ECM-Markt

Verhagelte Geschäftsaussichten

Ausgabe-Nr.: 13/2018

Die Branche registriert ein steigendes Interesse der Anwender an Enterprise-Content-Management-Lösungen (ECM). Auf Basis dieser Erwartungen rechnen 80 Prozent der Anbieter für das erste Halbjahr dieses Jahres mit einem Anstieg der Umsätze. Mehr als zwei von drei Unternehmen planen 2018 die Einstellung von mehr Personal. Doch der Mangel an Fachkräften bleibt nicht nur die größte Herausforderung, sondern er limitiert auch die guten Wachstumsmöglichkeiten.

 

Die Anbieter von Enterprise-Content-Management-Systemen profitieren vom steigenden Interesse an Lösungen für digitale Geschäftsprozesse. Acht von zehn Firmen (81 Prozent, 2. Halbjahr 2017: 80 Prozent) erwarten für die erste Jahreshälfte mehr Aufträge und steigende Umsätze. 17 Prozent (2. Halbjahr 2017: 14 Prozent) rechnen mit stabilen Einnahmen und drei Prozent der Unternehmen (2. Halbjahr 2017: 6 Prozent) gehen von einem Umsatzrückgang aus.

Die Mehrheit der ECM-Unternehmen (69 Prozent, 2. Halbjahr 2017: 69 Prozent) plant 2018 auch mit steigenden Mitarbeiterzahlen. Diese Ergebnisse zeigt das 13. ECM-Barometer des Digitalverbands Bitkom e. V. in Berlin. Der sogenannte ECM-Index steigt leicht um drei Punkte auf 78 an und befindet sich damit wieder auf dem Niveau des Vorjahres. „Die Geschäftsentwicklung im zweiten Halbjahr 2017 war weiterhin positiv. Export- und Binnennachfrage werden die positiven Entwicklungen weiter vorantreiben, sodass die Branche positiv vorausschauen kann“, behauptet Nils Britze, Referent Digitale Geschäftsprozesse beim Berliner Verband.

„In Deutschland wird es immer schwieriger, die dringend benötigten IT-Spezialisten zu finden.“

Ob sich diese grundsätzlich optimistischen Geschäftsprognosen der ECM-Branche erfüllen, die auch die Verbandsvertreter in der Landeshauptstadt in Aussicht stellen, bleibt jedoch nach unserer Ansicht abzuwarten. Denn die desolate Situation auf dem Arbeitsmarkt für die erforderlichen Fachkräfte dürfte den Anbietern einen dicken Strich durch die Rechnung machen. 44 Prozent der vom Bitkom befragten ITK-Unternehmen mit ECM-Geschäft sehen diesen Faktor als behindernd an. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) empfinden die Fachkräftesituation sogar als sehr behindernd. „Die Lage ist zum Verzweifeln. Selbst wenn man einen entsprechenden Mitarbeiter findet, ist noch nicht garantiert, dass die Qualifikation sich als ausreichend erweist und er auch die Probezeit übersteht“, berichtet uns ein Software-Hersteller aus Norddeutschland.

Nach einer Bitkom-Studie gibt es branchenübergreifend derzeit 55.000 unbesetzte Stellen für IT-Fachkräfte (2016: 51.000). „In Deutschland wird es immer schwieriger, die dringend benötigten IT-Spezialisten zu finden. Die ECM-Branche braucht Experten wie Software-Entwickler, Spezialisten für IT-Sicherheit und IT-Berater, um die eigenen Geschäfte erfolgreich zu gestalten“, sagt Britze. Jedes fünfte ECM-Unternehmen gibt an, die politischen Rahmenbedingungen würden ein stärkeres Wachstum behindern.

Über die Lage der Branche und die aktuellen ECM-Trends wird auch auf der zweiten Digital Office Conference des Bitkom am 19. September 2018 in Düsseldorf diskutiert. Auf der Veranstaltung werden Best Practices aufgezeigt. Zusätzlich bieten die Digital Hubs Logistik und InsurTech in Nordrhein-Westfalen konkrete Unternehmensbeispiele aus den Branchen. Ein Fokus liegt dabei auf Effizienz- und Innovationspotenzialen durch die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Auf die Teilnehmer warten ein ganztägiges Vortragsprogramm sowie vier Themeninseln: (1) Arbeit 4.0, (2) Digitalisierung von Kundenservices, (3) Digitalisierung von Verwaltungs- und Finanzprozessen und (4) Digitalisierung von Produktions- und Stammdatenprozessen.

 

 

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