IT-Arbeitsmarkt

Mittelstand in der Zwickmühle

Ausgabe-Nr.: 9/2019

Dirk Röhrborn, Mittelstands-Sprecher des Bitkom: „Der IT-Mittelstand schafft jedes Jahr Tausende neuer Jobs. Aber die immer schwieriger werdende Suche nach qualifiziertem Personal begrenzt bei vielen Unternehmen das Wachstum.“

Der Digitalverband Bitkom fand in seinem ‚IT-Mittelstandsbericht 2019‘ heraus, dass mittelständische IT-Unternehmen Zigtausende neue Jobs im Jahr schaffen. Gleichwohl bleibt der Mangel an geeignetem Personal nach wie vor das herausragende Problem der Unternehmen. Der Ärger wird von dem unzureichenden Ausbau der digitalen Infrastruktur, gerade in den ländlichen Gebieten, getoppt.

„Der IT-Mittelstand schafft jedes Jahr Tausende neuer Jobs. Aber die immer schwieriger werdende Suche nach qualifiziertem Personal begrenzt bei vielen Unternehmen das Wachstum. Insbesondere mittelständische Unternehmen sind es, die als IT-Anbieter und -Anwender mit großer Flexibilität und Dynamik die Konjunktur antreiben, neue Arbeitsplätze schaffen und den Standort Deutschland stärken“, sagt Dirk Röhrborn, Mittelstands-Sprecher des Bitkom e.V. in Berlin.

Rund 20.000 zusätzliche Arbeitsplätze schufen mittelständische IT-Unternehmen innerhalb eines Jahres. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in IT-Betrieben mit zehn bis 499 Mitarbeitern stieg um vier Prozent auf etwa 495.000 Mitarbeiter. Dagegen gingen die Umsätze leicht um ein Prozent auf 73 Milliarden Euro zurück. Die Quintessenz: Trotz der Schaffung neuer Stellen und eines damit zu erwartenden Mehrwerts konnten die Betriebe nicht mehr Power auf die Straße bringen.

Rund 82.000 unbesetzte Stellen für IT-Spezialisten stellen die gesamte Wirtschaft vor große Herausforderungen. Die digitale Transformation in allen Branchen führt zu einer Steigerung der Nachfrage, wobei der IT-Mittelstand davon besonders betroffen ist. Dabei sind die Firmen mittlerer Größe das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Auch im Bitkom-Bericht wird die hohe Bedeutung hervorgehoben. So erwirtschaften die 11.162 mittelständischen IT-Unternehmen 34,5 Prozent des Branchen-Umsatzes und bieten 56,1 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der deutschen Informationstechnik einen Arbeitsplatz. (-> Grafik 1)

Der überwiegend in ländlichen Gebieten ansässige IT-Mittelstand befindet sich in Abhängigkeit von der Politik, die für einen zügigen Ausbau von Breitband- und 5G-Mobilfunknetzen Sorge tragen muss.

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften steht in engem Zusammenhang mit einer unzureichenden Ausbildung der heutigen Arbeitnehmerschaft. Die Leidtragenden des Ganzen sind vor allem Mittelständler, die aus vergleichsweise geringen Ressourcen viel herausholen müssen. Kein Wunder daher, dass der verschärfte Mangel zu immer mehr Klagen führt und der Druck zusehends größer wird.

Um der Problematik langfristig entgegenzuwirken, tritt der Bitkom für die Förderung digitaler Kompetenzen in der Schule und im Studium ein. „In der Berufs- und Studienorientierung sollte noch viel intensiver für IT-Berufe geworben werden. Zudem müssen wir die duale Berufsausbildung und das duale Studium im IT-Bereich stärken. Auch das Angebot an Informatik-Studiengängen sollte ausgebaut werden, etwa in Kombination mit Ingenieur- und Sozialwissenschaften“, fordert Röhrborn.

Weiterhin rät der Verband zu einer Anpassung des Arbeitsrechts an die Erfordernisse und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, um beispielsweise dem zunehmenden Wunsch nach mehr selbstbestimmtem Arbeiten gerecht zu werden. Zudem schlagen die Experten eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchst-Arbeitszeit vor.

Neben der Personal-Misere kämpfen Unternehmer mit einer vielerorts schlechten digitalen Infrastruktur. Der überwiegend in ländlichen Gebieten ansässige IT-Mittelstand befindet sich in Abhängigkeit von der Politik, die für einen zügigen Ausbau von Breitband- und 5G-Mobilfunknetzen Sorge tragen muss. Um die Netze auf einen modernen Standard zu bringen und Funklöcher zu schließen, bedarf es vor allem einfacher, standardisierter Antrags- und Genehmigungs-Verfahren.

Für die mittelständische IT-Wirtschaft bietet die 5G-Verbreitung die Gelegenheit, ihre Lösungen im Bereich des ‚Internet of Things (IoT)‘ oder der ‚Künstlichen Intelligenz (KI)‘ weiterzuentwickeln.

Die jüngste Zuteilung der Frequenzen gibt immerhin einen Hoffnungsschimmer, dass im ‚Hochtechnologie-Land‘ etwas Bewegung in die Sachen 5G gerät. Der Bundesverband IT-Mittelstand e.V. (BITMi) begrüßt, dass mit dem Ende der Auktion jetzt der 5G-Ausbau starten kann und durch ergänzende Auflagen die Netzbetreiber nun auch die meisten Funklöcher bestehender 4G-Netze bis Ende 2022 stopfen müssen. „Wir appelieren dringend an die Bundesregierung, jetzt auch die notwendigen Rahmenbedingungen für einen zügigen Ausbau zu schaffen. Umständliche Verwaltungsverfahren und unsichere Grundlagen müssen nun schnellstmöglich beseitigt werden“, mahnt BITMi-Präsident Dr. Oliver Grün.

Für die mittelständische IT-Wirtschaft bietet die 5G-Verbreitung die Gelegenheit, ihre Lösungen im Bereich des ‚Internet of Things (IoT)‘ oder der ‚Künstlichen Intelligenz (KI)‘ weiterzuentwickeln. Firmen außerhalb des IT-Sektors dürfte die Technologie etwas Zuversicht verschaffen, die Hürde ‚Digitalisierung‘ doch noch zu überwinden. Nach dem ‚KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2018‘ schlossen bisher nur 30 Prozent der Mittelständler ihre Digitalisierungs-Projekte erfolgreich ab. Folglich zögern über zwei Drittel der Betriebe eine Umsetzung entsprechender Projekte hinaus.

„Bei der Digitalisierung geht es nicht nur darum, herauszufinden, welche Unternehmens-Prozesse sich automatisieren und damit effizienter gestalten lassen. Wichtig ist auch, zu prüfen, inwiefern digitale Technologien strategische Zielsetzungen unterstützen. Die Systeme, die für entsprechende Implementierungs-Maßnahmen in Frage kommen, sollten deshalb auch unter der Fragestellung ausgewählt werden, was der Return on Investment ist und welche Erfolgs-Potenziale sich damit für die Zukunft erschließen lassen“, erläutert Andreas Zipser, Managing Director Central Europe bei der Sage GmbH in Frankfurt.

 

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