Künstliche Intelligenz (KI)/IDC

Branchenübergreifendes Interesse

Ausgabe-Nr.: 25/2019

Matthias Zacher, Projektleiter der IDC-Studie: „Unsere Prognosen zeigen, dass KI-Software bis 2022 hierzulande jährlich durchschnittlich um 57 Prozent wächst und damit deutlich über dem westeuropäischen Wachstum von 49 Prozent liegt.“

Das Marktforschungs-Unternehmen IDC erstellte eine Studie zur Akzeptanz und Verbreitung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der deutschen Wirtschaft. Obwohl der tatsächliche Einsatz von KI noch relativ übersichtlich ist, ist das stark gestiegene Interesse der gewerblichen Anwender sehr bemerkenswert. Fast 90 Prozent der von IDC befragten Unternehmen planen die Umsetzung eines neuen KI-Projekts in den nächsten zwölf Monaten.

„Dieses Thema hat in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland weiter Fuß gefasst. Firmen, die einmal mit KI begonnen haben, entscheiden sich für weitere Projekte. Das bewerten wir als deutlichen Beleg für den Nutzen der Technologie“, kommentiert das Marktforschungs-Unternehmen International Data Corporation (IDC) mit Firmensitz im US-amerikanischen Framingham die Ergebnisse seiner Studie ‚Künstliche Intelligenz in Deutschland 2019‘. Für die Untersuchung wurden im April 2019 IT- und Fachentscheider in Deutschland aus 305 Organisationen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt, die KI evaluieren, pilotieren oder einsetzen.

Bislang setzten laut Aussagen der befragten Unternehmen 41 Prozent KI-Projekte um. Das ist ein Plus: 2018 waren es lediglich 27 Prozent. Indes: Das Interesse an KI ist bei den Firmen stark gestiegen, doch der tatsächliche Einsatz ist nach wie vor begrenzt. Dennoch planen 88 Prozent der IDC-Studien-Teilnehmer die Umsetzung eines neuen KI-Projekts in den nächsten zwölf Monaten. Vor einem Jahr waren es lediglich 69 Prozent.

Die drei am häufigsten genannten KI-Businessziele und -Use-Cases sind: die Automatisierung von IT-Prozessen (34 Prozent), die Automatisierung von Sales- und Marketingprozessen (31 Prozent) sowie die Optimierung des Personaleinsatzes (30 Prozent).

Der Blick auf andere westeuropäische Länder zeigt, dass Deutschland vielfältige Maßnahmen ergreift, um zu Großbritannien oder den skandinavischen Ländern aufzuschließen. Der Abstand zu den anderen Staaten wird sich nach Überzeugung von Experten weiter verringern. „Unsere Prognosen zeigen, dass KI-Software bis 2022 hierzulande jährlich durchschnittlich um 57 Prozent wächst und damit deutlich über dem westeuropäischen Wachstum von 49 Prozent liegt“, sagt Matthias Zacher, Projektleiter der IDC-Studie.

Der Einsatz von KI basiert auf einer Vielzahl unterschiedlicher Anwendungs-Szenarien. Am häufigsten nutzen die befragten Unternehmen KI zur Texterkennung (57 Prozent), Spracherkennung (47 Prozent), Bilderkennung/Bild-Klassifikation (43 Prozent), für überwachtes Lernen (42 Prozent) sowie die Extraktion von Wissen (41 Prozent). Am Markt gibt es eine Vielzahl an KI-Plattformen, -Services und -Anbietern. Für 60 Prozent der Befragten sind cloudbasierte KI-Services die bevorzugte Bereitstellungsform. Die Unternehmen nutzen sowohl KI-Services und KI-Lösungen Dritter, entwickeln aber zugleich eigene Algorithmen. In diesem Zusammenhang ist für 42 Prozent der Befragten auch Open Source eine Option für die Entwicklung eigener KI-Services.

Das große Interesse an KI ist branchenübergreifend. Allerdings sind die Lösungen noch nicht in allen Industriezweigen gleichermaßen im Einsatz. Vorreiter bei der Umsetzung sind demnach Versorger, Telekommunikations-Unternehmen und Financial Services. Die Schlusslichter bilden die öffentliche Verwaltung und Dienstleistungs-Anbieter. Anwender und Anbieter profitieren dabei gleichermaßen von Cases aus der eigenen Branche. Aber auch branchenübergreifend eröffnen sich zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten. „Wir sehen, dass immer mehr Referenzen zur Verfügung stehen“, sagt Zacher.

Wie kann Innovation die Optimierung von Prozessen unterstützen? Das fragt sich Andreas Kerger, Global Head of Machine Learning Practice bei der SAP AG in Walldorf. Er verweist darauf, dass mit der intelligenten Roboter-Prozess-Automatisierung (RPA) neue, innovative Prozesse eingeführt werden. Sie bedient sich der Fähigkeit, menschliche Interaktion mit Benutzerschnittstellen von Software-Systemen nachzuahmen. Dieses wird mit interaktiven Anwendungs-Assistenten und eigenständigen Bots umgesetzt, die innerhalb und zwischen verschiedenen Anwendungen agieren können. Die Assistenten können beispielsweise auch über natürliche Sprache gesteuert werden und eröffnen somit ganz neue Möglichkeiten, wie man Prozesse innovativ optimieren kann.

Das Fazit: Das Potenzial von KI wird die IT- und Fachabteilungen in den nächsten zwei bis drei Jahren umfassend beschäftigen. IDC zeigt sich davon überzeugt, dass mittelfristig alle Unternehmen und Organisationen KI in den verschiedensten Ausprägungen nutzen werden.

 

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