Arbeitsmarkt/Corona

„Weiter stark unter Druck“

Ausgabe-Nr.: 6/2020

Wegen der Corona-Pandemie befindet sich der Arbeitsmarkt nach wie vor im Krisen-Modus. Die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nahmen im Mai 2020 erneut zu. Zudem sind bereits jetzt mehr Menschen in Kurzarbeit als in der Rezession von 2009. Auch die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern sinkt.

„Der Arbeitsmarkt ist wegen der Corona-Pandemie weiterhin stark unter Druck. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung sind auch im Mai gestiegen, allerdings nicht mehr so stark wie im April. Bei der Beschäftigung sind erste Spuren sichtbar. Die Kurzarbeit hat das Niveau der Krise von 2009 deutlich überschritten. Die Nachfrage der Betriebe nach neuen Mitarbeitern ist weiterhin rückläufig, hat sich aber immerhin gefangen“, sagte Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, anlässlich der monatlichen Pressekonferenz in Nürnberg.

Die Zahl der Arbeitslosen kletterte im Mai 2020 um 169.000 auf 2,813 Millionen an. Damit suchen im Vergleich zum Vorjahr 577.000 Menschen zusätzlich nach Arbeit (Mai 2019: 2,236 Millionen Arbeitslose) (-> Grafik 2). Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich die Arbeitslosenquote um 0,3 Prozentpunkte auf 6,1 Prozent. Folglich ist die Arbeitslosenzahl von April auf Mai infolge der Corona-Krise erneut kräftig gestiegen, wenn auch nicht mehr so stark wie im Vormonat.

Die Unterbeschäftigung, die auch Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, nimmt saisonbereinigt gegenüber dem Vormonat um 170.000 zu. Somit wächst die Unterbeschäftigung weniger rasant als die Arbeitslosigkeit. Dies liegt zu einem großen Teil daran, dass wegen der Kontakt-Beschränkungen Angebote der Arbeitsmarktpolitik nicht zum Einsatz kamen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Mai bei 3,573 Millionen Personen. Das sind 383.000 mehr als vor einem Jahr.

Zur Kurzarbeit: Vor Beginn der Kurzarbeit müssen Betriebe Anzeige über den voraussichtlichen Arbeitszeitausfall erstatten. Nach aktuellen Daten zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 27. Mai für 1,06 Millionen Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt, nach zusammen 10,66 Millionen im März und April. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden.

Aktuelle Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis März zur Verfügung und umfassen damit zeitlich den ersten Monat der Verschärfung der Corona-Krise. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im März für 2,02 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit schon im März weit über den Werten zur Zeit der großen Rezession 2008/2009 (1,44 Millionen) (-> Grafik 3).

Zur Arbeitskräfte-Nachfrage: Die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften ist infolge der Corona-Pandemie massiv zurückgegangen. Im Mai waren 584.000 Arbeitsstellen bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet. Dies entspricht einem Rückgang von 208.000 gegenüber dem Vorjahr. Die Stellen-Neumeldungen haben sich nach dem starken Einbruch im April aber etwas gefangen.

Zu den Geldleistungen: Insgesamt 1,058 Millionen Menschen erhielten im Mai Arbeitslosengeld – demnach 364.000 mehr als vor einem Jahr. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag im vergangenen Monat bei 4,027 Millionen. Gegenüber Mai 2019 ist dies ein Anstieg von 75.000 Personen. 7,4 Prozent der Erwerbsfähigen waren dementsprechend hilfebedürftig.

 

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