Arbeitswelt

Burn-out-Prophylaxe

Ausgabe-Nr.: 8/2018

Acuroc-Geschäftsführerin Dr. Consuela Utsch: „Multitasking und zu hohe Anforderungen sollten dabei stets durch klar definierte Ziele und eine bestmögliche Fokussierung ersetzt werden. Die aufgestellten Rahmenbedingungen gilt es für die Gesamtorganisation zu übernehmen.“

Informationsflut, ständige Erreichbarkeit, Multitasking-Fähigkeit und hoher Lärmpegel in Großraumbüros sind nur einige der Faktoren, die im Arbeitsalltag langfristig zu Ineffizienz, verlangsamten Prozessen und auch zu Erkrankungen führen. Wenn der Druck im Job zu groß wird und Mitarbeiter sich ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen fühlen, unter Angstzuständen leiden, nicht mehr schlafen können und weniger leistungsfähig sind, folgt zwangsläufig meist die Diagnose: Burn-out-Syndrom.

 

Die Arbeitswelt veränderte sich in den letzten zehn Jahren wie noch nie zuvor. Und mit der Digitalisierung wachsen die Anforderungen nicht nur an die Unternehmen, sondern auch an deren Beschäftigte. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse gilt die Arbeit als der Belastungs-Faktor Nummer eins. Die Befragten empfinden zudem Stress und Druck als stetig zunehmende Faktoren. Auch für die Qualität der Arbeit hat dies negative Konsequenzen: Wer es kaum schafft, seine tägliche To-do-Liste abzuarbeiten, dem bleibt in der Regel keine Zeit für kreatives Denken oder strategische Überlegungen.

Als besonders belastend werden Störungen bewertet. Jeder Mitarbeiter wird bis zu 27-mal am Tag gestört, lautet das Ergebnis einer Studie. Für jede Unterbrechung in einem Arbeitsprozess braucht der Mitarbeiter durchschnittlich 15 bis 20 Minuten, um sich wieder auf die ursprüngliche Aufgabe voll zu konzentrieren.

Damit diese psychische Belastung sich nicht auf die Arbeit und Gesundheit auswirkt, muss die Ursache von Stress behandelt werden. Eine Untersuchung der schwedischen Universität Linköping zeigte jüngst, dass das Gehirn gar nicht darauf ausgerichtet ist, gleichzeitig mehrere Dinge mit derselben Konzentration zu verarbeiten. Es fokussiert sich demnach immer auf die gerade wichtigste Aufgabe. Nur die Abarbeitung einzelner Aufgaben nacheinander stellte sich als wirklich effektiv und produktiv heraus.

Das Gehirn ist nicht darauf ausgerichtet, gleichzeitig mehrere Dinge mit derselben Konzentration zu verarbeiten

Für eine Verminderung der psychischen Arbeitsbelastung der Mitarbeiter sollte das Management vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Eine Möglichkeit ist die regelmäßige externe oder interne Analyse der Auslastung der Beschäftigten. Darüber hinaus hilft ein rollenbasierter Ansatz, der der permanenten Informationsflut und dem damit einhergehenden Stress entgegenwirkt. Mithilfe einer klaren Rollenverteilung und Kommunikationsvereinbarungen weiß etwa jeder Mitarbeiter, wann welcher Kollege gerade welcher Aufgabe nachgeht.

Der Arbeitnehmer selbst teilt über das im rollenbasierten Ansatz verwendete Tool ebenfalls seine eigenen Aufgaben den Kollegen mit. Das Setzen von Zeitfenstern für die jeweilige Aufgabe ist eine der elementaren Voraussetzungen, wobei der Mitarbeiter den Wunsch vermitteln kann, bei der Bearbeitung nicht gestört zu werden.

„Multitasking und zu hohe Anforderungen sollten dabei stets durch klar definierte Ziele und eine bestmögliche Fokussierung ersetzt werden. Die aufgestellten Rahmenbedingungen gilt es für die Gesamtorganisation zu übernehmen. Sie betreffen sowohl die Mitarbeiter als auch die Führungsetage des Unternehmens“, empfiehlt Dr. Consuela Utsch, Geschäftsführerin der Acuroc GmbH in Idstein. Sie berät seit über 20 Jahren mittelständische Unternehmen und die Großindustrie bei der Implementierung von Betriebs- und Projektmanagementprozessen.

 

 

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