IT-Personalmarkt

Das Debakel wird immer größer

Ausgabe-Nr.: 12/2019

Bitkom-Präsident Achim Berg: „Jede unbesetzte IT-Stelle kostet Umsatz und die Innovationsfähigkeit der Unternehmen wird belastet. Der Mangel an IT-Experten bedroht die Wettbewerbsfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft.“

Die Zahl der offenen Stellen für IT-Fachkräfte erreicht eine neue, alarmierende Rekordmarke. Es gibt derzeit 124.000 offene Stellen für IT-Spezialisten*. Das entspricht einem Anstieg um 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr (82.000). Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt (2017: 55.000). Das ist das Ergebnis einer Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, die der Branchenverband Bitkom in Berlin im letzten Monat vorstellte.

„Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft. So wie sich die Digitalisierung beschleunigt, wird der Bedarf an IT-Fachkräften in den kommenden Jahren weiter stark steigen“, sagt  Bitkom-Präsident Achim Berg und weist darauf hin, dass jede unbesetzte IT-Stelle Umsatz kostet, die Innovationsfähigkeit der Unternehmen belastet und die nötige digitale Transformation bremst.

Besonders begehrt sind Software-Entwickler. Jedes dritte Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle (32 Prozent) sucht Programmierer. Dahinter folgen IT-Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Data Scientists (13 Prozent), IT-Projektmanager (zwölf Prozent) sowie IT-Berater und IT-Service-Manager (je zehn Prozent). „Der hohe Bedarf an Software-Entwicklern zeigt die gravierenden Veränderungen, die im Zuge der Digitalisierung in den Unternehmen stattfinden. Software wird immer mehr zum Teil des Kerngeschäfts. Damit zieht die Software-Entwicklung quer durch alle Branchen in die Unternehmen ein und gewinnt dort massiv an Bedeutung“, erklärt Berg.

Eine Ursache für die schleppende Besetzung von IT-Stellen stellt der Realitätsverlust einiger Bewerber dar. Am häufigsten werden zu hohe und nicht den Qualifikationen entsprechende Gehälter beklagt.

Zudem sind IT-Jobs deutlich schwerer zu besetzen als andere Stellen. 40 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass die Besetzung von IT-Stellen länger dauert als die anderer Positionen. Vor einem Jahr waren es mit 31 Prozent noch deutlich weniger. Auch die Zeitdauer der Vakanz ist im Schnitt von fünf auf sechs Monate gestiegen. In 18 Prozent der Unternehmen bleiben IT-Stellen in der Regel länger als ein halbes Jahr unbesetzt, vor einem Jahr war das nur in zehn Prozent der Unternehmen der Fall.

Eine Ursache für die schleppende Besetzung von IT-Stellen stellt der Realitätsverlust einiger Bewerber dar. Am häufigsten beklagen Arbeitgeber zu hohe (72 Prozent) und nicht den Qualifikationen entsprechende (52 Prozent) Gehaltsforderungen. 41 Prozent der Firmen berichten von allgemein fehlender fachlicher Qualifikation der Kandidaten und mangelhaften Test-Ergebnissen im Auswahl-Verfahren (27 Prozent). Oder aber es fehlt an notwendigen Kenntnissen in neuen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Blockchain (neun Prozent). Weiterhin vermisst jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) die erforderlichen Soft-Skills wie Teamfähigkeit.

Die Unternehmen wären aus Sicht des Berliner Digitalverbandes gut beraten, die Ansprache von potenziellen Bewerbern zu verändern. So gibt eine breite Mehrheit an, dass Kandidaten sich bei ihnen per E-Mail (97 Prozent) oder schriftlich per Bewerbungsmappe (83 Prozent) bewerben können. Nur eine Minderheit setzt dagegen auf Online-Bewerbungs-Tools (26 Prozent) oder ermöglicht die Bewerbung mit einem Mausklick aus Business-Netzwerken heraus (sechs Prozent). Gerade einmal ein Prozent nutzt Bewerbungs-Apps.

Die Personal-Suche wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. So gehen 70 Prozent der Befragten davon aus, dass das sogenannte Active Sourcing in den nächsten fünf Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Dabei suchen die Betriebe beispielsweise gezielt in Business-Netzwerken oder auf Online-Plattformen nach geeigneten Kandidaten und schreiben diese an.

Der Bitkom fordert ein rasches und entschiedenes Handeln gegen den Mangel an IT-Spezialisten. So sollen deutlich mehr junge Menschen und vor allem Frauen für ein Informatik-Studium oder eine IT-Ausbildung gewonnen und die Abbrecher-Quote an den Hochschulen gesenkt werden.

Als kurzfristige Maßnahme wird die Erlaubnis zu Flexibilisierungen im Arbeitsrecht empfohlen. Etwa durch die Möglichkeit, dass IT-Spezialisten im Rahmen einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit ihren Arbeitseinsatz frei einteilen können. Zudem sollte die Digitalbranche dringend von den Neuregelungen des Arbeitnehmer-Überlassungsgesetzes ausgenommen werden. Dieses Gesetz hat dazu geführt, dass Unternehmen weniger auf externe Spezialisten zurückgreifen können oder externe Teams in laufenden Projekten austauschen müssen.

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* Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen ab 3 Mitarbeitern aus allen Branchen. 83 Prozent geben an, dass sie einen Mangel an IT-Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es erst 67 Prozent. Zugleich erwarten zwei Drittel (65 Prozent), dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird.

 

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