Job-Zufriedenheit

Faktoren für Glück am Arbeitsplatz

Ausgabe-Nr.: 05/2017

Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half: „Einen wichtigen Grundstein für zufriedene Mitarbeiter legen Arbeitgeber bereits im Rekrutierungsprozess.“

In der aktuellen Studie ‚Die Zeit ist reif. Glücklich arbeiten‘ untersuchte der Personaldienstleister Robert Half den stärksten Einfluss auf die berufliche Zufriedenheit von Mitarbeitern. Dabei stellten sich drei entscheidende Faktoren heraus: Das Gefühl persönlicher Freiheit im Job, Stolz auf das Unternehmen sowie ein respektvoller und fairer Umgang mit dem Team.

 

„Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen dazu beitragen, dass die Arbeit zufriedenstellend ist. Beide Seiten sollten wissen, was ihnen wirklich wichtig ist und das auch ehrlich kommunizieren. Einen wichtigen Grundstein für zufriedene Mitarbeiter legen Arbeitgeber deshalb bereits im Rekrutierungsprozess. Indem Unternehmen ihre Anforderungen und Erwartungen von Anfang an klar benennen, fühlen sich Bewerber fair und respektvoll behandelt“, sagt Sven Hennige, Senior Managing Director Central Europe & The Netherlands bei Robert Half. Das erhöhe nicht nur die Wahrscheinlichkeit, dass der richtige Kandidat zusage. Es führe auch dazu, dass sich der Mitarbeiter schnell wohlfühlt und motivierter, innovativer und produktiver arbeitet.

Die Studie ‚Die Zeit ist reif. Glücklich arbeiten‘ zeigt Einflüsse auf die Zufriedenheit im Job. Demnach sind den Mitarbeitern vor allem Fairness und Respekt wichtig. Ist das erfüllt, geben Arbeitnehmer dreimal so häufig an, glücklich zu arbeiten. Jedoch empfinden nur 67 Prozent der Befragten Respekt und Fairness im Job. Ähnlich sieht es bei den Themen Freiheit und Identifikation aus. Wer das Gefühl hat, bei der Arbeit er selbst sein zu können oder stolz auf seinen Arbeitgeber ist, geht mit einer um 2,4-mal höheren Wahrscheinlichkeit glücklich zur Arbeit. Doch auch diese beiden Einflüsse sind im Vergleich zu den anderen Faktoren seltener ausgeprägt. Auf ihren Arbeitgeber sind lediglich 60 Prozent stolz und nur 62 Prozent erleben persönliche Freiheit am Arbeitsplatz.

Als Folge darauf erwägt ein Viertel der Befragten (26 Prozent), den Job in den kommenden sechs Monaten zu verlassen. Diese Entscheidung wird nicht nur für den Arbeitnehmer zu einer Herausforderung. Denn Unzufriedenheit am Arbeitsplatz hat Hennige zufolge auch Nachteile für den Arbeitgeber. Wird sie nicht früh erkannt, leidet die Produktivität und das Engagement des Einzelnen, aber ebenso des Teams darunter. Denn häufig müssen die Kollegen die unerledigten Aufgaben oder mangelnde Ergebnisse der unmotivierten Mitarbeiter kompensieren. Hier sollten Unternehmen dringend handeln.

Ein Unternehmen, bei dem zurzeit akuter Handlungsbedarf besteht, ist Ricoh. Der Hersteller entwickelt sich zunehmend vom Vorzeige-Unternehmen zum gebeutelten Verlustbringer und zum gegenwärtig spektakulären Sanierungsfall im deutschen MFP- und Drucker-Markt. Die Suppe müssen vor allen Dingen die Mitarbeiter auslöffeln. Das zeigt der inzwischen mit dem Betriebsrat ausgehandelte Sozialplan. In der Belegschaft geht man davon aus, dass rund 500 Mitarbeiter ihre Papiere erhalten und auf die Straße gesetzt werden. Ungefähr 150 Beschäftigte kehrten der Firma bereits unabhängig von der Vereinbarung mit dem Betriebsrat den Rücken (der gesamte Bericht wird in der kommenden IT-MFP-Print@Markt-Ausgabe Nr. 2017/14 zu lesen sein).

Kein Wunder daher, dass sich der Unmut der Mitarbeiter auf dem Arbeitgeber-Bewertungsportal Kununu in den Kommentaren zur Ricoh Deutschland GmbH  niederschlägt. Unter dem Titel „Mehr Schein als Sein“ veröffentlichten Mitarbeiter unter anderem Folgendes: „Vorgesetzte halten sich nicht an Absprachen und es wird keine Unterstützung gewährt.“ Und weiter: „Viele Mitarbeiter wurden entlassen und die Verbleibenden fragen sich, wann es eine weitere Entlassungswelle gibt. Außerdem ist vielen nicht klar, wie es bei teilweise stark reduzierten Abteilungsgrößen weitergehen soll. Seit der Nichtauszahlung des Weihnachtsgeldes an Tarifangestellte und der Entlassung von 400 Mitarbeitern entstand eine Zweiklassengesellschaft.“

 

 

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