Konica Minolta

Unbeständige Prognosen und Pläne

Ausgabe-Nr.: 8/2017

Konica Minolta hat die selbst aufgelegte Messlatte im letzten Geschäftsjahr gerissen. Mit dem neuen Dreijahresplan sucht das Management nach Wachstumsquellen vor allem in neuen Geschäftsbereichen. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, welche Rolle die deutschen Mitarbeiter in diesem Szenario spielen und ob das Unternehmen noch eine gute Adresse für eine Bewerbung ist.

 

Shoei Yamana verfehlte sein selbst gestecktes Ziel. Vor drei Jahren hatte der Vorstandsvorsitzende von Konica Minolta mit Blick auf die Aktionäre einen Umsatz von 1.100 Milliarden Yen (8,9 Milliarden Euro) versprochen und eine operative Gewinnmarge von acht Prozent prophezeit. Am Ende aber blieben die Ergebnisse weit hinter den Versprechungen zurück: Mit 963 Milliarden Yen (ca. 8,1 Milliarden Euro) lag der Umsatz mehr als zwölf Prozent unter dem Ziel. Zudem muss die sinkende Profitabilität dem Management große Kopfschmerzen bereiten. Die Umsatzrendite rutschte von 6,2 auf 5,2 Prozent in den Keller (-> Tabelle 1). Vor drei Jahren hatte Yamana 8,0 Prozent versprochen.

Die Abhängigkeit vom Printing-Business bleibt nach wie vor riesig. Zwar sank der Anteil dieses Geschäftsbereiches am Gesamtumsatz von rund 85 auf rund 80 Prozent. Allerdings nur, weil die Erlöse hier schneller zusammenschmolzen als im Rest der Company. Der Gewinn des Konzerns wird aber fast komplett in diesem Bereich erwirtschaftet. Wenn die Printing-Sparte nicht liefert, liegt Konica Minolta komplett auf dem Trockenen.

Auf dieser Basis verkündete Yamana nun einen Dreijahresplan verkündet. Er trägt den Titel „Shinka“, was so viel bedeutet wie „Entwicklung“. Angestrebt wird, den Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2020 auf 1.100 Milliarden Yen (8,4 Milliarden Euro) zu hieven und die operative Gewinnmarge auf sieben Prozent zu steigern. Künftig will das Unternehmen sein Geld in vier Geschäftsbereichen verdienen, die weltweit rund zwei Millionen Kunden in enger Zusammenarbeit bedienen: Business Technologies (Printing), Gesundheitswesen, Werkstoffe und Optische Systeme für den industriellen Einsatz.

Industrial Printing soll Umsatz steigern

Die größten Steigerungen beim Umsatz erwartet das Management im Bereich Industrial Printing. Hier sollen die Einnahmen in den kommenden drei Jahren von aktuell 204 auf 250 Milliarden Yen wachsen. Bei den Office-Maschinen rechnet das Management mit einem leichten Rückgang der Erlöse bei gleichzeitiger Erhöhung der Marge.

Der große Hoffnungsträger aber sind die neuen Geschäftsfelder, etwa der Vertrieb einer Plattform für das Internet der Dinge. Hier will Yamana die Umsätze in den kommenden drei Jahren verzehnfachen. Auch im IT-Service-Bereich hat er Großes geplant: In den großen Vertriebsregionen stehen Übernahmen von bis zu 30 IT-Dienstleistern auf der Agenda. Die Hebel, die Yamana zur Erreichung dieser Ziele umlegen will, heißen „Direkter Vertrieb“ und „Service-Netzwerk“.

Shinka-Plan soll Aktionäre beruhigen

Zweifelhaft bleibt, ob das Unternehmen die neuen Ziele erreichen kann. Der Blick auf frühere Dreijahrespläne zeigt, dass die Prognosen am Ende weder beim Umsatz noch beim Gewinn den Tatsachen entsprachen (-> Tabelle 2).

Bei Shinka kommt erschwerend hinzu, dass dieses Programm offenbar vor allem als ein Beruhigungs-Ragout für die Aktionäre dienen soll. Nach dem zwischenzeitlichen Hoch, das der Aktienkurs zu Anfang des Jahres erlebte, bewegt er sich nun wieder steil nach unten. Aktuell ist das Konica-Minolta-Papier nur noch knapp halb so viel wert wie vor zwei Jahren.

Unser Fazit: Die Verlässlichkeit der abgegebenen Prognosen hat in den letzten Jahren deutlich gelitten. Das sollte nicht nur den Aktionären zu denken geben.

 

 

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