Fujifilm/Xerox

Alter Wein in neuen Schläuchen

Ausgabe-Nr.: 2/2018

Shigetaka Komori, Chef der Fujifilm Holdings K.K.: Ob die geplante, verbreitete Geschäftsbasis die erhofften Vorteile bei Umsatz und Gewinn bringt, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen.

Wie sicher sind die Arbeitsplätze in multinationalen Konzernen? Wenn sie sich in einer problematischen Branche bewegen, sollten die Beschäftigten besonders genau auf die Management-Qualitäten der Führung blicken. So auch bei der einstigen US-Ikone des Kopierer-Marktes. Das jahrelang gepflegte Joint-Venture mit Fujifilm mündete in der vorletzten Woche in eine komplette Übernahme. Dabei wird einmal mehr deutlich, wer Gewinner und wer Verlierer ist. Die Xerox-Eigner verabschieden sich mit einer üppigen Sonderdividende von 2,5 Milliarden US-Dollar. Und auch der Xerox-Chef, der von Investoren als „unfähig“ bezeichnet wird, fällt weich auf die Füße. Der Xerox-Vorstandsvorsitzende wird in gleicher Funktion der Chef der neuen japanischen Gesellschaft werden. Nur bei der Belegschaft geht es ans Eingemachte: 10.000 Mitarbeiter werden kurzerhand auf die Straße gesetzt.

 

„Die neue Struktur wird den Stärken unserer drei Unternehmen zum Durchbruch verhelfen“, sagte Shigetaka Komori, Chef der Fujifilm Holdings K.K. in Tokio. Und Jeff Jacobson, CEO der Xerox Corp. in Norwalk, ergänzte, dass „der fusionierte Konzern mehr Vorteile im Bereich neuer Technologien bringe und höhere Umsätze erwirtschaften werde“. Die Laudatio auf ihre eigenen Entscheidungen hielten die beiden Vorstandsvorsitzenden anlässlich der geplanten Fusion der beiden Unternehmen am Donnerstag der vorletzten Woche. Der Deal soll bis Juli oder August 2018 über die Bühne gehen.

Bereits seit 1962 sind die beiden Anbieter mit einem Joint-Venture unterwegs. Zu Anfang hatten sie nur den Vertrieb der Xerox-Geräte im asiatischen Raum im Visier. Dann entwickelte Fuji Xerox auch Drucker und Komponenten, die auch unter Xerox vermarktet werden.

Auch europäische Gesellschaften fallen den Tabula-rasa-Maßnahmen zum Opfer

Ob die geplante, verbreitete Geschäftsbasis für Fujifilm die erhofften Vorteile bei Umsatz und Gewinn bringt, wird sich erst in den nächsten Jahren herausstellen. Doch zunächst sind erst einmal die Aktionäre auf der sicheren Seite. Sie machen bei dem Deal richtig Kasse. Unter der Leitung des Finanzinvestors Carl Icahn verstärkten sie aggressiv den Druck auf das Management und verlangten einschneidende Veränderungen. Mit großem Erfolg: Die Xerox-Eigner um Großaktionär Icahn verabschieden sich aus der Branche mit einer üppigen Sonderdividende von 2,5 Milliarden US-Dollar.

Bei der Belegschaft hingegen ist Schmalhans Küchenmeister. Die Tochter Fuji Xerox wird 10.000 Arbeitsplätze abbauen. Das sind immerhin 20 Prozent der gesamten Belegschaft. Darüber hinaus sollen durch Zusammenlegungen und Werks-Schließungen bis 2020 Kosteneinsparungen von mindestens 1,7 Milliarden Dollar erreicht werden. Nach unserer Ansicht ist es kaum denkbar, dass die europäischen Gesellschaften von Tabula-rasa-Maßnahmen ver­schont werden. Vielmehr muss sich Xerox in Europa auf einiges gefasst machen.

Das bedrückende Szenario fin­det vor dem Hintergrund des Trends zum papierlosen Büro und der Digitalisierung der Weltwirtschaft statt. Vor mehr als 100 Jahren zählte Xerox zu den weltweit führenden Konzernen und beeindruckte lange mit dem xerografischen Kopierverfahren und als Schmiede von Innovationen. Es galt im EDV-Markt mit Entwicklungen von grafischen Benutzeroberflächen, der PC-Maus, Blu-Ray-Technologie und vielem anderen mehr als ein Pionier.

In den letzten Jahren häuften sich die Krisen

Doch in den letzten Jahren häuften sich die Krisen. Seit den 90er Jahren brach im Rahmen extraordinärer Management-Leistungen der Gesamtumsatz um sage und schreibe mehr als 50 Prozent ein. Vor rund einem Jahr spaltete Xerox sich auf. Das vormalige Dienstleistungsgeschäft wurde zu einer börsennotierten Gesellschaft. In der letzten Woche musste das Unternehmen wieder einen Rückgang beim Umsatz auf rund 11 Milliarden US-Dollar melden. Investor Icahn forderte den Rücktritt von Jacobson und bezeichnete ihn als „unfähig“. Doch der Xerox-Vorstandsvorsitzende soll nun in gleicher Funktion der Chef der neuen japanischen Gesellschaft werden.

Eine derartige skeptische Bewertung machen sich zumindest die Anleger zu eigen. Denn kaum war die Nachricht heraus, rauschte die Aktie von Fujifilm in Tokio in den letzten Handelsminuten nach Medienberichten über die bevorstehende Einigung um mehr als 8 Prozent in den Keller.

Doch ob die Mitarbeiter, die Vertriebspartner und die Kunden die Einschätzung des 78 Jahre alten Fuji-Vorsitzenden teilen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Viele Betroffene vertreten eine ganz andere Sicht der Situation: Die aktuelle Entwicklung wird durch die schnelle Digitalisierung der Wirtschaft geprägt und Xerox hat nicht mehr die richtigen Antworten auf die Fragen der Zukunft.

 

 

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