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Feedback zur Rubrik ‚Meinung‘

Ausgabe-Nr.: 39/2020

Zu unserem Bericht ‚Schleifspuren bei den Supplies‘ in der INFO-MARKT-Ausgabe Nr. 36/2020 erreichte uns von einem Branchen-Beobachter* die folgende Zuschrift:

„Die Auswirkungen geringerer Druck-Volumina werden erst im Januar 2021 ihren Höhepunkt erreichen! Denn die Jahresend-Abrechnung der Klicks wird die vollständige Problematik erst sichtbar machen. Der jährliche Geldsegen am Jahresanfang, den die traditionelle Mehrkopien-Abrechnung in die Kassen der Service-Unternehmen spült, wird nicht nur versiegen. Vielmehr sollten die Anbieter damit rechnen, dass zum ersten Mal in der Geschichte der Branche es zu erheblichen Rückzahlungen kommt. Die konkreten Auswirkungen werden je nach Vertrags­art unterschiedlich ausfallen:

(1) Klassische Verträge mit Mindestkopien verursachten den Service-Lieferanten im laufenden Jahr zwar geringere Service-Kosten, doch ist damit zu rechnen, dass viele Kunden nachrechnen und die Mindestvolumina nachverhandeln.

(2) Volumenverträge, die entweder im Pool oder zum Jahresende die Klicks saldieren, werden zwangsläufig zu Rückzahlungen führen.

Der Artikel meldet eine mehr oder weniger normale Stimmungs- und Umsatz-Situation im Fachhandel. Vor einem recht weit verbreiteten Optimismus nach dem Motto ‚Es ist noch immer gut gegangen‘ muss dringend gewarnt werden!

Denn die oberflächliche Betrachtung der betriebswirtschaftlichen Zahlen ist trügerisch. Es sind zwar aufgrund weniger Klicks geringere Aufwendungen (Einsätze, E-Teile und Supplies) für die technischen Dienstleistungen entstanden.

Doch gleichzeitig wurden die vertraglichen Monats-Abrechnungen nicht nach unten angepasst und bringen somit quasi ‚normale‘ Service-Umsätze. Diesen Fehler wird die vertragliche Jahres-Abrechnung schonungslos offenlegen. Es ist deshalb anzuraten, ausreichende Rückstellungen zu bilden.

Dem Vertrieb ist zu empfehlen, frühzeitig in eine proaktive Diskussion mit den Kunden einzusteigen, um die Verträge der neuen Lage anzupassen. Das ist jedenfalls besser, als auf den Anruf der Einkäufer zu warten. Und nicht nur das: Wir werden aus der Corona-Zeit für die nahe Zukunft erhebliche Lehren ziehen müssen.

Der zu erwartende Rückgang wird die ganze Branche an der empfindlichsten Stelle treffen. Nämlich bei den Gewinnen aus dem Technischen Kundendienst und somit direkt in die Gewinn- und Verlustrechnung der Betriebe durchschlagen. Dass die Hersteller den ersten Effekt spüren, mit bis zu einem Drittel Rückgang der Verbrauchsmaterialen, ist nachvollziehbar.

Dass die veränderte Situation das Niveau für die Zukunft abbildet, sollten alle Anbieter in ihren Planungen sofort berücksichtigen. Es wird nicht ausbleiben, die Leistungs-Kennzahlen des klassischen Technischen Service genau zu prüfen, um bei niedrigerem Bedarf nur die angepasste Anzahl von Service-Technikern vorzuhalten.

Wir müssen schnellstens realisieren, dass durch die Auslagerung der Arbeit ins Home-Office bei gleichzeitig verstärkter Digitalisierung viele Klicks unwiederbringlich verschwunden sind und damit auch ein Teil der Arbeit!“

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* In dieser Rubrik nennen wir grundsätzlich keine Namen, weil bei der Offenlegung der Identität Rückschlüsse auf einen Teil unserer Hintergrund-Informanten für unsere gesamte Berichterstattung gezogen werden können.

 

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