Arbeitgeber-Ranking

Vier-Sterne-Marke

Ausgabe-Nr.: 3/2020

Frank Rechsteiner, Inhaber und Gründer der Hype Group: „Veröffentlichte Rezensionen bieten die Chance, um sich hautnah über die Bedürfnisse von Kandidaten und Arbeitnehmern zu informieren und die Kritik von Mitarbeitern zu analysieren.“

Arbeitgeber sollten darum bemüht sein, auf den einschlägigen Bewertungsportalen mindestens vier Sterne zu erreichen: Denn durchschnittliche bis schlechte Noten halten 80 Prozent der Kandidaten von einer Bewerbung ab. Zu dieser Erkenntnis gelangt eine Untersuchung der Personalberatung Hype und des Bewerbermanagement-Anbieters Softgarden.

Rund 1.450 Bewerber aller Berufs- und Altersgruppen wurden nach ihren Präferenzen bei der Jobauswahl befragt. Ob Kunu­nu, Jobvoting oder Glassdoor, unabhängige Arbeitgeber-Rankings sind im Aufwind und beeinflussen immer mehr die Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen. Bei einer Bewertungsskala von ein bis fünf Sternen (1 = sehr schlecht, 5 = sehr gut) reicht allerdings schon eine mittlere Bewertung von drei Sternen aus, um als schlechter Arbeitgeber „gebrandmarkt zu werden“.

Unternehmen sollten diese Plattformen jedoch nicht nur als Risiko einstufen, von frustrierten Mitarbeitern hinterrücks abgestraft zu werden: „Die dort veröffentlichten Rezensionen bieten vielmehr die Chance, um sich hautnah über die Bedürfnisse von Kandidaten und Arbeitnehmern zu informieren und die Kritik von Mitarbeitern zu analysieren“, rät Frank Rechsteiner, Inhaber und Gründer der Hype Group in München. Arbeitgeber können folglich Aufschluss über ihr eigenes Verbesserungs-Potenzial gewinnen und ein Employer Branding umsetzen, das auf die aktuellen Trends und Bedürfnisse im Bewerbermarkt zugeschnitten ist.

Dabei steht eine gute Work-Life-Balance ganz oben auf dem „Wunschzettel“ der Kandidaten. Um Beruf und Privatleben bestmöglich vereinbaren zu können, fordern die Studien-Teilnehmer von den Arbeitgebern Angebote zur betrieblichen Kinderbetreuung, gefolgt von Homeoffice, flexiblen Arbeitszeiten und Gleitzeit. Auch finanzielle und materielle Zusatzleistungen, wie Sport-Mitgliedschaften, Dienstwagen, Spesen- und Fahrtkosten-Zuschüsse, Firmen-Handys sowie betriebliche Altersvorsorge, werden als zentrale Pluspunkte bei der Jobentscheidung genannt.

Um möglichst viele Kandidaten zu erreichen, empfiehlt die Personalberatung, Stellenangebote auf den Social-Media-Kanälen zu posten. Fast 73 Prozent der Bewerber bevorzugen angeblich die sozialen Medien für die Suche nach interessanten Job-Angeboten; allen voran Xing als größtes berufliches Netzwerk in der DACH-Region, gefolgt von Linked­In und Facebook. Weniger beliebt ist der Messenger-Dienst WhatsApp. So lehnen es rund 60 Prozent ab, über diese Applikation über Vakanzen informiert zu werden, da sie ihre Privatsphäre schützen wollen oder Datenschutz-Bedenken hegen.

Insgesamt geben Arbeitgeber-Bewertungsportale sicherlich Aufschluss über gewisse Tendenzen in Unternehmen, die natürlich nicht in vollem Umfang ein objektives Bild vom tatsächlichen Betrieb widerspiegeln können. Des Weiteren ist es selbstverständlich auch kein Zufall, dass große Konzerne wie beispielsweise SAP, Daimler oder Bayer sowohl in Kununu als auch in Glassdoor zurzeit zu den Top-Arbeitgebern gehören. Schließlich verfügen diese über die notwendigen Infrastrukturen sowie das erforderliche Kapital, um den Mitarbeitern etwas bieten zu können. Der Hauptmehrwert solcher Portale dürfte in der Tat darin liegen, potenziellen Bewerbern einen ersten Eindruck vom Unternehmen zu vermitteln. Firmen können Kommentare wiederum beeinflussen und somit indirekt für sich werben, indem sie tatsächlich gute Arbeitsbedingungen offerieren.

 

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