Personal-Rekrutierung

Roboter auf dem Vormarsch

Ausgabe-Nr.: 9/2018

Die intensive Nutzung sozialer Medien wie Facebook, Xing und WhatsApp sowie die Konversation mit Chatbots und die Speicherung diverser Apps auf dem Smartphone bereiten den Boden für Veränderungen bei der Suche nach Arbeitskräften. Sie wird automatisiert und geht andere Wege. Neue Tools unterstützen die Mitarbeiter mehr, als dass sie ersetzt werden. Vorsicht ist jedoch beim Thema Datenschutz und IT-Sicherheit geboten.

 

„Die Zeit ist nah, in der viele Bewerber auch potenzielle Arbeitgeber einfach auf ihrem Smartphone wegwischen oder bestätigen“, sagt Hansjörg Votteler, Geschäftsführer von Manpower Deutschland GmbH in Frankfurt, und gibt Unternehmen den Rat, dass sie sich bereits jetzt darauf vorbereiten und zumindest mobil-optimierte Firmenseiten anbieten.

Denn jeder Nutzer eines Smartphones verbringt im Durchschnitt 43 Tage pro Jahr mit seinen Apps. Weltweit hat der Nutzer 80 Apps auf seinem Handy und verwendet 40 davon jeden Monat. Die Suche nach Arbeitskräften wird vor allem durch Roboter automatisiert. Denn sie arbeiten ohne Pause rund um die Uhr, in Sekundenschnelle  analysieren sie seitenlange Bewerbungsbögen und scannen die Social-Media-Profile der Kandidaten. So finden sie schnell und treffsicher den perfekten neuen Mitarbeiter für das Unternehmen und den idealen Job für Bewerber. – Zumindest in der Theorie.

Die Art der App sollten Bewerber wie Unternehmen mit Umsicht wählen. Denn die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verbietet,  Daten von Kunden ohne deren ausdrückliche Zustimmung an andere Firmen weiterzugeben. Das kann allerdings beispielsweise bei dem  WhatsApp-Messenger passieren, wenn dieser beruflich genutzt wird. Bei der Installation durchsucht WhatsApp das Adressbuch nach anderen Personen, die ebenfalls den Messenger nutzen, und sendet es zum Abgleich an Facebook.

Andererseits ist WhatsApp nicht nur einer der häufigsten Kommunikationskanäle für private Zwecke, sondern ermöglicht es auch Arbeitgebern, direkt auf dem Handy ihrer potenziellen Bewerber zu landen. Eine Datenschutz-konforme und sichere Alternative ist WhatsBroadcast, mit dem sich aktuelle Jobangebote und Informationen zielgerichtet an Interessenten verschicken lassen. „Dieser Kanal erfordert jedoch das Vertrauen der Abonnenten, ein Unternehmen in ihren privaten Bereich zu lassen. Dafür erhalten sie sehr zeitnah und gezielt Job­angebote, die sie selbst steuern können, weil sie nicht von einem Algorithmus ausgewählt und ungefragt angesprochen werden“, erläutert Votteler.

Chatbots im Facebook-Messenger oder auf einer Internetseite beraten Interessenten

Es gibt bereits Roboter, die den Job eines Headhunters zumindest  teilweise übernehmen. Mit einem Algorithmus suchen diese kleinen Programme im Internet beispielsweise bei Facebook oder LinkedIn nach passenden Kandidaten und posten bei ihnen eine Anzeige. Ein Beispiel dafür ist die neue Technologie namens Work4, die sowohl erklärende Daten (Alter, Ausbildung, Berufserfahrung) als auch Verhaltens-Daten (geteilte und gelesene Inhalte, Netzwerk an Freunden etc.) verwendet. Derartige Programme werden Recruiter und Personalvermittler nicht  ersetzen. Denn sie merken nicht, wenn sie mit ihrer Ansprache  übertreiben und die Bewerber nerven. Somit eignen sich neue Technologien sehr gut, um Personaler zu entlasten und zu ergänzen.

Der Kollege Roboter ist dauerhaft online. Chatbots im Facebook-Messenger oder auf einer Internetseite beraten Interessenten. Sie können potenziellen Bewerbern einen Link zu freien Stellen und Bewerbungsformularen schicken und die Kontaktdaten der Personalabteilung nennen. Einfache Fragen werden sie im Chat beantworten.

Trotz ihrer Fehler lernen sie laufend dazu und sind teilweise schon in der Lage, mehr als nur Auskunft zu geben. Sie selektieren Bewerber bereits vor, indem sie gezielte Fragen stellen und alle Informationen speichern. Anschließend hat das Unternehmen oder der Personaldienstleister bereits eine Vorstellung, ob der Kandidat zur Stelle passen könnte oder nicht.

 

 

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