Arbeitsmarkt IT-Profis

Verschärfter ‚War for Talents’

Ausgabe-Nr.: 2/2018

Die Besetzung von freien Stellen im IT-Sektor gestaltet sich von Jahr zu Jahr schwieriger. Die steigende Zahl an Vakanzen hat neben dem höheren Bedarf an IT-Dienstleistungen aber einen weiteren, maßgeblichen Grund: Die Fluktuation von IT-Spezialisten nimmt zu. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der offenen Stellen für IT-Spezialisten um 5.000 auf 55.000 gestiegen.

 

„Nicht nur Unternehmen haben immer höhere Anforderungen an die zu besetzenden Positionen in den IT-Fachbereichen, sondern auch die IT-Spezialisten an ihren Arbeitgeber. Beim Blick in die Lebensläufe unserer Bewerber stellen wir fest, dass sich IT-Profis immer schneller neue Arbeitgeber suchen“, sagt Christian Umbs, Managing Director beim Personaldienstleister Robert Half in Berlin.

Diese Entwicklung bleibt nicht ohne weitreichende negative Folgen. Denn für die Unternehmen bedeuten unbesetzte Stellen an Schlüsselpositionen, dass ihre Produktivität sinkt, Projekte nicht rechtzeitig fertiggestellt werden und die Unzufriedenheit im Team steigt, beschreibt Umbs die Problematik.

Damit nicht genug: Eine große Mehrheit der deutschen Firmen setzt bei ihrer IT auf unabhängige Dienstleister und lagert damit ihre IT-Leistungen aus. Nach Untersuchungen von Marktforschern werden externe IT-Dienstleister insbesondere von Unternehmen aus der Transport- und Logistikbranche und dem Handel beauftragt. Seltener hingegen greifen Banken und Finanzdienstleister auf das IT-Outsourcing zurück.

„Für die Wartung der Unternehmens-IT oder zur Lösung alltäglicher EDV-Probleme benötigen nur wenige Unternehmen eigene IT-Mitarbeiter“, sagt Frank Früh, Experte beim Digitalverband Bitkom in Berlin. Externe Dienstleister ermöglichen insbesondere kleineren Unternehmen den Zugriff auf technische Lösungen, deren Entwicklung und Instandhaltung in der Regel weit über die Möglichkeiten einer unternehmenseigenen IT-Fachkraft hinausgeht, meint Früh.

„Wer leistungsfähige IT-Spezialisten halten will, muss langfristig deren Erwartungshaltung bedienen.“

Wie groß die Herausforderungen bei der Bindung von IT-Profis sind, zeigen die Zahlen einer Arbeitsmarktstudie des Berliner Personaldienstleisters. Demzufolge nahm nach den Beobachtungen der befragten IT-Chefs die Fluktuation von IT-Fachkräften in den vergangenen drei Jahren erheblich zu. Die wesentlichen Ursachen: Die Anzahl der attraktiven Stellenangebote steigt stetig an und darüber hinaus bevorzugen die IT-Fachkräfte Positionen, die ihnen möglichst vielfältige berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen bieten (-> Tabelle auf Seite 6).

Diese Bewertung belegen auch die befragten CIOs mit selbstkritischen Einschätzungen zum Verlust von IT-Experten: 27 Prozent sehen stagnierende Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb des eigenen Unternehmens als Ursache für die steigende Fluktuation. Zu niedrige Vergütung, mangelnde Anerkennung und eine schlechte Work-Life-Balance werden als weitere Argumente für die zunehmende Fluktuation genannt.

„Wer leistungsfähige IT-Spezialisten gewinnen und halten möchte, muss langfristig deren Erwartungshaltung bedienen. Am wichtigsten sind dabei das Arbeiten mit modernster Hard- und Software und möglichst abwechslungsreiche Projekte. Leider deutet die steigende Fluktuation unter ITlern darauf hin, dass viele Unternehmen noch immer nicht auf den ‚War for Talents’ eingestellt sind“, erklärt Christian Umbs.

 

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe