Arbeitsmarkt/Corona

Wolken am Horizont

Ausgabe-Nr.: 12/2020

Für den Monat November meldet die Bundesagentur für Arbeit zwar erneut keinen weiteren Corona-bedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Jedoch führte der Teil-Lockdown zu einer Erhöhung der Anzeigen für die konjunkturelle Kurzarbeit. Angesichts der aktuell beschlossenen Maßnahmen für einen bundesweiten Lockdown dürfte sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nach Monaten der Entspannung wieder verschärfen.

„Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt“, erklärt Detlef Scheele, Vorstands-Vorsitzender bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Da aus dem Teil-Lockdown nun ein vollständiger Lockdown wird, ist zum ersten Mal seit April 2020 wieder mit einem Anstieg der Kurzarbeit zu rechnen. Die verschärften Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie gelten zunächst einmal vom 16. Dezember 2020 bis zum 10. Januar 2021.

Die Zahl der Arbeitslosen lag Ende November 2020 bei 2,69 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von 61.000 im Vergleich zum Vormonat. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Arbeitslosen-Zahl allerdings um 519.000. Die Arbeitslosen-Quote sank von Oktober auf November um 0,1 Punkte auf 5,9 Prozent (November 2019: 4,8 Prozent).

Zur Kurzarbeit: Es wurde vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat (Oktober 2020: 148.000) erklärt sich durch den Teil-Lockdown (-> Grafik 3). Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen bis September 2020 zur Verfügung.

So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds nahm nach dem bisherigen Höchststand im April 2020 mit rund sechs Millionen sukzessive ab. Jedoch könnte sich dieser Trend aufgrund der Lockdowns wieder ins Gegenteil verkehren, speziell für die Monate November bis Januar.

„Den Start ins neue Jahrzehnt haben wir uns anders vorgestellt. Die Covid-19-Pandemie hat unser Land mit voller Wucht getroffen. Das Ausmaß der Krise ist historisch. Unsere Wirtschaft ist in diesem Jahr um ungefähr fünf Prozent eingebrochen. Der Arbeitsmarkt hat sich allerdings weitgehend robust gezeigt. Dort ist das große Beben trotz enorm schwieriger Rahmenbedingungen ausgeblieben. Das haben wir allen voran der Kurzarbeit zu verdanken, mit der wir Millionen von Jobs gerettet haben. Im April hatten wir sechs Millionen Kurzarbeiter. Im September waren es schon weniger als halb so viele. Und zwar ohne einen entsprechenden Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Das zeigt klar und deutlich: Die Kurzarbeit rettet in Deutschland millionenfach Arbeitsplätze“, erläutert Bundesarbeitsminister Hubertus Heil die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Jahr 2020.

Erst kürzlich beschloss der Bundestag ein Maßnahmen-Paket, mit dem die Bundesregierung verlässliche Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Arbeitgeber infolge der Covid-19-Pandemie schaffen will. Das „Beschäftigungs-Sicherungs-Gesetz“ soll am 1. Januar 2021 in Kraft treten und umfasst unter anderem die Regelung zur Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 70/77 Prozent des Netto-Entgelts ab dem vierten Monat beziehungsweise 80/87 Prozent ab dem siebten Monat (Prozent-Angaben für Arbeitnehmer mit und ohne Kind). Diese Konditionen gelten für alle Beschäftigten bis zum 31. Dezember 2021, deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld bis zum 31. März 2021 wirksam wird.

 

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