SAP/Voice

Rechtliche Schritte vorbehalten

Ausgabe-Nr.: 37/2018

Der Bundesverband der IT-Anwender e.V. ist Interessenvertretung und Netzwerk in einem. Als Verband vertritt Voice e.V. die Interessen der CIOs und IT-Verantwortlichen und versteht sich als Sprachrohr der Anwenderinteressen. Er hält die SAP-Lizenz-Bestimmungen in Bezug auf indirekte Nutzung/Digital Access aufgrund von zwei juristischen Gutachten für rechtswidrig. Die geplanten zusätzlichen Gebühren für den indirekten Zugriff von Devices und Fremd-Programmen verunsichern die SAP-Nutzer, erhöhen ihr Kostenrisiko erheblich und widersprechen dem Grundsatz der Interoperabilität.

 

Voice beauftragte eine internationale Rechtsanwalts-Kanzlei mit der Erstellung von zwei juristischen Gutachten zu indirekter Nutzung und Digital Access. Die Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass die Lizenzbestimmungen der SAP in dieser Hinsicht rechtswidrig sind und der Software-Hersteller seine starke Stellung im Markt für Business-Software gegenüber seinen Kunden missbraucht. Die Lizenzbestimmungen der SAP seien weder transparent noch fair.

Dr. Thomas Endres, Vorsitzender des Voice-Präsidiums, erklärt das Motiv für die Gutachten und die Ziele des Bundesverbandes: „Als Interessenvertreter der IT-Anwender setzen wir uns für transparente und faire Lizenzbedingungen ein. Die von SAP nach wie vor nicht eindeutig definierte indirekte Nutzung/Digital Access ist weder fair noch transparent.“ Endres findet es zwar verständlich, dass sich die Software-Hersteller auf die veränderte Nutzung ihrer Produkte in einer immer stärker digitalisierten Welt vorbereiten. Aber es darf nicht einseitig zu Lasten der Anwender gehen.

Zudem hat der Verband der Anwender ein Interesse an einem offenen Software-Markt, in dem nicht ein dominanter Anbieter die Bedingungen diktiert. „Gerade in Bezug auf die laufende digitale Transformation ist die Interoperabilität der Systeme essentiell. Wenn diese Interoperabilität durch ungerechtfertigte Gebühren eingeschränkt wird, wäre das für alle Markt-Teilnehmer fatal“, betont Endres.

Der Markt für Third-Party-Applikationen muss zwingend offen gehalten werden

Patrick Quellmalz, Leiter Service bei Voice und Geschäftsführer der Voice CIO-Service GmbH, sieht die indirekte Nutzung als Gefahr für die digitale Transformation. Aus zwei Gründen: Anwender setzen sich lizenzrechtlichen Risiken aus, wenn sie zukunftsgerichtete Technologien einsetzen. Etwa wie APIs, Container oder nur eine moderne E-Commerce-Lösung, die auch SAP-Daten nutzt. Außerdem schädigt die SAP mit ihrem Lizenzverhalten massiv den Markt für Third-Party-Applikationen.

Voice fordert SAP daher auf, ihre Lizenzbestimmungen bezüglich indirekter Nutzung/Digital Access anwenderfreundlicher und transparenter zu gestalten, um die Nutzer nicht über Gebühr zu belasten und unkalkulierbaren Kostenrisiken auszusetzen. Diese Forderung inkludiert ausdrücklich auch die Auditpraxis der SAP. Der Markt für Third-Party-Applikationen muss zwingend offen gehalten werden. Der Verband wird weiterhin das direkte Gespräch mit der SAP suchen, behält sich aber auch alle in Frage kommenden juristischen Schritte vor.

 

 

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