Digitale Arbeitswelt

War for Talents spitzt sich zu

Ausgabe-Nr.: 7/2018

Sebastian Karwautz, Leiter des Mercer-Bereiches Career Central & Eastern Europe: „Das Bedürfnis nach mehr Flexibilität wächst und geht einher mit dem Wunsch, mehr Kontrolle über das berufliche und das private Leben zu erreichen und beide Welten in Einklang zu bringen.“

47 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität und 54 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass mindestens 20 Prozent der Aufgaben in ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren wegfallen. Und nur acht Prozent der Unternehmen betrachten sich als digitale Organisation und 38 Prozent der Arbeitnehmer verfügen über die für ihre Arbeit notwendigen digitalen Tools. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der neuen Global Talent Trends Studie 2018 von Mercer*.

 

„Das Bedürfnis nach mehr Flexibilität wächst und geht einher mit dem Wunsch, mehr Kontrolle über das berufliche und das private Leben zu erreichen und beide Welten in Einklang zu bringen“, erklärt Sebastian Karwautz, Leiter des Bereichs Career Central & Eastern Europe bei der Mercer GmbH in Wien.

In der Untersuchung befragte die Personalberatung nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Verantwortliche aus dem Human-Ressource-Bereich und Führungskräfte. Letztere sind angeblich fest entschlossen, den Diskussionen zum Thema Disruption nun auch Taten folgen zu lassen: 94 Prozent der deutschen Unternehmen führen Innovationen als Kernthema auf ihrer Agenda und 96 Prozent planen Veränderungen im Organisationsdesign. „Die Fähigkeit zur Veränderung wird mehr und mehr zum entscheidenden Faktor für den Erfolg im globalen Wettbewerb. Die große Herausforderung besteht darin, die Mitarbeiter mit auf die Reise zu nehmen und ihnen den Weg aufzuzeigen. Die gute Nachricht ist, dass die Beschäftigten genau das fordern: Sie wollen, dass Führungskräfte eine klare Richtung vorgeben“, so der Mercer-Manager. Die Mercer-Studie, auf der diese Erkenntnisse beruhen, identifiziert fünf große Trends für 2018:

(1) Change@Speed: Wie sich Unternehmen auf die Zukunft der Arbeit vorbereiten, hängt vom Grad der zu erwartenden Disruption ab. Betriebe mit der Erwartung auf die Disruption arbeiten Agilität in ihr Modell ein und setzen auf flachere, stärker vernetzte Strukturen. Allerdings gibt es bei den Personal-Verantwortlichen nur bedingt Bereitschaft, entsprechende Umschulungen vorzunehmen.

54 Prozent der Führungskräfte gehen davon aus, dass mindestens jede fünfte Rolle in ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren nicht mehr existieren wird. Daher sind Arbeitsplatz-Verlagerungen und Umschulungen überlebenswichtig. Doch nur 31 Prozent der Firmen verbessern den Zugang zu Online-Lernkursen und nur weniger (20 Prozent) lassen ihre Mitarbeiter im Unternehmen rotieren.

(2) Sinnvolles Arbeiten: 60 Prozent der erfolgreichen Mitarbeiter mit beruflicher und persönlicher Erfüllung sagen, dass ihr Arbeitgeber einen klaren Zweck verfolgt. Um einen Sinn in ihrer Tätigkeit zu finden, verlangen sie nach dem nötigen Freiraum zum Lernen und Experimentieren. Anderenfalls sind sie zum Absprung bereit: 34 Prozent wollen das Unternehmen trotzdem verlassen, weil sie die gebotenen Karrieremöglichkeiten als unzureichend wahrnehmen. Fairness bei der Vergütung und bei Nachfolgeregelungen sind ebenfalls von hoher Wichtigkeit. Nur 39 Prozent der Mitarbeiter in Deutschland geben an, dass sie bei Gehalts- und Beförderungs-Entscheidungen gerecht behandelt werden (weltweite Quote: 53 Prozent).

43 Prozent der Arbeitnehmer befürchten, dass die Wahl flexibler Arbeitsbedingungen ihre Aufstiegschancen beeinträchtigt

(3) Permanente Flexibilität: 47 Prozent der Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität, aber 43 Prozent befürchten, dass die Wahl flexibler Arbeitsbedingungen ihre Aufstiegschancen beeinträchtigt. „Der Mangel an flexiblen Arbeitsregelungen schadet Frauen und älteren Arbeitnehmern überproportional. Das führt zu Fehlzeiten, niedrigeren Energieniveaus und Burnout“, erklärt Ilya Bonic, President von Mercers Career Business. Da sich die Kompetenzlücke vergrößert und zugleich menschliche Fähigkeiten immer wichtiger werden, muss sichergestellt werden, dass ein vielfältiger Pool von Talenten in allen Lebensphasen aktiv am Erwerbsleben teilnehmen kann.

(4) Plattform für Talente: 85 Prozent der Führungskräfte erwarten eine Zuspitzung des War for Talent. Es wächst daher die Erkenntnis, dass das Talent-Ökosystem erweitert und die HR-Modelle für ein digitales Zeitalter angepasst werden müssen. Mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen plant, im Jahr 2018 mehr Talente ‚auszuleihen‘. „Darüber hinaus müssen Unternehmen Talente schneller und präziser einsetzen, um das Potenzial ihrer Mitarbeiter zu erschließen“, sagt Kate Bravery, Global Practices Leader im Bereich Career bei Mercer, und fordert beim ‚Plattform-Ansatz‘ für Talente einen radikalen Mentalitätswandel: „Alle im Unternehmen müssen auf Talente zum Nutzen aller zugreifen können.“

(5) Digital von innen nach außen: Wenn es darum geht, Mitarbeitern eine „digitale Erlebniswelt“ zu bieten, die sich mit dem Standard deckt, den die Mitarbeiter privat gewöhnt sind, hinken deutsche Unternehmen hinterher: Nur 8 Prozent sehen sich heute als digitale Organisation, was der Hälfte des weltweiten Durchschnitts entspricht.

Während 53 Prozent der Mitarbeiter sagen, dass modernste Tools für den Erfolg wichtig sind, geben nur 38 Prozent an, dass sie über die für ihre Arbeit notwendigen digitalen Tools verfügen. Lediglich 33 Prozent bestätigen, dass sie mit ihrer Personalabteilung digital interagieren. Die Führungskräfte sind zuversichtlich, dass HR als strategischer Partner die Weichen für die Zukunft stellen kann. 69 Prozent der Führungskräfte geben an, dass HR die Personalstrategie mit den strategischen Prioritäten des Unternehmens in Einklang bringt.

Die Studie von Mercer gibt Einblicke in die Ansichten von über 7.600 leitenden Führungskräften, Personalverantwortlichen und Mitarbeitern aus 21 Branchen und 44 Ländern weltweit. Der Bericht bewertet die neuen Triebkräfte für die Zukunft der Arbeit, identifiziert kritische Schwachstellen in Bezug auf den Wandel und gibt aussagekräftige Empfehlungen für das Wachstum im Jahr 2018.

* Mercer Deutschland ist in Deutschland mit über 600 Mitarbeitern unter anderem an den Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart vertreten. Mercer ist mit mehr als 23.000 Mitarbeitern in über 130 Ländern tätig. Mercer ist eine Tochter der Marsh & McLennan Companies (NYSE: MMC), eines globalen Anbieters von professionellen Dienstleistungen. Der Jahresumsatz liegt mit fast 65.000 Mitarbeitern bei 14 Mrd. US-Dollar.

 

 

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