Wirtschaft/Digitalisierung

Deutsche laufen hinterher

Ausgabe-Nr.: 2/2020

Keine gute Nachricht zum Start ins neue Jahr. Die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft beurteilen die eigenen Erfolge bei der Digitalisierung skeptisch. Eine deutliche Mehrheit von 58 Prozent der Geschäftsführer und Vorstände gibt an, dass ihre Firma bei der Digitalisierung noch ein Nachzügler ist. Drei Prozent geben sogar zu, dass sie den Anschluss verpasst haben. Nur 36 Prozent der Unternehmen halten sich für einen Digitalisierungs-Vorreiter.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern, die im Auftrag des Digitalverbands Bitkom e. V. in Berlin durchgeführt wurde. Erwartungsgemäß korrespondiert der Fortschritt bei der Digitalisierung mit der Unternehmensgröße. Von den Betrieben mit 20 bis 99 Mitarbeitern sagen 34 Prozent, sie seien Vorreiter, bei jenen mit 100 bis 499 Mitarbeitern sind es 38 Prozent. Von den Firmen mit 500 bis 1.999 Mitarbeitern hält sich nahezu jede zweite (47 Prozent) für einen Digitalisierungs-Vorreiter und unter jenen mit 2.000 oder mehr Mitarbeitern steigt der Wert sogar auf 71 Prozent (-> Grafik 5). „Der innovative Mittelstand hat über Jahrzehnte die deutsche Wirtschaft geprägt und maßgeblichen Anteil an Wachstum und Wohlstand. Erfolg ist aber kein Naturgesetz, künftig funktioniert er nur noch digital“, gibt der Verband zu bedenken.

38 Prozent der Befragten erklären, dass sie über eine zentrale Digitalstrategie für das gesamte Unternehmen verfügen. Fast genauso viele (37 Prozent) entwickeln zumindest in einzelnen Unternehmens-Bereichen entsprechende Strategien. Aber 23 Prozent verzichten weiterhin vollständig auf eine Digitalstrategie (-> Grafik 6). Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied nach Unternehmensgrößen:

Während kein Betrieb mit mehr als 2.000 Mitarbeitern angibt, auf eine Digitalstrategie zu verzichten, sind es bei den Unternehmen mit 100 bis 499 beziehungsweise 500 bis 1.999 Mitarbeitern jeweils 8 Prozent. Unter den kleineren Unternehmen zwischen 20 und 99 Mitarbeitern hat mehr als jedes vierte (28 Prozent) keine Strategie als Antwort auf den digitalen Wandel entwickelt. „Analog fahren heißt auf Sicht fahren, und das wird nicht mehr genügen. Unternehmer und Manager müssen ihre Geschäftsmodelle quer durch alle Branchen und Größenordnungen noch konsequenter digitalisieren“, kommentiert Bitkom-Präsident Achim Berg die Ergebnisse der Untersuchung.

Für die kompetenten Anbieter digitaler Produkte und Dienstleistungen sollten diese Zahlen zu weiteren Konsequenzen führen. Nämlich zur Ausrichtung ihrer Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten auf diejenigen Zielgruppen, die im Transformations-Prozess die Nase vorne haben.

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Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 502 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt. Die Fragestellungen lauteten „Wo steht Ihr Unternehmen generell beim Thema Digitalisierung?“ und „Verfolgt Ihr Unternehmen eine Strategie zur Bewältigung des digitalen Wandels?“ Die Umfrage ist repräsentativ.

 

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