Deutscher Arbeitsmarkt

Bei Fachkräften komplett leergefegt

Ausgabe-Nr.: 13/2017

Vom anhaltenden Beschäftigungsboom in Deutschland profitieren fast alle Berufsgruppen; vom Akademiker bis zum Facharbeiter. Die Erwerbslosenquote liegt in diesem Bereich nahe null. Gleichwohl: Der Mangel an IT-Fachkräften spitzt sich weiter zu. In Deutschland gibt es derzeit 55.000 offene Stellen für IT-Spezialisten. Das entspricht einem Anstieg um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet: Der Engpass an qualifiziertem Personal limitiert die Wachstumschancen und führt darüber hinaus in etlichen Fällen zu Umsatzverlusten.

 

Nicht nur für Hochqualifizierte ist das Risiko der Arbeitslosigkeit so gering wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Bundesweit waren im vergangenen Jahr 6,2 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos – so wenig wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. Wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, wird die Konkurrenz um die qualifizierten Arbeitskräfte mit zunehmender Härte ausgefochten.

„Das Arbeitslosigkeitsrisiko hängt eng mit der Qualifikation zusammen“, stellen die IAB-Forscher fest. So waren selbst in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit, als hierzulande knapp zwölf Prozent der Erwerbsfähigen keine Stelle hatten, lediglich vier Prozent der Akademiker auf Jobsuche. Selbst den Umbruch im Osten überstanden die Hochqualifizierten zumeist unbeschadet. Denn in dieser Gruppe stieg die Arbeitslosigkeit auch in den neuen Ländern nie höher als 6,1 Prozent. Im Westen waren in der Spitze sogar nur 3,6 Prozent aller Akademiker erwerbslos gemeldet.

Dramatisch ist die Lage in der ITK-Branche. Mehr als die Hälfte der ITK-Unternehmen geht davon aus, dass sich der Fachkräftemangel in Zukunft weiter verschärfen wird. „In Deutschland wird es immer schwieriger, die dringend benötigten IT-Spezialisten zu finden. Die Wirtschaft braucht Experten wie Software-Entwickler, Spezialisten für IT-Sicherheit und IT-Berater, um die Digitalisierung erfolgreich zu gestalten“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Die Unternehmen im Bereich der Anwender verzeichnen aktuell 31.500 freie Stellen für IT-Fachkräfte.

Größeres Bewusstsein für IT-Sicherheit lässt Nachfrage nach IT-Sicherheitsexperten steigen

Da sich Software heutzutage in fast jedem Gerät befindet, erklärt sich die anhaltend hohe Nachfrage nach Software-Entwicklern quer durch alle Branchen. „In der deutschen Wirtschaft gibt es außerdem ein steigendes Bewusstsein für IT-Sicherheit. Das zeigt sich unter anderem darin, dass branchenübergreifend immer mehr IT-Sicherheitsexperten gesucht werden“, erläutert Berg.

In den kommenden Jahren wird die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt eine große Herausforderung. Noch steht das Gros derjenigen, die 2015 nach Deutschland kamen, dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, weil entweder das Asylverfahren noch läuft oder zunächst Deutschkurse absolviert werden. Schrittweise sei in den nächsten Jahren aber mit einer Ausweitung des Arbeitsangebots durch die Fluchtmigration zu rechnen, heißt es im aktuellen IAB-Zuwanderungsmonitor.

Die Experten rechnen mit weiter steigenden Arbeitslosenzahlen von Flüchtlingen. Von denjenigen, die 2015 kamen, arbeiten bislang rund zehn Prozent. Die meisten von ihnen als bezahlte Praktikanten oder Hilfsarbeiter. Nach fünf Jahren soll nach Einschätzung der IAB-Experten rund die Hälfte in den Arbeitsmarkt integriert sein. – Eine wirkliche und nachhaltige Lösung der gegenwärtigen Misere bei dem beschränkten Angebot an Fachkräften ist nach unserer Ansicht davon jedoch nicht zu erwarten.

 

 

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