Arbeitsmarkt-Report

‚Ypsiloner‘ verändern Arbeitswelt

Ausgabe-Nr.: 9/2017

BWA-Chef Harald Müller: „Unternehmen mit traditionellen Führungsstrukturen haben wenig Chancen, von der Generation Y als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden.“

Home Office, Teilzeit, Betriebsrente und Weiterbildung sind die größten Wünsche der Arbeitnehmer in Deutschland. Dieses Ergebnis des aktuellen Reports ‚New Work‘ der BWA-Akademie zeigt, dass Unternehmen sich zügig auf die Vertreter der Generation Y umstellen müssen. Sie legen mehr Wert auf eine ausgeglichene Work-Life-Balance, als auf eine Maximierung ihres Gehalts.

 

„Ein erfülltes Berufsleben und Sicherheit im Alter sind dem Gros der Arbeitnehmer wichtiger als Statussymbole“, interpretiert Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts Akademie GmbH (BWA), die Ergebnisse. Der Bericht basiert auf einer Umfrage unter 100 Personalexperten aus der deutschen Wirtschaft.

Im Einzelnen stufen die befragten Personalfachleute die Bedeutung für die Beschäftigten in absteigender Reihenfolge wie folgt ein: flexible Arbeitszeiten (81 Prozent), flexibler Arbeitsort bzw. Home Office (78 Prozent), Teilzeitmodelle (69 Prozent), betriebliche Rente (66 Prozent), Weiterbildung (65 Prozent), Dienstwagen (61 Prozent), Bonusprogramme (59 Prozent), Arbeitsplatzsicherheit (57 Prozent), Urlaub (ebenfalls 57 Prozent) und soweit zutreffend die Unterstützung bei der Kinderbetreuung (48 Prozent).

Laut Expertenumfrage ist 84 Prozent der Beschäftigten eine ausgeglichene Work-Life-Balance wichtiger als eine Maximierung ihres Gehalts. Müller zufolge versteht die nach 1980 geborene Generation Y ihre berufliche Tätigkeit nicht nur als Mittel zum Geldverdienen, sondern will darin auch Selbstbestimmung und Erfüllung finden. Es sage viel über das Selbstverständnis dieser Generation aus, wenn Flexibilität bei der Arbeitszeit deutlich wichtiger ist als die langfristige Sicherheit des Arbeitsplatzes.

Zugleich ist die Generation Y die erste Altersgruppe der Digital Natives. Die ständige Erreichbarkeit ist für sie keine Bürde, sondern eine Selbstverständlichkeit. Tendenziell neigt sie weniger zu einer langfristigen Planung und hat mehr Improvisationstalent. Entscheidungen fallen kurzfristig nach Abwägung der unmittelbaren Vorteile für die eigene Person. Sie gilt als ‚krisengestählt‘, weil sie vom New Yorker Anschlag über weltweite Kriege bis hin zur Finanz- und Eurokrise aufgewachsen ist und ein Leben in Unsicherheit als Normalität empfindet. Die Mehrzahl strebt nach einem hohen Bildungsniveau als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Im Beruf erwartet die Generation Y vor allem Erfüllung und Anerkennung. Ihre ganze Arbeitskraft setzt sie nur ein, wenn sie selbst von der Sinnhaftigkeit überzeugt ist. Hierarchien lehnt diese Generation weitgehend ab, sie will im Team von Gleichberechtigten arbeiten.

„Unternehmen mit traditionellen Führungsstrukturen haben wenig Chancen, von der Generation Y als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden“, ergänzt Müller. So sagen beispielsweise 67 Prozent der Befragten, dass ein Begriff wie ‚Feierabend‘ irrelevant geworden ist, weil die Digital Natives tagsüber ebenso wie abends über die sozialen Netzwerke Berufs- und Privatleben ohnehin ständig vermischen.

 

 

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