Konica Minolta

Ein großes Trauerspiel

Ausgabe-Nr.: 8/2020

Unternehmens-Zentrale von Konica Minolta in Langenhagen: Wenn die Nagelprobe im Umgang mit den ethischen Grundsätzen ansteht, bricht das Management auf ganzer Linie ein.

In Sachen Unternehmens-Kultur und Mitarbeiter-Führung hält dieses Unternehmen in der Branche offenbar die rote Laterne in der Hand. Denn die Stimmung unter den Mitarbeitern ist äußerst angespannt, viele sitzen auf gepackten Koffern und die Mitbewerber haben wenig Mühe, sich auf ihrer Personalsuche bei diesem Anbieter erfolgreich zu bedienen. – Interessant: Wenn die Nagelprobe im Umgang mit den ethischen Grundsätzen ansteht, bricht das Management auf ganzer Linie ein.

„Das Vertrauen zu der Geschäftsleitung ist nicht mehr vorhanden. Ich habe den Verdacht, dass man das Unternehmen durch Kurzarbeit ein Stück weit sanieren will und das Missmanagement der letzten Jahre damit retuschieren möchte. Die Arbeits-Atmosphäre war in der Vergangenheit deutlich besser. Durch Überfrachtung mit zu vielen Themen hat diese gelitten. Das Verhalten der Vorgesetzten ist bis zum mittleren Management okay. Im oberen Bereich herrscht eine gewisse Arroganz vor“, kommentierte ein Vertriebsmitarbeiter das Betriebsklima der Konica Minolta Business Solutions Deutschland GmbH in Langenhagen im April 2020.

Ein Kollege schlägt in die gleiche Kerbe: „In den letzten Monaten kommt man jeden Tag mit einem unguten Gefühl zur Arbeit. Wissend, dass vielleicht bald ein Großteil der Kollegen oder man selbst arbeitslos wird. Bei den Vorgesetzten herrscht zu viel Emotionalität. Der Betriebsrat arbeitet gefühlt immer gegen das Unternehmen und nur zu seinem eigenen Vorteil. Ältere Kollegen werden bis zur Rente durchgeschleppt, wenn sie vor 30 Jahren mal einen halbwegs guten Deal an Land gezogen haben. Der aktuelle Umbruch ist wichtig, aber kam Jahre zu spät. Ich hoffe, wir können das Ruder noch herumreißen“, bemerkte der Mitarbeiter im März 2020.

Ein Kollege aus dem IT-Bereich in Weilheim (Oberbayern) kritisiert die „katastrophale Kommunikation“. Ein Vertriebler aus der Dependance in Stuttgart kann dem nur beipflichten und klagt, dass Informationen nicht an alle weitergegeben werden. Oft genug erfahre man nur durch Zufall von Kunden-Aktionen und das Wissen von Kollegen werde nur sehr spärlich vermittelt. „Man muss vielen hier die Infos aus der Nase ziehen“, lautet sein Fazit.

Vor allem die Vorgesetzten in der Konica-Minolta-Hierarchie entgehen nur knapp einem massiven Shit-Storm. „Die Vertriebsleitung legt Außendienst-Maßstäbe an den Innendienst an. Der Innendienst soll 50 Prozent Telesales durchführen und erhält dafür keinerlei Provision beziehungsweise Benefits. Zudem wird in der Abteilung gemobbt und schikaniert. Der Vorgesetzte zeigt keinerlei Interesse und vertröstet den Mitarbeiter nur. Hier werden die ‚Täter‘ aufgrund ihrer langen Betriebszugehörigkeit in Schutz genommen“, lässt ein Betroffener frustriert seinen Dampf ab.

Diese Bewertungen der Konica-Minolta-Mitarbeiter sind ein eindrucksvoller Beleg dafür, welchen ungeheuren Flurschaden das Management in der Top-Etage in den letzten Jahren in diesem Unternehmen angerichtet hat. Allen voran der Ex-Geschäftsführer Johannes Bischof. Mit einem spektakulären Rausschmiss wurde der österreichische Manager im November letzten Jahres im hohen Bogen an die Luft gesetzt, „mit sofortiger Wirkung“ aller Ämter enthoben und als „Geschäftsführer im Cluster West, Deutschland und Österreich sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrates von Konica Minolta in Belgien und Niederlanden abberufen“.

Ex-Konica-Minolta-Geschäftsführer Johannes Bischof: Ein eindrucksvoller Beleg dafür, welchen ungeheuren Flurschaden das Management in der Top-Etage in den letzten Jahren in diesem Unternehmen angerichtet hat.

Bereits zu Beginn des vergangenen Geschäftsjahres wurde Bischof ein neuer Mann vor die Nase gesetzt. Tsuyoshi „Yoshi“ Yamazato ist seit dem 1. April 2019 für die beiden strategisch wichtigen Themen bei der deutschen Vertriebsgesellschaft zuständig: das Geschäftsfeld IT sowie die Transformation des Unternehmens zu einem IT-Dienstleister. Damit war eine weitgehende Entmachtung von Bischof verbunden, dessen Kompetenzen sich künftig auf das problematische MFP- und Drucker-Geschäft beschränkten.

Mit dieser Reorganisation stand er auf dem Abstellgleis, so dass die Tage des „Sonnenkönigs“ in Langenhagen gezählt waren (-> INFO-MARKT Nr. 6/2017). Dass der Konica-Minolta-Manager nach dieser gründlich vorangetriebenen Demontage nicht von sich aus das Feld räumte, kann an sich nur damit erklärt werden, dass er eine entsprechende Abfindung ins Kalkül zog. Doch mit der öffentlichen Demütigung durch diesen Rausschmiss hat er einen sehr hohen Preis gezahlt und es bleibt zu fragen, ob seine berufliche Karriere in unserer Branche damit endgültig ruiniert ist.

Anlässlich der Demission von Bischof forderte das Management seine Mitarbeiter auf, sich „die nächsten Monate darauf zu fokussieren, die Ziele im zweiten Halbjahr zu erreichen“. Im Grunde genommen war die Adressierung eine unglaubliche Frechheit. „Denn in dieser Firma gibt es noch ganz andere Nieten. Aber die sind oberhalb der Position von Bischof positioniert“, kritisierte ein Insider des Unternehmens.

Mit ihrer beruflichen Weiterentwicklung müssen sich nicht nur Bischof, sondern alle Beschäftigten des japanischen Unternehmens auseinandersetzen. Denn nach unseren Informationen musste der Anbieter aufgrund der schlechten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2019/2020 (31. März) in Europa rund 550 Mitarbeiter entlassen, davon 140 Beschäftigte in Deutschland beim Stand Juni 2020 (-> INFO-MARKT Nr. 21/2020). Die Auslagerung der Administration nach Osteuropa wird ebenfalls als eine wenig vertrauensbildende Maßnahme beurteilt. Die Restrukturierung im Personalbereich sollte per März 2020 abgeschlossen sein, doch inzwischen ist von einer neuen „Maßnahme 2.0“ die Rede.

Erwähnenswert ist auch die Bewertung der Zukunfts-Perspektiven der Konica Minolta Inc. durch die Kapital-Anleger. An der Frankfurter Börse sackte der Aktienkurs in den letzten zwölf Monaten von 6,75 Euro auf 2,60 Euro in den Keller (Stand 21. August 2020).

Konica-Minolta-Geschäftsführer Joerg Hartmann: Intern wird der Physiker als ruhiger Controller wahrgenommen, der mit Überlegung seine Pläne vorantreibt. Aber eine Vertriebs-DNA konnte bei ihm bisher noch nicht entdeckt werden.

Wie auch immer: Ob die Nachfolgeregelung von Bischof greift, bleibt abzuwarten. Joerg Hartmann übernahm den Job. Er verfügt über langjährige Erfahrungen bei führenden Unternehmen in der IT-Branche – unter anderem Fujitsu – und war bis November 2019 als Chief Operations Officer (COO) in der Deutschland-Organisation tätig. Intern wird der Physiker als ruhiger Controller wahrgenommen, der mit Überlegung seine Pläne vorantreibt. Aber eine Vertriebs-DNA konnte bei ihm nach unserer Recherche bisher noch nicht entdeckt werden.

 

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