IT-/MFP-/Drucker@Markt 12/2018

Laser-Technologie

Nah am Etikettenschwindel

Emissionen von Laserdruckern werden seit langem von einschlägigen Forschungseinrichtungen weltweit als Gesundheitsgefahr betrachtet. Experten werfen dem Umweltministerium in Berlin vor, sich von den Interessen der Industrie steuern zu lassen. Auch das Umweltzeichen ‚Blauer Engel‘ droht in den Verruf zu geraten. Denn bei der Vergabe wird der Grenzwert der in die Luft geblasenen Partikel so hoch angesetzt, dass selbst vergleichsweise dreckige Geräte sich mit dieser Auszeichnung schmücken können.

„Laserdrucker setzen Feinstaub in ultrafeiner Partikelgröße frei, die besonders gefährlich ist“, hieß es in einem 2016 veröffentlichten Online-Text der Bundesregierung über Gefahren durch Luftverschmutzung und Feinstaub. Im letzten Jahr wurde dieser Satz aus dem Schreiben ersatzlos gestrichen. Als Begründung teilte die zuständige Behörde mit: „Der Satz widerspricht den vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Untersuchungsergebnissen.“

Nano-Control wirft den Behörden vor,
unabweisbare Forschungsergebnisse zu ignorieren

Nach diesem Statement gingen eine große Anzahl von Kritikern der Richtlinien für die Vergabe des Blauen Engels auf die Barrikaden. Sie widersprechen vehement mit weltweiten Untersuchungen den umstrittenen Schadstoff-Emissionen der Geräte. So veröffentlichten Forscher der Harvard-Universität vor kurzem „überzeugende Beweise, dass Emissionen von Laserdruckern in menschlichen Zellen oxidativ Stress erzeugen … Entzündungen fördern und höchstwahrscheinlich das Erbgut schädigen“.

Auch die internationale Stiftung für gesunde Raumluft Nano-Control wirft dem Ministerium für Umwelt und dem Bundesumweltamt vor, unabweisbare Forschungsergebnisse zu ignorieren. Denn diese verdeutlichen einen extremen Handlungsbedarf, weil Risiken für Büroangestellte überhaupt nicht ausgeschlossen werden können. Analysen von 70 verschiedenen Tonern für MFP- und Laserdrucker ergaben, dass neben Kohlenstaub je nach Hersteller Eisen oder Silicium, auch giftige Stoffe wie Aluminium, Mangan, Nickel oder gar Cadmium und Blei enthalten sind. Diese Stoffe können Erbinformationen verändern oder Krebs erzeugen. Das sind zumindest die Ergebnisse der Experten von der Stiftung in Hoya.

Das zuständige Bundesumweltamt wehrt sich erwartungsgemäß gegen diese Beurteilung: Dort arbeitet die Kommission ‚Innenraum-Hygiene‘ an Richtlinien und Empfehlungen zu Laserdruckern. Sie legt die Maßstäbe fest, nach denen die Geräte als umweltfreundlich mit dem begehrten Blauen Engel ausgezeichnet werden.

Grundlage ist die Zahl der pro Druck in die Luft geblasenen Partikel, die sich teilweise auf mehr als eine Billion beläuft. Allerdings ist der Grenzwert, ab dem die Geräte einen Blauen Engel erhalten, so hoch angesetzt, dass selbst vergleichsweise dreckige Geräte ihn bekommen können. Saubere Drucker, die um den Faktor Hundert oder Tausend weniger Schadstoffe ausstoßen, werden nicht in besonderer Weise gekennzeichnet.

Das Umweltabzeichen berücksichtigt nicht,
wie viele giftige Schwermetalle der verwendete Toner enthält

Weiterhin berücksichtigt das Umweltzeichen nicht, ob der in den Geräten verwendete Toner viele oder wenige giftige Schwermetalle enthält. Die Umweltexperten in Berlin halten gleichwohl dagegen und behaupten, dass die „Gesamtemission der Metalle im Bereich der ohnehin als Hintergrundbelastung vielfach anzutreffenden Konzentrationen liegt.“ Indes: Die Wirtschaftssendung plusminus berichtete vor kurzem, dass dem Vorsitzenden einer wissenschaftlichen Kommission der Autor genannt wurde, dem der E-Mail-Verkehr einer von der Industrie bezahlten Studie anonym zugespielt wurde. In diesen Dokumenten beklagte sich ein anderes Mitglied der Kommission bitter über die vorhandenen „Interessenkonflikte“ und über eine „Diskussion nah am Grotesken“. Verständlich daher, dass in öffentlichen Beiträgen im Fernsehen und in Printmedien Kritiker von einer „Täuschung der Kunden“ sprechen.

Schützenhilfe bei dieser Kontroverse liefert die RAL GmbH. Es handelt es sich um das Deutsche Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung. In einer bei INFO-MARKT eingegangenen Vergabegrundlage für Umweltzeichen („Bürogeräte mit Druckfunktion“) heißt es unter anderem, dass Laserdrucker innerhalb eines zehn-minütigen Testbetriebes bis zu 350 Milliarden Partikel emittieren dürfen und damit für den Erhalt des Blauen Engels geeignet sind.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Ergebnis der Kommission für Innenraumlufthygiene, die sich auf zwei Studien beruft: Die eine wird vom Bitkom-Verband finanziert, an den natürlich auch die Drucker-Hersteller ihre Beiträge entrichten. Die zweite beauftragten die Berufsgenossenschaften. INFO-MARKT geht davon aus, dass die Versicherung der Beschäftigten kein großes Interesse daran haben kann, dass bei entstehenden Schäden durch giftige Geräte-Emissionen ihre Mitglieder entsprechende Ansprüche geltend machen.

Prof. Michael Braungart, Direktor des Umweltinstituts in Hamburg, spart nicht an Kritik: „Das Bundesumweltamt wiegelt ab und verwendet dabei hauptsächlich Untersuchungen, die von Interessen gelenkt sind. Das ist völlig unwissenschaftlich. Durch die selektive Berücksichtigung von Erhebungen können es betroffene Unternehmen vermeiden, im Fall einer Erkrankung Schadensersatz an ihre Kunden zu zahlen oder ihren Mitarbeitern eine Berufsunfähigkeit zu bescheinigen.“

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