Arbeitsmarkt

Weniger Einstellungen

Ausgabe-Nr.: 6/2019

ManpowerGroup-Geschäftsführer Frits Scholte: Arbeitgeber stockten ihr Personal in den vergangenen Jahren auf und halten es nun konstant auf hohem Niveau. Fachkräfte werden weiterhin gesucht und eingestellt.

Zum ersten Mal seit zwei Jahren gibt es bei Firmen in Deutschland weniger Einstellungen. Nach sechs Quartalen mit stetig hohem Personalbedarf geben sich die Unternehmen nun verhaltener. Im aktuellen Arbeitsmarkt-Barometer der ManpowerGroup geben 89 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Belegschaft stabil halten und zwischen Juli und September 2019 keine neuen Mitarbeiter einstellen wollen.

„Handelskonflikte wie zwischen China und den USA, der nahe Brexit und sich eintrübende Konjunktur-Aussichten drängen Unternehmen zur Vorsicht. Doch steigende Löhne und weiterhin hohe Konsumfreude schwächen die Auswirkungen in Deutschland noch ab“, sagt Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland in Frankfurt.

Die Jobaussichten für Bewerber sind vor allem in großen Unternehmen weiterhin gut. 35 Prozent der Konzerne planen Einstellungen, vier Prozent wollen eher abbauen und 60 Prozent stabil halten. Bei den großen Unternehmen besteht weiterhin eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften. Der Beschäftigungs-Ausblick von +31 Prozent für das dritte Quartal 2019 bedeutet eine Zunahme um zwei Prozent im Vergleich zum zweiten Quartal. Dagegen geht der Bedarf in Branchen wie Logistik, Kommunikation, Finanzen und Dienstleistungen, Bauindustrie, Handel, Gastronomie und der verarbeitenden Industrie deutlich zurück.

Im Mittelstand und bei den kleineren Firmen sowie den Mikro-Unternehmen ist die Perspektive in Sachen Neueinstellungen gegenüber dem Vorquartal schlechter geworden. Im Mittelstand liegt der Ausblick auf die Beschäftigung bei +17 Prozent und damit einen Punkt niedriger als im Vorquartal (-> Tabelle/Grafik 1).

Spezialisten werden allerdings in allen Bereichen gesucht. Die Energie- und Wasser-Versorger gelten bei einigen digitalen Projekten wie der künstlichen Intelligenz als Vorreiter. Gute Aussichten bestehen im Bereich öffentliche Wirtschaft und Soziales. Den besten Wert bei einem Vergleich aller Regionen weist München mit ihrem robusten Arbeitsmarkt auf, gefolgt von Frankfurt. Die Berliner Wirtschaft ist zwar dank großer Bauprojekte und einer starken Digitalwirtschaft lange gewachsen, jetzt verzeichnet sie aber Rückgänge.

Das Ruhrgebiet gewinnt zwei Prozent im Vergleich zum zweiten  Quartal 2019 und steht bei +6 Prozent. Der Norden ist gleich stark mit einem Beschäftigungs-Ausblick von +6 Prozent, er verliert jedoch vier Prozent zum vorherigen Quartal. Der Süden der Republik gewinnt bei dieser Erhebung fünf Prozent, während der Osten, ebenfalls gemessen an den Vergleichswerten, bei +4 Prozent steht. Der Westen verliert sieben Prozentpunkte und fällt auf +2 Prozent.

Generell gilt: Arbeitgeber stockten ihr Personal in den vergangenen Jahren auf und halten es nun konstant auf hohem Niveau. Fachkräfte werden weiterhin gesucht und eingestellt. „Unternehmen warten die Auswirkungen der nationalen wie internationalen Entwick­lungen zunächst ab. Der verringerte Beschäftigungs-Ausblick in Deutschland bedeutet aber ­keine Entlassungen“, erklärt Scholte.

 

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