Digitaler Arbeitsmarkt

Deutschland wichtige Anlaufstelle

Ausgabe-Nr.: 7/2019

Rainer Strack, Senior Partner und Experte für Human Resources bei der Boston Consulting Group: „Deutschlands Anziehungskraft auf Digitalexperten ist eine große Chance für die deutsche Wirtschaft. Gerade im Digitalbereich und in der Entwicklung von Zukunftstechnologien sind Unternehmen auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen.“

Nach der internationalen Arbeitsmarktstudie ‚Decoding Digital Talent‘ liegt Deutschland auf dem zweiten Platz der beliebtesten Zielländer für hochqualifizierte Digitalfachkräfte. Als Digitalexperten definiert die Untersuchung Arbeitnehmer mit Expertise in Bereichen wie Künstliche Intelligenz (KI), Machine Learning, Datamining, Entwicklung mobiler Apps, Programmieren oder digitales Marketing.

„Deutschlands Anziehungskraft auf Digitalexperten ist eine große Chance für die deutsche Wirtschaft. Gerade im Digitalbereich und in der Entwicklung von Zukunftstechnologien sind deutsche Unternehmen auf qualifizierte Zuwanderung angewiesen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Daher sollten sowohl die Politik als auch die Unternehmen die Integration von ausländischen Fachkräften weiter erleichtern“, rät Rainer Strack, Senior Partner und Experte für Human Resources bei der Boston Consulting Group GmbH in Düsseldorf.

Deutschland belegt nach der Erhebung den zweiten Rang und wird lediglich von den USA als Zielland übertroffen. Besonders beliebt ist Deutschland bei Fachkräften aus Südosteuropa, dem Iran, Mexiko und Nordafrika. Für die Studie befragten die Online-Jobplattform ‚StepStone‘, die Strategieberatung ‚Boston Consulting Group (BCG)‘ und das globale Jobbörsen-Netzwerk ‚The Network‘ im Jahr 2018 rund 27.000 Digitalexperten aus 180 Nationen, 1.648 davon in Deutschland.

Die Studie zeigt, dass Digitalkräfte äußerst mobil sind. Durchschnittlich 67 Prozent der Befragten erklären sich bereit, eine Stelle im Ausland anzutreten. „Fachkräfte mit Digitalwissen sind deutlich offener dafür, ins Ausland zu gehen als Fachkräfte anderer Disziplinen. Für Unternehmen in Deutschland bedeutet das: Sie stehen nicht nur im Wettbewerb mit anderen deutschen Unternehmen, sondern mit Arbeitgebern in der ganzen Welt. Sie müssen daher massiv in die Gewinnung und Bindung dieser Mitarbeiter investieren, wenn sie ihren Erfolg langfristig sichern wollen“, fordert Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer bei der StepStone Deutschland GmbH in Düsseldorf.

Die deutschen Experten liegen in Sachen Jobmobilität etwas unter dem weltweiten Durchschnitt. Zirka 62 Prozent können sich einen Job im Ausland vorstellen. Für sie gehören die USA, gefolgt von der Schweiz, Großbritannien und Kanada zu den bevorzugten Zielländern. Die attraktivsten Städte im Ausland sind für die Deutschen London, Amsterdam, New York, Zürich und San Francisco. Im Gesamt-Ranking der weltweit gefragtesten Städte liegt Berlin auf dem dritten Rang hinter London und New York.

Weiterhin offenbart die Untersuchung, dass Deutschland in den Bereichen ‚Künstliche Intelligenz‘ und ‚Machine Learning‘ überaus geschätzt wird. Die KI-Talente beurteilen den Arbeitsmarkt hierzulande als den drittbesten nach den USA und Kanada. Insgesamt sind 70 Prozent der befragten KI-Arbeitskräfte offen für einen Job im Ausland. Im Vergleich zu Digitalkräften im Allgemeinen, die hauptsächlich in der IT- und Technologiebranche arbeiten, verteilen sich die Einsatzbereiche von KI-Experten laut Erhebung auf diverse Industrien wie etwa IT, Technologie, Bauwesen, industrielle Produktion und Maschinenbau. „KI-Experten zählen auf der ganzen Welt zu den am stärksten umworbenen Digitalkräften. Die Nachfrage übersteigt die Zahl der entsprechend ausgebildeten Fachkräfte in Deutschland, denn sie werden in fast allen Branchen gebraucht, um Prozesse zu automatisieren und Innovationen voranzutreiben. Unternehmen brauchen daher eine HR-Strategie, welche die internationale Rekrutierung und das Onboarding ausländischer Fachkräfte umfasst“, so Dettmers weiter.

Darüber hinaus widmete sich die Erhebung der Frage, welche Bedürfnisse die Arbeitnehmer umtreiben. So wünschen sich Digitaltalente aus dem Ausland vor allem eine ausgeglichene Work-Life-Balance sowie gute Fortbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen. Für die deutschen Befragten zählen interessante Jobinhalte, ein gutes Verhältnis zu Kollegen sowie die Wertschätzung der eigenen Arbeit zu den wichtigsten Kriterien im Job. Die Vergütung spielt eher eine untergeordnete Rolle.

 

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