erzielen. Es veröffentlichte eine Einschätzung, was nach seiner Meinung bei einem Mitarbeiter mit Mitte dreißig vorhanden sein sollte, um das Potenzial für eine große Karriere zu besitzen.

„Die Job-Welt wird in zehn Jahren deutlich agiler und flexibler sein, als sie heute bereits ist. Darum sollten Karrieren nicht mehr als eine lineare Leiter betrachtet werden, in der es entsprechende Sprossen zu erklimmen gilt. Vielmehr ist es sinnvoll, in inhaltlich fundierten Zielen zu denken. Nicht in Hierarchiestufen. Die relevante Frage ist: Was sollte ich bis wann in meinem Leben beruflich erreichen“, sagt Carsten Schaefer, Experte für Talent und Professional Search bei der Korn Ferry International GmbH in Frankfurt, und führt folgende Kriterien für Mittdreißiger an:

(1) Behauptung von Führungswillen: Ob jemand über ein Führungs-Potenzial verfügt, signalisiert unter Umständen die Funktion eines Klassensprechers, eines Leiters im Verein oder die Übernahme von Initiativen an einer Hochschule. Gleichwohl sagen diese Funktionen noch nichts über die Fähigkeiten im Kontext mit einem Unternehmen aus. Auch das Management eines Teams oder die Moderation der Interessen zwischen der Firmen-Leitung und den Beschäftigten sollte ins Blickfeld gehören. „Wer feststellt, dass ein solcher Job erfüllend ist, sollte sich weiterentwickeln und das Führungs-Handwerk weiter lernen“, lautet die Empfehlung aus Frankfurt.

(2) Robustes Netzwerk: „Fangen Sie mit dem Knüpfen von Kontakten in alle Richtungen so früh wie möglich an. Beschränken Sie sich auch an der Universität nicht nur auf Kommilitonen. Was ist mit Ihren Professorinnen und Professoren, Ihren Chefs im Praktikum, den Kolleginnen und Kollegen in den oberen Hierarchieebenen, die Sie in Ihren ersten Berufsjahren kennen lernen? Entscheidend ist, dass Ihr Netzwerk mit 35 Jahren nicht ein-, sondern mehrdimensional ist“, sagt Schaefer.

(3) Berufliche Positions-Bestimmung: Mit 35 Jahren sollte die Bestimmung des beruflichen Standpunktes fachlich wie überfachlich abgeschlossen sein, lautet ein weiteres Kriterium der Personalberatung. Sie soll dabei helfen, die Fähigkeit zu festigen, sich innerhalb der beruflichen Entwicklung überzeugend einem anderen Menschen vorzustellen.

(4) Umgang mit Stress: Dazu Schaefer: „Die 30er werden oft auch als die ‚Rush Hour‘ des Lebens bezeichnet – weil alles gleichzeitig passiert und die Zeit zu verfliegen scheint. Karriere, Familie, Haus, Vermögensbildung – es kommt alles zusammen. Und wer nach fünf Karriere-­orientierten Berufsjahren dachte, mehr Stress geht nicht mehr, findet sich plötzlich neben dem Handling von Telefon-Konferenzen und Deadlines noch mit der Milchflasche und dem Baby auf dem Schoß nachts um vier Uhr wieder.

Deshalb: Lernen Sie frühzeitig, Ihre Energie auf die Dinge zu lenken, die wirklich relevant sind. Und halten Sie es aus, indem Sie innerlich ruhig werden.“

(5) Feedback: „Sie brauchen die Meinung anderer, um daran wachsen zu können. Genauso wie Sie fähig sein müssen, auch anderen Menschen Ihre Meinung mitzuteilen. Um konstruktive Veränderungen zu bewirken, ohne die falschen Emotionen zu schüren. Entscheidend: Bekommt jemand Feedback, gilt es nicht zu rechtfertigen, sondern auszuhalten. Wertschätzen Sie Dritte beim Feedback, sprechen Sie kritische Punkte aus der Ich-Perspektive an, vermeiden Sie Vorwürfe und nutzen Sie konstruktive Verbesserungs-Vorschläge“, erklärt Schaefer.

 

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