Technische Führungspositionen

Frauen in der Minderheit

Ausgabe-Nr.: 7/2019

Maritza Cataldo, Personalberaterin bei Selecteam: „Frauen in Führungspositionen haben die Chance, die Kultur des Unternehmens so divers zu gestalten, dass in einigen Jahren Frauen in technischen Führungspositionen selbstverständlich sind. Diese Chance sollten Unternehmen unbedingt ergreifen.“

Nach wie vor sind die meisten technischen Führungspositionen mit Männern besetzt. Neben überholten Unternehmens-Strukturen sind auch Vorurteile ein Teil des Problems. Dabei schneiden sich die Unternehmen ins eigene Fleisch. Denn technisch kompetente Fachleute werden in der deutschen Wirtschaft an jeder Ecke benötigt – gerade in Schlüsselpositionen.

„Frauen in Führungspositionen haben die Chance, die Kultur des Unternehmens so divers zu gestalten, dass in einigen Jahren Frauen in technischen Führungspositionen selbstverständlich sind. Diese Chance sollten Unternehmen unbedingt ergreifen. Dazu gehört beispielsweise, sich vorzunehmen, eine Frau für eine technische Führungsposition einzustellen. Das hat nichts mit Quote zu tun, sondern ist Ausdruck eines Umdenkens. Weitere Gestaltungs-Möglichkeiten bieten sich bei der Organisation von Arbeitsabläufen. Flexible Arbeitszeiten, Home-Office, bedarfsgerechte Kinderbetreuungs-Angebote, Elternteilzeit auch für männliche Führungskräfte und die Option, per Skype an Besprechungen teilnehmen zu können, sind nur einige Beispiele, um mehr Chancengleichheit für Frauen in einem technischen Beruf zu schaffen“, erklärt Maritza Cataldo, Personalberaterin bei der Selecteam Deutschland GmbH in Berlin.

Gründe, warum Frauen es schwer haben, in technische Führungspositionen vorzudringen, sind laut Cataldo ein ständiger Erklärungszwang, das Festhalten an klassischen Rollenmustern und die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. So müssen promovierte Frauen trotz Bestnoten oftmals beweisen, dass sie über den nötigen Sachverstand verfügen. Zudem ist der technische Beruf nach der Expertin wie kein anderer Berufszweig von traditionellen Rollenmustern geprägt. Sie führen das Leistungsprinzip im Wirtschaftsleben ad absurdum und lassen Frauen daran verzweifeln, dass ihre männlichen Kollegen auf dem Weg nach oben an ihnen vorbeiziehen.

Weiterhin stellt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein großes Problem dar. Männlich geprägte Unternehmens-Strukturen mit unflexiblen Arbeitszeiten, fehlender Kita- und Kindergarten-Unterstützung sowie ohne Home-Office-Angebote legen weiblichen Führungskräften mitunter Steine in den Weg, die eine Karriere zur Quadratur des Kreises machen.

Zwar gibt es Frauen, die sich als technische Führungskraft im mittleren Management behaupten, doch insgesamt ist ihr Prozentsatz verschwindend gering. Cataldo schätzt, dass von 100 Positionen lediglich drei mit Frauen besetzt werden. Aus Sicht der um technische Fachkräfte buhlenden Wirtschaft ist dies sicherlich eine fatale Situation, da Unternehmen durch ihre rückständige Haltung wertvolle Ressourcen nicht zur Verfügung stehen.

Um klischeehafte Denkweisen zu überwinden, rät die Personalberaterin Frauen zu einem gehörigen Maß an Motivation, einer starken Persönlichkeit und viel Überzeugungskraft. „Wer als Frau ganz nach oben kommen will, sollte nicht nur das Spiel mit der Macht verstehen, sondern auch Spaß daran haben. Dabei sollte sie zu sich als Frau stehen und aktiv ihren Standpunkt vertreten. Zum Erfolgsrezept gehört natürlich auch, Chancen zu ergreifen, wenn sie sich bieten, beharrlich das Ziel zu verfolgen und wenn nötig auch einmal ein Wagnis einzugehen. Wer Karriere machen will, braucht Verbündete und Partner, die einen beruflich und privat unterstützen“, so Cataldo. Für die notwendigen informellen Kontakte und das unerlässliche Selbstmarketing sollten Frauen in Anlehnung an das Pareto-Prinzip 20 Prozent ihrer Arbeitszeit und -kraft aufbringen.

 

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