Erfolgsabhängige Teilzeitarbeit

Bonifalle für Frauen

Ausgabe-Nr.: 8/2018

Etwa 60 Prozent aller deutschen Betriebe setzen variable Vergütungssysteme für ihre Führungskräfte und Mitarbeiter ein. Dabei erhalten Beschäftigte, die in Teilzeit arbeiten, seltener einen Bonus. Zudem gewinnt der Unternehmens- und Teamerfolg gegenüber der persönlichen Leistung bei der Vergütung an Bedeutung.

 

Zu diesen Ergebnissen kommt der sogenannte Forschungsmonitor „Variable Vergütungssysteme“, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Institut für Arbeitsmarktforschung (IAB) im Kontext der Initiative „Neue Qualität der Arbeit“ veröffentlichen. Die Erhebung im Rahmen der repräsentativen Längsschnittstudie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“ untersucht den Einsatz von Vergütungssystemen sowie ihre Auswirkung auf die Arbeitsqualität, das Engagement und die Zufriedenheit der Beschäftigten.

„Die Studie zeigt, dass die Teilzeit-Vereinbarungen oft zur Bonifalle werden. Teilzeitbeschäftigte, also vor allem Frauen, werden bei erfolgsabhängigen Vergütungen oft nicht berücksichtigt. Diese Bonus­kultur ist nicht mehr zeitgemäß. Die Teilzeit darf nicht die Entscheidung für ein Gehalt zweiter Klasse sein. Die Brücken-Teilzeit wird die Debatte über die gerechte Bezahlung von Frauen und Männern weiter vorantreiben.

Teilzeitbeschäftigte, also vor allem Frauen, werden bei erfolgsabhängigen Vergütungen oft nicht berücksichtigt

Weniger Stunden heißt nicht weniger Leistung und auch nicht weniger Verantwortung. Es muss in einer modernen Unternehmenskultur selbstverständlich sein, dass die Leistungen von Teilzeitbeschäftigten bei der Boni-Vergabe angemessen gewürdigt werden“, kommentiert Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Untersuchung.

Der Monitor zeigt zudem erstmals, dass die Arbeitszufriedenheit und das Engagement der Mitarbeiter steigen, wenn der Unternehmenserfolg im Fokus steht und Zielvereinbarungen nicht das persönliche Gehalt beeinflussen: „50 Prozent aller Betriebe verknüpfen die Berechnung der Boni formelbasiert mit der Zielerreichung. Zielvereinbarungen steigern aber nur dann die wahrgenommene Arbeitszufriedenheit und das Engagement der Beschäftigten, wenn sie nicht formelhaft an die variable Vergütung geknüpft sind. Das konnte erstmalig durch die Längsschnittanalyse belegt werden“, so Prof. Dr. Dirk Sliwka von der Universität zu Köln. „Hingegen steigen Arbeitszufriedenheit und das Commitment gegenüber dem Unternehmen, wenn der Bonus stärker am Erfolg des Gesamtunternehmens bemessen wird. Eine höhere Individualisierung der Vergütung hingegen senkt die Arbeitszufriedenheit und Kooperationsbereitschaft“, so Prof. Dr. Patrick Kampkötter von der Eberhard Karls Universität Tübingen.


*Der Monitor „Variable Vergütungssysteme“ basiert auf der Längsschnittstudie „Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg“, für die in jeder Befragungswelle zwischen 800 und 1.200 Personalverantwortliche in deutschen Betrieben sowie ca. 7.000 Beschäftigte aus diesen Betrieben befragt wurden. Die aktuellen Ergebnisse bilden die Entwicklung variabler Vergütung sowie branchenbezogene Unterschiede in Deutschland ab.

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe