Arbeitsmarkt 2019

Stabile Aussichten

Ausgabe-Nr.: 3/2019

Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland GmbH: „Zwar verschlechtert sich das Wirtschaftsklima in Europa.“ Doch der Arbeitsmarkt ist nach seiner Beobachtung nicht betroffen.

Die Einstellungsbereitschaft der Arbeitgeber bleibt hoch. Im aktualisierten Arbeitsmarkt-Barometer der ManpowerGroup geben 10 Prozent der Unternehmen an, dass sie im zweiten Quartal dieses Jahres neue Mitarbeiter einstellen wollen. Der saisonbereinigte Netto-Beschäftigungsausblick liegt daher zwischen April und Juni dieses Jahres bei einem Plus von neun Prozent und verbesserte sich gegenüber dem ersten Quartal um ein Prozent.

„Zwar verschlechtert sich das Wirtschaftsklima in Europa, Brexit und Handels-Streitigkeiten machen den Firmen zu schaffen“, sagt Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland GmbH in Frankfurt. Doch der Arbeitsmarkt ist nach seiner Beobachtung nicht betroffen. Die Arbeitslosen-Quote ging erneut zurück. Viele Unternehmen konnten ihre ehrgeizigen Pläne zu weiteren Einstellungen in den vergangenen Quartalen nicht umsetzen.

Besonders die Logistikbranche und das verarbeitende Gewerbe planen, Personal anzuwerben. In der Baubranche ist die Spitze des Booms jedoch erreicht. Und auch in Großstädten wie München und Frankfurt am Main stoßen Wachstumspläne der Unternehmen an ihre Grenzen. Gute Aussichten bestehen für Logistiker und Kommunikations-Experten: Arbeitgeber aus der Branche Transport, Lagerung und Kommunikation wollen im zweiten Quartal 2019 verstärkt weitere Mitarbeiter einstellen. Mit einem Wert von +15 Prozent erreicht dieser Sektor den höchsten saisonbereinigten Netto-Beschäftigungsausblick aller untersuchten Branchen. Die Logistikbranche gilt als beständiger Wachstumsträger. 2018 belegte Deutschland im Ranking des „Logistic Performance Index“ der Weltbank unter 160 Staaten den ersten Platz.

„Hauptgrund für den hohen Personalbedarf der Logistiker ist die fortschreitende Digitalisierung. Dazu kommt vermehrte technische Unterstützung durch Lager- und Lieferroboter, selbstfahrende Fahrzeuge und Software, die diese Branche effizienter macht. Statt menschliche Arbeitskraft zu ersetzen, werden mehr Fachkräfte benötigt“, erklärt Scholte. Der Anteil der weltweiten Arbeitgeber, die aufgrund von Automation ihre Belegschaft halten oder sogar ausbauen wollen, ist in den vergangenen drei Jahren von 83 Prozent auf 87 Prozent gestiegen. Im Vertrieb wird mit einem Stellenzuwachs von acht Prozent gerechnet, in der IT mit 23 Prozent.

Auch das produzierende Gewerbe befindet sich im Aufwind. Die Maschinen werden digitalisiert, so dass dafür qualifizierte Fachkräfte dringend gesucht werden. Trotz des leichten Auftragsrückganges im verarbeitenden Gewerbe bleibt die Bereitschaft zu Einstellungen hoch. Das Arbeitsmarkt-Barometer zeigt für das produzierende Gewerbe mit +14 Prozent im zweiten Quartal die zweitbeste Prognose für Beschäftigung beim Vergleich aller Branchen.

Die Finanz- und Firmendienstleistung zählt, wie auch in den Quartalen zuvor, zu den Gewinnern mit einem Beschäftigungsausblick von +13 Prozent im zweiten Quartal 2019. Auch die Versorger im Bereich Strom, Gas und Wasser stehen mit +10 Prozent unverändert gut da. Die öffentliche Hand und der Bereich Soziales liegen bei moderaten +8 Prozent. Die Landwirtschaft liegt bei einem Beschäftigungs-Ausblick von +2 Prozent und gewinnt damit neun Prozentpunkte zum ersten Quartal 2019.

Zu den Verlierern im Vergleich zum Vorjahr gehören die Baubranche sowie der Groß- und Einzelhandel. Dagegen boomt der Online-Handel, der rein stationäre Einzelhandel kämpft mit Problemen. Dem Außenhandel machen hingegen Handelshemmnisse und Brexit-Strategien zu schaffen.

Spitzenreiter der deutschen Städte ist München mit einem saisonbereinigten Beschäftigungsausblick von +17 Prozent im zweiten Quartal. „Die Flächen in den Städten werden rar und die Mieten immer höher. So manche Firma verlässt München oder begräbt ihre Wachstumspläne. Daher stagniert die Personal-Nachfrage oder ist sogar rückläufig. Diese Entwicklung sehen wir in vielen Großstädten“, sagt der Manpower-Chef.

Der ehemalige Spitzenreiter Berlin musste noch größere Einbußen hinnehmen: Die Hauptstadt verlor zehn Prozentpunkte zum Vorquartal und 13 Prozentpunkte zum Vorjahr. Auch Frankfurt am Main büßte zum ersten Quartal vier Prozentpunkte und zum Vorjahr acht Prozentpunkte auf nun +8 Prozent ein.

Beim Vergleich der Firmen-Größen setzt sich ein Trend fort: Weiterhin herrscht der positivste Netto-Beschäftigungsausblick bei den Großunternehmen und Konzernen mit +29 Prozent. Der Mittelstand muss Einbußen um drei Prozentpunkte zum Vorquartal und elf Prozentpunkte zum Vorjahr hinnehmen, obwohl er mit +19 Prozent ganz gut dasteht und immerhin 24 Prozent der Firmen die Belegschaft erweitern wollen.

Kleine Firmen müssen keinen Rückgang hinnehmen. Sie stehen bei einem Beschäftigungsausblick von +14 Prozent. Das bedeutet einen leichten Zuwachs um je einen Prozentpunkt zum Vorquartal und Vorjahr. 17 Prozent der Firmen wollen einstellen, nur ein Prozent will reduzieren.

 

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