Kleinunternehmen/Corona

Auf der Kippe

Ausgabe-Nr.: 11/2020

Ricoh Europe-CEO David Mills: „Ohne Technologien, mit denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach und sicher standortunabhängig arbeiten können, riskieren Unternehmen den Verlust ihrer klügsten Köpfe.“

Mehr als ein Viertel der Belegschaft in europäischen Kleinunternehmen möchte in eine Firma wechseln, die besser für Remote Work ausgerüstet ist. Zu diesem Ergebnis gelangt eine kürzlich von Ricoh Europe durchgeführte Studie unter 1.300 Büroangestellten. Kleine Betriebe befinden sich aktuell also in einer misslichen Lage: Auf der einen Seite müssen sie um ihr generelles Fortbestehen kämpfen. Andererseits gilt es dem eigenen Personal adäquate Arbeits-Konzepte vorzulegen. Somit zeigt sich wieder einmal: Wer zu spät investiert und die Zeichen der Zeit nicht erkennt, der wird auf kurz oder lang für die Versäumnisse die Quittung erhalten.

„Kleinunternehmen mögen die digitale Transformation bereits auf der Agenda gehabt haben, doch jetzt haben sie keine Zeit mehr zu verlieren. Ohne Technologien, mit denen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach und sicher standortunabhängig arbeiten können, riskieren Unternehmen den Verlust ihrer klügsten Köpfe. Sie an die Konkurrenz zu verlieren, bedeutet häufig auch den Verlust von Kunden. Alte Arbeitsweisen dürfen daher nicht länger die Norm bleiben. Die nächsten Schritte werden darüber entscheiden, wie sie Probleme bewältigen und den Weg für zukünftige Erfolge ebnen können“, erklärt David Mills, CEO von Ricoh Europe PLC in London.

An der Ricoh-Studie nahmen 1.300 Büroangestellte aus Kleinunternehmen in ganz Europa teil. Immerhin 27 Prozent ziehen einen Arbeitsplatz-Wechsel in Betracht, weil ihr Arbeitgeber über kein ausreichendes Maß an Remote-Working-Technologie verfügt. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Firmen Arbeitnehmer aufgrund von Frustration über die technischen Voraussetzungen für Remote Work verlieren, 42 Prozent höher als bei großen Unternehmen.

Weitere zentrale Erkenntnisse der Untersuchung: Über zwei Drittel der Beschäftigten geben an, dass sie die für Remote Working benötigten Fähigkeiten besitzen. Allerdings vertreten 29 Prozent die Ansicht, dass es ihnen aufgrund von Problemen mit der Kommunikation und Technik schwerfällt, im Home-Office „motiviert und engagiert“ zu bleiben. Außerdem erklärt rund ein Viertel der Teilnehmer, aufgrund dieser Einschränkungen das Gefühl zu haben, weniger produktiv zu sein.

Ein markanter Wert: 48 Prozent der befragten Personen sind im Home-Office auf ihre private technische Ausstattung angewiesen, da ihr Unternehmen nicht das notwendige Equipment bereitstellt. Diese technischen Defizite stellen nicht nur ein Risiko für die Bindung von Talenten dar. Besorgniserregend ist zudem, dass gerade in einer Zeit, in der Wachstum entscheidend ist, ein Viertel der Befragten berichtet, dass ihnen nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung stehen, um die besten Ergebnisse für Kunden zu erzielen oder aus dem Home-Office effektiv mit ihrem Team zu kommunizieren.

Trotz der Schwierigkeiten bei der Telearbeit werden die Mitarbeiter in absehbarer Zeit nicht vollständig in ihre Büros zurückkehren können. Bei der Frage nach den künftigen Richtlinien für Remote Work denken 41 Prozent, dass ihr Arbeitgeber es ihnen ermöglichen wird, bis mindestens Ende 2020 ‚remote‘ zu arbeiten. Über ein Drittel meint, dass es auf unbestimmte Zeit so weitergeht.

Darüber hinaus hoffen zwei Drittel der Beschäftigten, dass ihnen die Flexibilität, die sie während des Lockdowns gewonnen haben, erhalten bleibt. Mehr als die Hälfte vertraut darauf, dass ihr Betrieb in Technologien investieren wird, die modernen Arbeitsplatz-Anforderungen gerecht werden. Die Büros sicherer zu machen, ist eine dieser Anforderungen. 40 Prozent finden eine Rückkehr zum Arbeitsplatz bedenklich, wenn keine zusätzlichen Sicherheits-Maßnahmen getroffen werden.

Unser Fazit: Corona wird die Trennung der Spreu vom Weizen in der Unternehmens-Landschaft beschleunigen und Defizite schonungslos offenlegen. Die Nachzügler in Sachen Digitalisierung sitzen auf glühenden Kohlen. Gutes Krisen-Management und längst überfällige Investitionen in Remote-Working-Technologien sind das Gebot der Stunde.

 

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