Vivonio Furniture Group

„Perlen im Portfolio“

Ausgabe-Nr.: 26/2018

Vivonio-Geschäftsführer Elmar Duffner: „Grundsätzlich interessieren uns Unternehmen, die eine starke Marktposition haben, in einer Nische spezialisiert sind, über gute Wachstumschancen verfügen und wo für den Inhaber z.B. die Nachfolge zu lösen ist. Solche Perlen wollen wir auch weiterhin in unserem Portfolio sammeln.“

Die in München ansässige Gruppe konnte sich seit ihrer Gründung in 2012 zunehmend zu einem bedeutenden Player im europäischen Markt etablieren. Mit sechs Tochterunternehmen, sieben Werken und 1.700 Mitarbeitern erwirtschaftet die Holding einen jährlichen Gruppenumsatz von rund 400 Millionen Euro. INFO-MARKT sprach mit Vivonio-CEO Elmar Duffner und Theo Budde, Geschäftsführer der Tochter fm Büromöbel GmbH, über ihre Strategie im Office-Bereich, die Ambitionen hinsichtlich Umsatz und weiterer Akquisitionen, die Bestrebungen in Bezug auf die integrierten Töchter sowie die digitalen Herausforderungen für das eigene Unternehmen und die gesamte Branche.

 

INFO-MARKT: Herr Duffner, aus welchen Gründen haben Sie sich für den Einstieg in die Büromöbel-Branche entschieden?

Duffner: Ich bin bereits lange in der Möbelindustrie tätig und betrachte die Büromöbelbranche als einen wichtigen Teil dieser Industrie mit eigenen konjunkturellen Gesetzen und spannenden Herausforderungen. Der Umsatz wächst in diesem Segment seit vier Jahren kontinuierlich und liegt momentan bei knapp 2,4 Milliarden Euro. Die Vivonio-Gruppe hat 2016 bereits den Sitz-/Stehtisch-Spezialisten Leuwico erworben und 2017 mit dem Zukauf von fm Büromöbel ihr Portfolio im Büromöbelsegment verstärkt. Mit dem Einstieg in dieses Segment konnten wir unser Portfolio noch einmal deutlich diversifizieren. Wir befinden uns mit unseren Unternehmen im größten Möbelmarkt in Europa mit einem Marktvolumen von über 31 Milliarden Euro (zu Endverbraucherpreisen) und haben nun eine relevante Größe erreicht. Die Leistungsfähigkeit der deutschen Möbelindustrie kann man gut daran bemessen, dass die deutschen Hersteller weltweit der drittgrößte Möbelexporteur sind. Allerdings ist die deutsche Möbelindustrie noch stark fragmentiert, es gibt noch knapp 500 Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern. Wir sind überzeugt, dass es hier zu einer deutlichen Konsolidierung kommen wird, die wir aktiv mitgestalten werden.

 

INFO-MARKT: Können Sie uns Ihr Geschäftsmodell und Ihre Aktivitäten vorstellen?

Duffner: Unsere Gruppe verfügt mit sieben Unternehmen und 1.700 Mitarbeitern über drei Säulen mit dem Schwerpunkt im Kastenmöbel-Bereich: Zum einen den Konsumbereich, wo wir am ostdeutschen Standort Wittichenau mit Maja für IKEA fertigen. IKEA hat immerhin einen Marktanteil von 15 Prozent in Deutschland. Wir produzieren für IKEA im Drei-Schicht-Betrieb in einer hochautomatisierten Fabrik fünf bis sechs Millionen Artikel pro Jahr. In Spitzenzeiten transportieren wir täglich bis zu 45 Sattelzüge mit Möbeln ab.

Das zweite Segment sind Aufbewahrungssysteme für den Bereich Schlafen. Dazu gehört das Unternehmen Staud, ein Spezialist für Schwebetürenschränke in Baden-Württemberg. Hinzu kommen zwei weitere Hersteller von Maßschränken in Holland und Dänemark, Noteborn und KA Interiør.

Das dritte Segment bilden die Büromöbel. Dazu gehören fm Büromöbel, Leuwico und Maja Kasendorf. Bei Letzterem handelt es sich um einen Hersteller von Mitnahmemöbeln. Maja Kasendorf beliefert mit dem Sortimentsschwerpunkt Home-Office-Systeme den Möbelfachhandel. Nach dem jüngsten Kauf des dänischen Schiebetüren-Herstellers KA Interiør liegt die Gruppe bei einem Jahresumsatz von rund 400 Millionen Euro.

Unser Ziel ist es, sowohl organisch als auch über Zukäufe zu wachsen. Bei der seit 2012 zur Gruppe gehörenden Tochter Maja-Möbelwerk in Wittichenau haben wir zum Beispiel mit einer Investition von 65 Millionen Euro eine Verdoppelung der Fertigungskapazitäten erzielt und produzieren dort nun auch innovative Leichtbaumöbel.

Neben der Kapazitäts- und Umsatzsteigerung bei den bestehenden Töchtern suchen wir im Rahmen von Zukäufen nach interessanten mittelständischen Unternehmen, welche zum Beispiel aufgrund einer fehlenden Nachfolgeregelung zum Verkauf stehen.

 

INFO-MARKT: Wie sieht Ihre Strategie im Office-Bereich aus und welche Kriterien müssen erfüllt sein, um in die Gruppe aufgenommen zu werden?

Duffner: Wir bevorzugen Unternehmen, die sich hochspezialisiert haben. So liegt die Kernkompetenz von Leuwico bei den manuell höhenverstellbaren Schreibtischen. Leuwico ist der einzige Anbieter, der sich auf diese Produktkategorie spezialisiert hat. fm Büromöbel wiederum zeichnet sich durch eine moderne, hochautomatisierte Losgröße-1-Fertigungsanlage aus und ist damit bei Stauraummöbeln äußerst wettbewerbsfähig.

Grundsätzlich interessieren uns Unternehmen, die eine starke Marktposition haben, in einer Nische spezialisiert sind, über gute Wachstumschancen verfügen und wo für den Inhaber zum Beispiel die Nachfolge zu lösen ist. Solche Perlen wollen wir auch weiterhin in unserem Portfolio sammeln. Wir sind dann mit unseren Gesellschaftern in der Lage, zukünftiges Wachstum zu finanzieren.

 

INFO-MARKT: Sondieren Sie aktiv innerhalb der Office-Branche?

Duffner: In der Regel kommen interessierte Unternehmen auf uns zu. Über mein gutes Branchen-Netzwerk gelingt es zudem, bei für uns interessanten Unternehmen einmal vorsichtig zu sondieren.

 

INFO-MARKT: Ist in diesem oder im nächsten Jahr noch mit einer Akquisition Ihrerseits zu rechnen?

Duffner: Generell ist das immer möglich. Seit 2016 haben wir vier Unternehmen übernommen. Für uns ist wichtig, dass wir mit den richtigen Unternehmen und den passenden Rahmenbedingungen zusammenkommen. Wir wollen die Interessenten davon überzeugen, dass wir sie als starker strategischer Partner bei ihrem Wachstum unterstützen können. Beispielsweise investierten wir im vergangenen Jahr zehn Millionen Euro in das Traditionsunternehmen Staud und erweiterten die Fabrik um eine neue Montagelinie und 6.000 Quadratmeter Produktionsfläche.

 

INFO-MARKT: Derzeit sind interessante Konzentrationsbewegungen wie bei Flokk oder Hermann Miller zu beobachten. Sind die Schnäppchen-Jäger mit ihrem Einkaufswagen unterwegs?

Duffner: Die Möbelindustrie steht in der Finanzbranche sicherlich nicht an erster Stelle. Aber es ist interessant zu beobachten, dass sich aktuell vor allem chinesische Investoren für Unternehmen der deutschen Möbelindustrie interessieren. Häufig kommen natürlich auch Unternehmen auf den Markt, die sich bereits in einer Restrukturierung befinden. Daran sind wir nicht interessiert.

 

INFO-MARKT: Wie beurteilen Sie die gute Konjunktur im Hinblick auf eine demnächst anstehende Konsolidierung?

Duffner: Es ist schwierig, eine Vorhersage zu treffen. Meiner Meinung nach läuft die Büromöbelbranche weiterhin sehr gut. Die Rahmenbedingungen sind aktuell ideal und die Konjunktur erweist sich weiterhin als sehr robust, was insbesondere für die Büromöbelbranche zutrifft. Ich sehe im Moment noch keine Anzeichen, dass sich das im nächsten Jahr ändern sollte. Zusätzlich profitieren wir aktuell davon, dass die Nachfrage nach Sitz-/Stehtischen von hoher Dynamik getrieben wird. Bei einem Rückgang des Marktes werden die guten Unternehmen aufgrund von erstklassigen Produkten, dem besten Vertrieb oder besonders loyalen Händlern in der Lage sein, Marktanteile zu gewinnen.

 

INFO-MARKT: Ist der deutsche Markt in dieser Hinsicht nicht bereits gesättigt?

Duffner: Ja, aber es gibt Verschiebungen. Das wird am Beispiel IKEA deutlich. IKEA ist der weltweit am schnellsten wachsende Möbelhändler. In Deutschland will IKEA beispielsweise einen Marktanteil von 25 Prozent erreichen. Das wird durch die Eröffnung weiterer Häuser und parallel mit der Befeuerung des E-Commerce-Geschäftes gelingen. Die Wachstumschancen von IKEA sind enorm und wir als IKEA-Lieferant – vorausgesetzt wir machen einen guten Job und betreiben eine exzellente Fabrik – werden mitwachsen. Der klassische Möbelfachhandel kommt damit unter Druck. In diesem Jahr klagt die Großzahl der Händler über eine deutlich rückläufige Frequenz in ihren Häusern. Das liegt auch daran, dass viele Kunden sich vor ihrem Kauf bereits im Internet gut vorinformieren und nicht mehr 2 oder 3 Möbelhäuser besuchen, bevor sie kaufen. Auch das Wachstum auf der E-Commerce-Seite führt zu Umsatzrückgängen im stationären Möbelhandel.

 

INFO-MARKT: Welche Rolle spielt bei Ihnen im Office-Markt das Produktportfolio?

Duffner: Wie schon zuvor skizziert, glauben wir an eine Spezialisierung, man könnte das auch Exzellenz nennen, die unsere Unternehmen auszeichnet. Insoweit fehlt uns vielleicht noch der Bereich Bürositzmöbel.

 

INFO-MARKT: Kann man mit Sitzmöbeln in diesem Markt noch Geld verdienen?

Budde: Es gibt eine ganze Reihe erfolgreicher Hersteller wie Interstuhl, Wagner oder Viasit, die in den letzten Jahren stark gewachsen sind. Man kann somit ganz bestimmt Erträge mit Bürostühlen erwirtschaften. Die Branche hat gute Aussichten, weil die Unternehmen durch den allgegenwärtigen Fachkräftemangel gezwungen sind, ihren Mitarbeitern schöne Büros mit guter Ausstattung zur Verfügung zu stellen. Außerdem profitieren wir bereits seit längerem vom Thema Work-Life-Balance, welche für die junge Generation immer wichtiger wird. Wir haben uns daran orientiert und produzieren mittlerweile auch Küchen, die inzwischen als inoffizieller Meeting-Bereich genutzt werden. Die „Geiz-ist-geil“-Mentalität der vorangegangenen Jahre ist spürbar zurückgegangen. Neben dem eigenen Büro wird zunehmend auch sehr stark in Meetingrooms gearbeitet. Dadurch entstehen zwei Arbeitsplätze pro Person. Wir beobachten mit Interesse, dass heute wesentlich flexibler gearbeitet wird als früher. Auch bei den Sitz-/Stehtischen besteht ein großes Potenzial, weil heute nur 25 Prozent der bestehenden Möbel höhenverstellbar sind. Gerade im riesigen Behördenbereich wird aktuell stark in diese Produkte investiert.

Wer heute keinen Sitz-/Stehtisch kauft, läuft Gefahr, über kurz oder lang erneut kaufen zu müssen. Auch der Anteil an Meeting-Möbeln in neu eingerichteten Unternehmen ist stark gestiegen. Heute kommt auf fünf Arbeitsplätze ein Meetingraum. Auch diese Räume werden zunehmend mit Sitz-/Stehtischen ausgestattet. Und wir verkaufen zunehmend mit jeder größeren Einrichtung zusätzlich Lounge-Möbel. Ich denke, dass wir immer mehr auf eine bunte Arbeitswelt zusteuern, denn Büromöbel waren noch nie so schön und wohnlich wie jetzt.

 

INFO-MARKT: Über welches Umsatzvolumen verfügen die beiden Vivonio-Töchter Leuwico und fm Büromöbel zusammen?

Duffner: Wenn wir den Home-Office-Bereich hinzunehmen, liegen wir im gesamten Büromöbelbereich bei rund 100 Millionen Euro.

 

INFO-MARKT: Welche Ambitionen verfolgen Sie in diesem Bereich hinsichtlich des Umsatzes?

Duffner: Wir möchten das organische Wachstum unserer Unternehmen unterstützen, sei es durch Investitionen in die Produktentwicklung, den Aufbau von Exportmärkten oder die Erweiterung der Produktionskapazität. Weitere Zukäufe in diesem Segment sind natürlich auch nicht ausgeschlossen.

 

INFO-MARKT: Sie verfügen mit den oben genannten Beteiligungen über sechs Tochterunternehmen. Bleiben diese Marken erhalten oder wird es eines Tages eine Dachmarke ‚Vivonio‘ geben?

Duffner: Nein, wir sehen Vivonio nur in der Funktion einer Holding. Unsere Portfoliounternehmen führen wir sehr dezentral. Die Unternehmen werden von starken Geschäftsführern vor Ort geführt und agieren jeweils als Herstellermarke oder Handelsmarke.

 

INFO-MARKT: Da die Bedeutung von Bürolandschaften zunimmt, entsteht beispielsweise im Fall von Leuwico die Notwendigkeit, die Produktpalette im Hinblick auf die neue Arbeitswelt zu vervollständigen?

Budde: Unsere Maxime war es schon immer, das ganze Büro vom Chefzimmer bis zu den Konferenzmöbeln und Tresen einzurichten. Bereits vor der Übernahme von Leuwico und fm Büromöbel durch die Vivonio-Gruppe fanden Kooperations-Gespräche zwischen uns und dem oberfränkischen Hersteller statt. Und jetzt führen wir natürlich die Zusammenarbeit mit diesem Spezialisten fort, unter anderem weil das Unternehmen über den weltweit besten Gaslift-Sitz-Steh-Tisch verfügt. Sie sind bis zu doppelt so teuer wie die elektrischen Modelle, dennoch entscheiden sich viele Firmen aufgrund der mehr als überzeugenden Funktionalität für Leuwico.

Duffner: Wie Herr Budde bereits erwähnte, haben wir den großen Vorteil, bei der Bearbeitung von Objekten die Produktpaletten beider Firmen anbieten zu können.  Werden bei einem Objekt hochwertige Sitz-/Stehtische mit Gaslift gewünscht, empfehlen die fm-Mitarbeiter, die Tische von Leuwico einzusetzen. Werden im Objekt Schränke, Tische, Rollcontainer und Stühle gefordert, können die Leuwico-Mitarbeiter auf alle Produkte von fm Büromöbel zurückgreifen. Die Firmen ergänzen sich perfekt mit ihren Produkten.

 

INFO-MARKT: Sie benötigen als Anbieter im Hinblick auf die neue Arbeitswelt eine ausreichende Kompetenz bei der Vermarktung Ihrer Produkte. Inwiefern wird diese in Ihrer eigenen Gruppe gewährleistet?

Budde: Wir haben unsere Mitarbeiter bezüglich der Beratung immer weitergebildet.

Im Hinblick auf die Produktpalette sind wir sehr zufrieden, ein Teil der Vivonio-Gruppe zu sein. Alleine hatten wir es als Familienunternehmen immer schwer, Produktdesigns umzusetzen. Heute tauschen wir uns auch innerhalb unserer Gruppe regelmäßig aus, zum Beispiel mit Maja Wittichenau, die ausschließlich für IKEA produzieren. Dieser Austausch hilft, noch innovativer oder einfach mal quer zu denken. Hier entstehen zukünftig sicher große Synergien.

Auch unsere Mitarbeiter tragen die Veränderung mit. Unser Fokus lag bisher auf der Automatisierung der Produktion, wo wir dem Wettbewerb immer voraus sein wollen. Man sagte uns früher nach, dass wir hausbacken bei der Prospekt- oder Mediengestaltung seien. Im Vergleich haben unsere größeren Mitbewerber starke Marketing-Abteilungen, mit denen wir als kleines Unternehmen bisher nur schwer mithalten konnten. Das hat sich nun geändert. In diesem Bereich werden wir zukünftig für positive Überraschungen sorgen.

 

INFO-MARKT: Welche Rolle spielt das Großkunden- und Projektgeschäft innerhalb Ihrer Gruppe und wie hoch ist der Anteil?

Budde: Im Büromöbel-Bereich liegt unser Schwerpunkt weiterhin auf dem Vertrieb über Fachhändler. Künftig verstärken wir allerdings auch unsere Aktivitäten im Ausland. Das Großkundengeschäft soll weiterhin über den Fachhandel abgewickelt werden. Es bewegt sich derzeit auf dem Niveau des vorherigen Jahres. In der Regel spielen sich 50 Prozent des Umsatzes im Projektgeschäft ab.

 

INFO-MARKT: Gilt das auch für Leuwico?

Budde: Nein, bei Leuwico ist der Anteil kleiner. Wir stellen fest, dass der Markt sich verändert hat. Heute wird die Entscheidung meistens für eine komplett neue Einrichtung gefällt. Früher tauschte man zum Beispiel nur die Sitz-/Stehtische aus. Wir hatten auch noch nie so viel mit Innenarchitekten zu tun wie derzeit. Die Unternehmen konsultieren diese Spezialisten verstärkt, wobei es nicht nur um Möbel geht. Auch Wände, Beleuchtung, Fußboden und Raumklima spielen als Gesamtkonzept eine wichtige Rolle.

 

INFO-MARKT: Welche Strategie verfolgen Sie in Bezug auf Leuwico? Welche Ziele konnten Sie in den letzten beiden Jahren erreichen?

Duffner: Leuwico soll möglichst wachsen. Das gelang im letzten Jahr im zweistelligen Bereich. Das Unternehmen soll die Möglichkeiten, die durch eine Kooperation mit fm Büromöbel entstehen, nutzen. Wir glauben, dass Sitz-/Stehtische eine hohe Relevanz haben und dass Leuwico Marktanteile gewinnen wird. Wir wollen die Exportquote von 15 auf über 25 Prozent erhöhen und arbeiten an der weiteren Erschließung von Auslandsmärkten.

 

INFO-MARKT: Herr Budde, welche Vorteile ergeben sich für Ihre Fachhandelspartner durch den Eintritt in die Vivonio-Gruppe?

Budde: Die Fachhändler spüren die Veränderungen ja nur indirekt, weil sich die Synergien innerhalb unserer Gruppe intern abspielen. Die Auswirkungen werden unsere Vertriebspartner erst in absehbarer Zeit wahrnehmen, wenn wir neue Produkte und Prospekte entwickeln. Auch im Einkauf können wir zukünftig günstigere Preise erzielen.

Wenn Sie immer nur Ihre eigene Suppe kochen, sehen Sie nicht über den Tellerrand und gehen davon aus, dass Sie alles richtig machen. Daher ist es sehr spannend, wenn wir in der Gruppe beispielsweise mit dem Schlafzimmerhersteller Staud kommunizieren. Man merkt schnell, dass dieser Anbieter im Versand genau die gleichen Herausforderungen hat wie wir. Auch in diesem Bereich denken wir über Kooperationen nach. Wir transportieren zukünftig Möbel von Staud nach Norddeutschland und Staud nimmt unsere mit nach Süddeutschland, um die Leerfahrten auszugleichen. Langfristig sehe ich da große Synergie-Effekte.

 

INFO-MARKT: Sie kündigten an, sich im Herbst 2019 in den Ruhestand zu begeben. Wie sieht die Nachfolge-Regelung aus?

Budde: Das stimmt. Auch für die Nachfolge des Unternehmens war es die richtige Entscheidung. Zudem fühlen wir uns in der großen Allianz sehr wohl und sind weiterhin ein eigenständiges Unternehmen geblieben. Anfangs hatten wir große Bedenken hinsichtlich unserer EDV-Abteilung, Buchhaltung oder in Bezug darauf, ob sich die Holding einen Fuhrpark dieser Größe weiterhin leistet.

Jedoch wurden sämtliche Empfehlungen unsererseits von Vivonio umgesetzt, wodurch kein Arbeitsplatz verloren ging. Wir haben die Mitarbeiterzahl inzwischen sogar aufgestockt und können eine 12-prozentige Umsatzsteigerung in 2018 vorweisen. Dan Lühr, Christopher Moormann und Johannes Hinrichs sind als Nachfolger vorgesehen und managen das Unternehmen bereits. Mein Beratervertrag und der meines Schwagers Ulrich Meyer endet in 2019. Somit vermeiden wir den Eintritt fremder Personen in das Unternehmen und es findet ein fließender Übergang statt. Für die Zukunft des Unternehmens war der Eintritt in die Vivonio-Gruppe aus unserer Sicht genau die richtige Entscheidung.

 

INFO-MARKT: Wie viel wurde seit der Übernahme in den Standort Bösel investiert?

Budde: Drei Millionen Euro wurden seit der Übernahme in neue Fertigungsanlagen für die Manufaktur investiert. Durch diese Investition können wir nun Sonderanfertigungen schlagkräftig und hochwertig produzieren. Künftig produzieren wir Küchen, Chefzimmer, Rezeptionen und individuelle Konferenzanlagen. Alles wird nach Kundenwünschen hergestellt. Mit der neuen Manufaktur bieten wir Händlern von der modernen Serienfertigung bis zur Einzelanfertigung für die Einrichtung des gesamten Objektes alles aus einer Hand.

 

INFO-MARKT: Welche digitalen Herausforderungen sehen Sie künftig in Bezug auf Ihre Unternehmensgruppe und auf die gesamte Branche? Welche Trends können Sie identifizieren?

Duffner: Im Moment sehen wir, dass der Internethandel auch bei den Möbeln angekommen ist. Die jährlichen Wachstumsraten sind mittlerweile recht hoch, aber insgesamt reagiert der Möbelmarkt noch etwas schwerfällig auf die E-Commerce-Herausforderung. Bisher hat es auch kein Händler geschafft, hier eine entscheidende Dominanz aufzubauen. Hersteller und Händler müssen in Zukunft auf die Erwartungshaltung des Kunden eingehen, auch Möbel innerhalb weniger Tage liefern zu können, und damit einhergehend muss die gesamte Lieferkette geändert werden. In diesem Umfeld müssen wir uns als Gruppe den Herausforderungen stellen und uns strategisch dabei so aufstellen, dass Onlinehandel und Vertrieb über den stationären Fachhandel in gutem Einvernehmen nebeneinander bestehen können.

Bei unseren Töchtern sind wir bereits gut aufgestellt, 20 Prozent des Umsatzes von Maja Kasendorf erfolgen z.B. schon über E-Commerce.

 

INFO-MARKT: Herr Duffner, Herr Budde, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

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