Virtuelle Firma

Büroraum wird obsolet

Ausgabe-Nr.: 14/2017

BWA-Chef Harald Müller: „Es wird höchste Zeit, dass Personalabteilungen kluge Antworten auf die Fragen finden, die sich stellen, wenn das Gros der Arbeitnehmer nicht mehr im Büro greifbar sein wird.“

Die aktuelle Studie ‚New Work‘ der BWA Akademie prognostiziert, dass Firmen ohne eigene Büroräume binnen einer Dekade zur Realität werden. Jedoch stellt der Trend zur Flexibilisierung von Ort und Zeit Unternehmen vor neue Herausforderungen. Denn virtuelle Teams sind hinsichtlich ihrer Gruppendynamik anders als die Arbeitnehmerschaft in einem Büro.

 

„Bei Büroarbeitsplätzen hat der Trend zur Flexibilisierung nicht nur bei den Arbeitszeiten, sondern auch beim Arbeitsort längst begonnen. Es wird höchste Zeit, dass vor allem die Personalabteilungen kluge Antworten auf die Fragen finden, die sich stellen, wenn das Gros der Arbeitnehmer nicht mehr im Büro greifbar sein wird“, sagt Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts Akademie GmbH (BWA).

Bei einer der Studie zugrunde liegenden Umfrage unter 100 Personal-Verantwortlichen aus der deutschen Wirtschaft gab beinahe die Hälfte (48 Prozent) an, in weniger als zehn Jahren diese Form der „Auflösung von Büroraum“ auf breiter Front zu erwarten. Zieht man den Zeitraum auf 15 Jahre, so liegt der Anteil der „Virtualisierungs-Jünger“ bei 85 Prozent. Lediglich zwei Prozent der Befragten sind davon überzeugt, dass es „niemals“ so weit kommen wird.

Zudem gehen über 80 Prozent der Personal-Verantwortlichen von einer höheren Kreativität der Beschäftigten außerhalb des Büros aus und 68 Prozent von einer steigenden Zufriedenheit und Produktivität, wenn die Arbeitnehmer zu Hause, im Café oder unterwegs arbeiten können. Auf die Unternehmen sieht die Akademie durch die Virtualisierung große Herausforderungen zukommen.

Einen Schlüssel dazu stellen virtuelle Teams dar. Sie arbeiten in der Regel zeitlich befristet mit gemeinsamen Zielen an verschiedenen Orten und häufig zu verschiedenen Zeiten über regionale, nationale oder Unternehmensgrenzen hinweg zusammen und kommunizieren vornehmlich über moderne Medien. Müller zufolge gibt es viele Unterschiede in der Gruppendynamik zwischen virtuellen Teams und Präsenzgruppen. So zeigen Studien, dass standortverteilte Teams eine andere Gewichtung zahlreicher Teamprozesse benötigen, um sowohl die individuelle als auch die Leistungsfähigkeit in der Gruppe zu fördern.

Projektbezogene Arbeitsgemeinschaften treten in Wettbewerb mit herkömmlichen Unternehmen

Hinzu kommt, dass sich neben „klassischen Firmen“ immer mehr lose beziehungsweise projektbezogene Arbeitsgemeinschaften zusammenfinden, die zunehmend in Wettbewerb zu herkömmlichen Unternehmen treten. Als einen Indikator hierfür wertet die BWA den Anstieg der sogenannten Coworking Spaces laut einer aktuellen Statista-Studie von 600 im Jahr 2010 auf über 16.000 im Jahr 2016 weltweit. Bis 2018 wird mehr als eine Verdoppelung auf 37.000 Coworking-Stätten prognostiziert. Interessanterweise liegt dabei Deutschland nach den USA auf dem zweiten Platz.

 

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe