Arbeitsmarkt-Studie 2017

Selbstbewusste Arbeitnehmer

Ausgabe-Nr.: 12/2017

Wie und wo wir arbeiten, wird in Zukunft stark von digitalen Technologien beeinflusst sein. Arbeitnehmer in Deutschland sehen sich selbst beim anstehenden Wandel und bei den dafür notwendigen Fähigkeiten jedoch mehrheitlich gut gerüstet. Skeptischer sind sie, was den entsprechenden Reifegrad ihrer Arbeitgeber betrifft.

 

„Wir müssen weiter nah an den Menschen sein und ihre Bedürfnisse kennen. Die Digitalisierung wird Wirtschaft und Gesellschaft voranbringen – aber nur dann, wenn wir als Arbeitgeber auch bei einem sich rasant verändernden Umfeld weiterhin für gute und sichere Arbeitsplätze sorgen. Die notwendige Qualifizierung der Menschen wird dabei eine Schlüsselrolle spielen“, sagt Dr. Dieter Traub, Geschäftsführer der Orizon GmbH in Berlin.

Der Personaldienstleister veröffentlichte jüngst seine diesjährige Studie ‚Arbeitsmarkt – Perspektive der Arbeitnehmer‘. An der repräsentativen Online-Befragung nahmen über 2.000 Arbeitnehmer und Arbeitsuchende in Deutschland teil. Durchgeführt wurde die Untersuchung von dem Marktforschungs- und Analyseunternehmen Lünendonk GmbH.

Schlagworte wie ‚Digitalisierung‘ oder ‚Wirtschaft 4.0‘ prägen Wirtschaft und Gesellschaft in hohem Maße. Prozesse in Unternehmen werden digital gesteuert, immer häufiger lernende Maschinen oder Roboter eingesetzt und die Anforderungen an die Beschäftigten wandeln sich spürbar. Auch im Recruiting ist die Digitalisierung längst angekommen, etwa in der automatisierten (Vor-)Auswahl von Bewerbern. Ende 2015 arbeitete bereits jeder zweite Beschäftigte in Deutschland in einem Unternehmen mit starkem Trend zur Digitalisierung.

75 Prozent trauen sich zu, sich die geforderten digitalen Fähigkeiten aneignen zu können

Die neuen Technologien beeinflussen den Arbeitsalltag schon heute spürbar. In Zukunft werden die Veränderungen noch gravierender sein. Die Mehrheit der Befragten ist jedoch zuversichtlich, was ihre eigenen Kompetenzen angeht. Zwar stimmen rund 30 Prozent der Arbeitnehmer schon heute der Aussage zu, die Digitalisierung zwinge sie, schneller zu arbeiten. Die jüngeren Altersgruppen bis 29 Jahre bejahen das dabei deutlich häufiger als die älteren Generationen. Jedoch trauen sich 75 Prozent aller Studien-Teilnehmer zu, sich die geforderten digitalen Fähigkeiten aneignen zu können. Lediglich 13 Prozent fühlen sich durch die technologische Entwicklung überfordert. Das Selbstbewusstsein der Arbeitnehmer geht mit nur kleinen Schwankungen quer durch alle Altersgruppen.

In der Frage, ob der eigene Arbeitgeber für die Digitalisierung gut aufgestellt sei, herrscht jedoch verbreitete Skepsis. Nur 45 Prozent der Befragten halten das für zutreffend, während ein Viertel verneint und etwa 30 Prozent dazu keine Einschätzung abgeben wollen oder können. Die jüngeren Arbeitnehmer sind in dieser Frage tendenziell skeptischer eingestellt als ihre älteren Kollegen.

In den Medien wie auch in Fachkreisen wird aktuell spekuliert, welche Tätigkeiten künftig von Robotern erledigt werden könnten, so dass menschliche Arbeitskraft in diesen Feldern überflüssig werden könnte. Berufe im Handel, in der Logistik oder in der Finanzbranche gelten als besonders gefährdet, während medizinische Berufe überwiegend „sicher“ sein sollen.

Aber wie schätzen die Arbeitnehmer die Gefahr für den eigenen Job ein? Den Ergebnissen der Studie zufolge fürchten rund 14 Prozent der Teilnehmer, ihr konkreter Arbeitsplatz könne durch die Digitalisierung wegfallen. Ein Wert, der beweist, dass es zwar keine verbreitete Panik gibt, sich aber ein gewichtiger Teil der Gehaltsempfänger angesichts tech­nologischer Entwicklungen Sorgen um die eigene berufliche Existenz macht.

 

 

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