Personal-Gewinnung

Neue Ansätze

Ausgabe-Nr.: 10/2019

Faye Walshe, Global Head of Innovation bei Robert Walters: „Virtual Reality, interne soziale Netzwerke, Videobewerbungs-Gespräche, Gamification – diese Innovationen bieten zahlreiche Möglichkeiten der Arbeitgeber-Markenstärkung nicht nur im Bewerbungsgespräch, sondern auch während der Einarbeitung neuer Mitarbeiter und auch danach.“

Der Kampf um die besten Mitarbeiter erreicht durch die Digitalisierung das nächste Level: Unternehmen greifen im Bewerbungs-Dschungel immer häufiger auf innovative Recruiting-Methoden und neue Technologien zurück, um als attraktiver Arbeitgeber aus der Masse herauszustechen. Eine aktuelle Untersuchung beleuchtet den Wettbewerb um die größten Talente auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

„Virtual Reality, interne soziale Netzwerke, Videobewerbungs-Gespräche, Gamification – diese Innovationen bieten zahlreiche Möglichkeiten für die Arbeitgeber, im Bewerbungs-Gespräch die Marke zu stärken. Wichtig ist ebenfalls, das Humanitäre im Recruiting-Prozess nicht zu vernachlässigen. Viele Kandidaten fühlen sich in Anbetracht des potenziell einhergehenden Individualitäts-Verlustes durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) beim Einstellungsverfahren verunsichert. Deshalb sollten neue Technologien wohlüberlegt integriert werden, ohne den menschlichen Aspekt aus den Augen zu verlieren“, betont Faye Walshe, Global Head of Innovation bei Robert Walters PLC in London.

Die Personalberatung befragte 515 Bewerber und Unternehmen. Eine neuerdings gängige Recruiting-Methode stellen Videobewerbungs-Gespräche dar. 50 Prozent der Bewerber und 45 Prozent der Firmen geben an, diese Art des ortsunabhängigen Austauschs zu benutzen. Ein ähnliches Format verkörpert die Aufzeichnung von Bewerbungs-Gesprächen per Video.

Hierbei werden Fragen an den Bewerber weitergeleitet, die er im Rahmen einer Aufzeichnung beantworten soll. Personalverantwortliche können sich auf diese Weise ein Bild von dem Kandidaten machen, bevor er zu einem persönlichen Gespräch vorgeladen wird. Obwohl Video-Aufzeichnungen eine hohe Flexibilität bieten, beziehen bislang lediglich sechs Prozent der Unternehmen sie in den Recruiting-Prozess ein.

Neben klassischen Bewerbungs-Gesprächen setzen Personaler vermehrt auf Eignungs- und Persönlichkeits-Tests, um die Fähigkeiten der Bewerber zu beurteilen. 51 Prozent aller Kandidaten absolvierten bereits Online-Persönlichkeitstests. Eine andere Möglichkeit, Bewerber zu analysieren, sind spielerische Testformen. ‚Gamification‘ (Übernahme von Mechanismen aus Computerspielen) spiegelt die Entwicklung von Einstellungs-Verfahren wider, welche nicht mehr auf einer üblichen Kandidaten-Evaluierung beruhen. Schon 15 Prozent der Unternehmen bauen derartige Testformen in ihr Recruiting ein.

Darüber hinaus findet Virtual Reality (VR) immer häufiger Verwendung in der Personal-Gewinnung. Unternehmen entwerfen realitätsgetreue Arbeits-Simulationen, damit sich Bewerber einfacher in ihre neue Rolle hineindenken können. Rund 61 Prozent der Kandidaten äußern den Wunsch, einmal an einer simulierten Situation teilnehmen zu dürfen. Die Personalleiter erhalten durch jenes Verfahren wiederum Einblicke in die Denk- und Handlungs-Strukturen des Bewerbers.

Ein weiterer bedeutsamer Faktor bei der gegenwärtigen Rekrutierung ist der Perspektiven-Wechsel. Arbeitgeber müssen die gewünschten Bewerber-Gruppen gezielt ansprechen, deren Bedürfnisse berücksichtigen und sich als Marke adäquat positionieren. „Da sich die Erwartungen der Bewerber an den Bewerbungs-Prozess ständig verändern, müssen Unternehmen sich auch in Anbetracht einer positiv erlebten Arbeitgeber-Marke (Candidate Experience) neu erfinden und auf innovative Technologien zurückgreifen. Um die passenden Mitarbeiter zu finden, ist eine kandidatenorientiere Kommunikation wichtig“, erklärt Nick Dunnett, Managing Director Deutschland & Schweiz bei Robert Walters PLC.

Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass gerade wegen der Digitalisierung die Ansprüche von Unternehmen und Bewerbern unaufhaltsam steigen. Auch die Komplexität der Recruiting-Verfahren scheint eher zuzunehmen. Dabei soll der technologische Fortschritt den Bewerbungs-Prozess doch vereinfachen und nicht bis ins Unendliche aufdröseln. Wie so oft gilt der Leitsatz: Weniger ist mehr. Trends wie Gamification oder VR dürften sich in den meisten Personal-Angelegenheiten als optionaler Schnickschnack entpuppen.

 

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