Human-Resources (HR)-Management

Auf dem Weg zur „People Company“

Ausgabe-Nr.: 5/2020

Simone Seidel, Director People Central Europe bei Sage: „86 Prozent der HR-Führungskräfte schätzen, dass es bis zu zehn Jahre dauern kann, bis der Wandel zur People Company in allen Bereichen komplett vollzogen ist. Es gibt jedoch für Unternehmen keinen anderen Weg, wenn sie qualifizierte Fachkräfte finden und langfristig halten wollen.“

Die Rolle von HR-Verantwortlichen verändert sich zunehmend. Wie eine Studie im Auftrag von Sage zeigt, gewinnen vor allem regelmäßige Feedback-Gespräche und Coaching-Maßnahmen sowie gemischte Teams und ein umfassendes Onboarding an Bedeutung. Das primäre Ziel besteht darin, die Mitarbeiter in den Fokus zu rücken und sich zu einer „People Company“ zu wandeln. Digitale Technologien und Datenanalysen leisten dabei wertvolle Dienste.

„86 Prozent der HR-Führungskräfte schätzen, dass es bis zu zehn Jahre dauern kann, bis der Wandel zur People Company in allen Bereichen komplett vollzogen ist. Es gibt jedoch für Unternehmen keinen anderen Weg, wenn sie qualifizierte Fachkräfte finden und langfristig halten wollen“, sagt Simone Seidel, Director People Central Europe bei der Sage GmbH in Frankfurt.

Die Personal-Verantwortlichen glauben zu 82 Prozent, dass sich ihre Rolle in den nächsten zehn Jahren deutlich verändern wird. Zu diesem Ergebnis gelangt die Studie ‚HR im Wandel‘, für die Sage 500 HR- und People-Führungskräfte aus mittelgroßen Unternehmen weltweit befragte. Traditionelle HR-Aufgaben verlieren immer mehr an Bedeutung. Wichtiger werden dagegen Ansätze, um sich als „People Company“ zu positionieren, die bei den Personal-Prozessen den Mitarbeiter besonders fokussiert.

Die deutliche Mehrheit der Studienteilnehmer ist der Auffassung, dass die inhaltlichen Schwerpunkte in den Personalabteilungen künftig weniger auf Verwaltungs-Tätigkeiten, sondern mehr auf kommunikativen und kreativen Aufgaben liegen werden. Hierzu zählt ein kontinuierliches Feedback anstelle des jährlich stattfindenden Mitarbeiter-Gespräches. Auch der Stellenwert von Coaching und Onboarding nimmt zu. Darüber hinaus werden zunehmend alternative Interaktionsformen – inspiriert etwa von Trends wie Gamification – die HR-Arbeit bestimmen.

Die Analysten beurteilen die folgenden Aspekte als entscheidend für die Entwicklung hin zu einer „People Company“: der Einsatz passender Software, datenbasierte Entscheidungs-Findung entlang des gesamten Mitarbeiter-Lebenszyklus, eine etablierte Feedback-Kultur und teaminterne Kompetenzvielfalt. Es ist ein hohes Maß an Flexibilität notwendig, um neue Arbeitsweisen wie Home-Office oder ortsungebundenes Arbeiten zu unterstützen. In diesem Zusammenhang muss eine entsprechende technologische Infrastruktur im Unternehmen gegeben sein, wie beispielsweise Cloud-basierte Systeme oder Employee-Self-Service-Portale, über die Mitarbeiter Personaldaten, Abwesenheiten und Reisekosten selbst eingeben und mit ihren Managern direkt austauschen können.

Des Weiteren sind digitale Technologien gefragt, die die HR-Prozesse automatisieren. Ein Beispiel hierfür sind Künstliche-Intelligenz (KI)-gestützte Verfahren für die Talentsuche – unter anderem der Einsatz von Chatbots in der Frühphase von Recruiting-Prozessen. Bislang nutzt laut der Erhebung nur eine Minderheit solche Tools. 73 Prozent gehen aber davon aus, dass Fähigkeiten bezüglich digitaler Technologien in den nächsten drei Jahren eine stärkere Rolle im HR-Bereich spielen werden.

Wichtig ist zudem die Möglichkeit, Entscheidungen datenbasiert zu treffen. Dieser Prozess wird als ‚People Science‘ bezeichnet und beinhaltet neben dem Sammeln der Daten von Mitarbeitern auch deren Auswertung. Nach Ansicht von 76 Prozent wird es immer bedeutsamer, Mitarbeiter-bezogene Entscheidungen auf Basis fundierter Daten zu treffen. 38 Prozent der Unternehmen können bereits HR-Daten in Echtzeit sammeln und Schlüsse daraus ziehen. 51 Prozent wollen bis zum nächsten Jahr dazu in der Lage sein.

Mit Hilfe geeigneter Software lässt sich ein Austausch-Prozess ab dem Erstkontakt mit dem Bewerber sicherstellen. Derzeit nutzen 24 Prozent der Unternehmen KI- und Automatisierungs-Technologien im Recruiting. Weitere 56 Prozent planen diesbezüglich für die nahe Zukunft. Dabei eignen sich Chatbots, um Basisinformationen zum Bewerber wie Geburtsjahr und Bildungsabschluss im Vorfeld abzufragen. Und mittels OCR (automatisierte Texterkennung) lassen sich Daten aus der Vita des Bewerbers automatisiert und direkt durch das System erfassen. Dies reduziert die Fehler, die bei manuellen Eingaben vorkommen können.

 

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