Zeitarbeit

Neue Form der Zusammenarbeit

Ausgabe-Nr.: 1/2019

Ludwig Hank, Geschäftsführer der wu personal: „Einer zunehmenden Prekarisierung auf dem Arbeitsmarkt wollen wir mit unserem Geschäftsmodell entschieden entgegenwirken und eröffnen Menschen bessere berufliche und finanzielle Perspektiven.“

Mit einem Geschäftsmodell, das auf Transparenz, Fairness und sozialer Verantwortung basiert, wollen zwei langjährige Manager aus dem Personal-Management mit einem neuen Unternehmen die Zeitarbeit revolutionieren. Vor allem die Arbeitnehmer sollen davon profitieren.

Das Modell Zeitarbeit steht seit Jahren in der Kritik. Es sei vor allem auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber ausgelegt, viele Arbeitnehmer seien oftmals in einem Kreislauf aus kurzbefristeten Arbeitsverhältnissen und Arbeitslosigkeit gefangen. Durch geringe Gehälter würde eine sichere Lebensplanung zusätzlich erschwert.

Doch Zeitarbeit hat für Arbeitnehmer auch positive Aspekte: Sie kann beispielsweise als Karriere­sprungbrett für Menschen dienen, die ansonsten Schwierigkeiten mit dem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt haben. Zudem können gerade Berufsanfänger schnell Erfahrung sammeln und so interessante Unternehmen und unterschiedliche Branchen kennen lernen.

Die auf IT-Personal und kaufmännische Fachkräfte spezialisierte wu personal GmbH in Berlin will Zeitarbeit fair und transparent gestalten. Die Geschäftsleitung konnte nach eigener Darstellung ihr vorheriges Unternehmen, die tecops personal, nicht nur zu einem der größten IT-Personaldienstleister in Deutschland entwickeln, sondern auch erste Erfolge in ihrer Bestrebung erzielen, die Verträge und damit die ganze Branche transparenter zu machen (-> Grafik Seite 1).

Der Dienstleister unterhält Niederlassungen in Köln, Erfurt, Stuttgart und München. Ludwig Hank, langjähriger Geschäftsführer und Vorstand der Allgeier Experts SE, und Reiner Pientka, ehemaliger Gesellschafter der tecops personal GmbH (heute Allgeier Experts Pro GmbH), haben die wu personal im März 2017 gemeinsam gegründet.

Bereits 2006 legten sie die eigenen Kalkulationen offen. Nun geht man noch einen Schritt weiter: Schon im Vorstellungsgespräch zeigt das Zeitarbeits-Unternehmen den Bewerbern alle Vorgaben seiner Kunden. Diese beinhalten Gehalt, Stundensatz, Wochenarbeitszeit, Projektlaufzeit, gewünschte Qualifikation, Tätigkeit und Einsatzort. Die Bewerber können so alle Konditionen und Bedingungen des Arbeitsvertrages mit den Anforderungen des Kunden abgleichen.

Anders als andere Unternehmen kalkulieren die Berliner dabei mit einem Dienstleistungs-Kostenanteil von maximal 20 Prozent. Derzeit sind in Deutschland Dienstleistungs-Aufwendungen von 30 Prozent und mehr üblich. Zusätzlich zum festgelegten Tarifgrundlohn vergütet wu personal eine übertarifliche Zulage. Diese Maßnahmen schaffen in der Branche eine neue Form der fairen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Bewerber, Kunde und Personaldienstleister.

„Wenn im Allgemeinen von Unternehmen erwartet wird, die Verbraucher über ihre Produkte aufzuklären, so sollte doch Transparenz bei der ‚Ware Mensch‘ erst gar nicht zur Diskussion stehen. Einer zunehmenden Prekarisierung auf dem Arbeitsmarkt wollen wir mit unserem Geschäftsmodell entschieden entgegenwirken und eröffnen Menschen bessere berufliche und finanzielle Perspektiven. Auf diese Weise leisten wir einen wichtigen Beitrag für eine soziale Gesellschaft“, erklärt Hank.

 

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