IT-Sicherheit

Hoher Aufklärungsbedarf

Ausgabe-Nr.: 8/2017

Dr. Thomas Kremer, Vorstandsvorsitzender von Deutschland sicher im Netz e.V. in Berlin: „Digitale Kompetenz ist Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert.“

Das Sicherheitswissen der Verbraucher ist laut DsiN-Sicherheitsindex 2017 zum dritten Mal in Folge gestiegen. Gleichzeitig stellt die Studie eine höhere Bedrohungslage fest. So liegt der Index in diesem Jahr bei 61,1 Punkten. Im vergangenen Jahr lag der Wert noch bei 65,4 Punkten. Da die deutsche Bevölkerung über ein sehr unterschiedlich ausgeprägtes Know-how in Bezug auf IT-Sicherheit verfügt, ist es notwendig, die einzelnen Zielgruppen gezielt anzusprechen.

 

„Um der Bedrohungslage im Netz entgegenzuwirken, müssen wir die Aufklärungsarbeit für Verbraucher verstärken. Wir müssen das Übel an der Wurzel packen. Digitale Kompetenz ist Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert. Fast 60 Prozent der Verbraucher haben erhöhten Aufklärungsbedarf. IT-Sicherheit muss schon früh in der Bildung verankert werden, um für verändernde Risiken im Alltag gewappnet zu sein“, sagt Dr. Thomas Kremer, Vorstandsvorsitzender von Deutschland sicher im Netz e.V. in Berlin.

Unterschiedliche Sicherheitslage bei Verbrauchertypen

Auffällig ist in diesem Jahr die unterschiedliche Sicherheitslage der Verbrauchertypen. Hieraus ergibt sich eine Verstetigung des digitalen Sicherheitsgefälles in Deutschland. Insbesondere die Gruppe der sogenannten Fatalisten, zu denen viele junge Menschen gehören, offenbaren Sicherheitsdefizite wie mangelndes Sicherheitsverhalten. Sie geben mit 50,6 Punkten (2016: 52,5 Punkte) die rote Laterne in diesem Jahr an die Außenstehenden mit 49,4 Punkten (2016: 54,7 Punkte).

Laut Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, zeigt der Index, dass die deutsche Bevölkerung ein sehr unterschiedlich ausgeprägtes Wissen über IT-Sicherheit hat. Daher sei es notwendig, an die einzelnen Zielgruppen herantreten. Das sind bei weitem nicht nur ältere Menschen, sondern auch viele junge, die noch zu wenig auf ihr Recht auf Datenschutz achten.

Bei den meisten Verbrauchern fallen Sicherheitswissen und -verhalten erkennbar auseinander. Dazu gehören vor allem die Gruppen der Außenstehenden, Fatalisten und Gutgläubigen. Zwar ist die Gruppe der außenstehenden Nutzer kleiner geworden, doch bilden sie mit den Fatalisten und Gutgläubigen unter den Verbrauchern weiterhin eine Mehrheit mit erhöhtem Aufklärungsbedarf zu IT-Sicherheit und Datenschutz.

Deutschland sicher im Netz e.V. wertet die Ergebnisse als Bestätigung, die Aufklärungsarbeit bedarfsgerechter Angebote zu verstärken. Auch die Cyber-Sicherheitsstrategie der Bundesregierung hat im November 2016 erklärt, die zielgruppenorientierte Aufklärungsarbeit mit DsiN voranzutreiben. Für die Verankerung von digitalen Schutzkompetenzen schon in der Schule startet Deutschland sicher im Netz e.V. im nächsten Schuljahr das Bildungsangebot ‚Digitale Bildung trifft Schule (DigiBitS)‘. Das Projekt unterstützt Lehrkräfte der Klassen 5 bis 8 darin, Internetdienste und -geräte in ihrem jeweiligen Fach­unterricht sicher und sinnvoll einzubringen. Auch Kremer plädiert dafür, dass IT-Sicherheit und Schutz von Daten Bestandteile des Bildungskanons in Deutschland werden. Dadurch würden für die Zukunft die Voraussetzungen für ein sicheres Verhalten im Netz geschaffen werden.

Erstmals wurden im DsiN-Sicherheitsindex 2017 Verbraucher zu Chancen und Risiken digitaler Gesundheits- und Fitnessdienste befragt. Eine relative Mehrheit bewertet digitale Gesundheitsdienste positiv, wenn eine positive Auswirkung auf ihre Gesundheit oder Gesundheitsversorgung erkennbar wird. Beispiele sind die Früherkennung von Krankheiten (41,2 Prozent), die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung (43,2 Prozent) und digitale Routineüberwachungen (41,2 Prozent). Je unkonkreter der Nutzen für den Verbraucher ausfällt, desto skeptischer fiel die Zustimmung aus. Auffällig ist, dass jeder fünfte Verbraucher die Anwendungen gar nicht bewerten konnte.

Als Reaktion auf diese Unsicherheiten wird DsiN Fragen der IT-Sicherheit und Datenschutz bei digitalen Gesundheitsdiensten künftig verstärkt behandeln. Konkret umgesetzt wird dies im Projekt Digital-Kompass für ältere Generationen. Damit sollen Verbraucher in die Lage versetzt werden, Chancen und Risiken einzuschätzen.

 

 

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