Mitarbeiter-Zuversicht

Deutsche fürchten düstere Zukunft

Ausgabe-Nr.: 03/2017

Mandy Rehmann, Director der Employee Survey Research Division DACH bei Korn Ferry:  „Mehr als ein Drittel der deutschen Manager und Arbeitskräfte wollen nicht mehr an Wachstum und Wohlstand glauben.“

Gerade einmal zwei Drittel der Fach- und Führungskräfte deutscher Unternehmen glauben daran, dass ihre Firma in den nächsten zwei bis drei Jahren wirtschaftlich erfolgreich sein wird. Damit gehören deutsche Angestellte zu den Pessimisten in Europa. Nur in Italien, Belgien und Frankreich sowie Österreich glauben noch weniger Mitarbeiter an den Erfolg ihres Unternehmens. Das ist das Ergebnis einer Befragung von mehr als 1,4 Millionen Fach- und Führungskräften in 23 europäischen Staaten durch die Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry Hay Group.

 

„Dass Deutsche seit jeher nicht zu den größten Optimisten zählen, ist bekannt. Es stimmt mich jedoch sehr nachdenklich, dass mehr als ein Drittel der Manager und Arbeitskräfte trotz der wirtschaftlichen Dominanz Deutschlands und starker Wirtschaftsjahre nicht mehr an Wachstum und Wohlstand glauben wollen“, sagt Mandy Rehmann, Director der Employee Survey Research Division DACH bei der Korn Ferry Hay Group in Frankfurt.

Bis auf Polen werden die letzten zehn Plätze ausschließlich von den klassischen Industrieländern Westeuropas belegt. In all diesen Ländern prognostizieren mindestens 31 Prozent eine düstere wirtschaftliche Zukunft für ihre Unternehmen. Dass es auch anders geht, zeigen zwei Länder, deren Ergebnis in der Auswertung überrascht hat. So ist trotz vieler Krisenjahre und hoher Arbeitslosenquote die Zuversicht in Spanien mit 73 Prozent der Fach- und Führungskräfte groß, dass es mit ihren Unternehmen aufwärts geht. Die gleiche Anzahl schätzt dies im Vereinigten Königreich so ein. Spitzenreiter in Sachen Optimismus in Europa sind Slowenien, Rumänien und Norwegen (-> Tabelle 1).

Auch abseits des Gesamterfolgs ist die Einschätzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschlands Unternehmen eher von wenig Zuversicht geprägt. So ist nur ein Drittel der Meinung, dass ihr Unternehmen ausreichend in der Lage sei, Talente zu finden und zu binden. 44 Prozent halten ihr Unternehmen für gut organisiert, nur 48 Prozent glauben, dass die Ursachen für schlechte Performance richtig angegangen und beseitigt werden. Immerhin sagt mehr als die Hälfte (55 Prozent), dass Mitarbeiter ermutigt werden, auch innovative Wege einzuschlagen. 58 Prozent verlassen sich auf die Unternehmensführung und 60 Prozent fühlen sich gut über die aktuelle Lage des Unternehmens informiert.

Rehmann konstatiert, dass auch bei diesen Werten die Deutschen zumeist unter dem Durchschnitt liegen. Und das, obwohl auch deutschen Unternehmen durch Digitalisierung, verkürzte Produktlebenszyklen und disruptive Geschäftsmodelle große Veränderungen bevorstehen. Dazu bedürfe es Mitarbeiter, die in diesen Transformationen die Chancen erkennen und gezielt für ihre Unternehmen nutzen. Viele Mitarbeiter scheinen jedoch Angst davor zu haben und agieren eher gehemmt bei allem, was neu ist. Das sei eine große Herausforderung für Unternehmen, in denen ‚Change’ mittlerweile zum Tagesgeschäft gehört. Wenn er gelingen soll, brauche es vor allem die richtige Einstellung der Mitarbeiter. Ansonsten drohen handfeste Nachteile gegenüber dem europäischen Wettbewerb.

Dem Deutschland-Geschäftsführer von Korn Ferry, Hubertus Graf Douglas, zufolge müssen sich die hiesigen oberen Führungsgremien inklusive des Aufsichtsrats bei notierten Gesellschaften mit der Frage beschäftigen, wie sie der Angst ihrer Belegschaft entgegenwirken können. „Eine notwendige Bedingung wird es sein, künftig die Führungskräfte zu rekrutieren, die wirklich inspirieren und motivieren können. Eine gute Kommunikationsstrategie ist dazu nicht ausreichend. Veränderung lässt sich nur erreichen, wenn das Top-Management durch authentisches Vorleben einer positiven Grundeinstellung wirklich die Köpfe und Herzen der Mitarbeiter erreicht“, betont Douglas.

 

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