Green Jobs

Jein zum Klimaschutz

Ausgabe-Nr.: 12/2019

Nachhaltigkeit im Beruf: Über 80 Prozent der Büroangestellten würden es begrüßen, wenn ihr Unternehmen CO2-neutrales Drucken fördert.

Im Zuge einer Umfrage fühlte die Vergleichsplattform Gehalt.de den Beschäftigten genauer auf den Zahn, welche Bedeutung Nachhaltigkeit und Umweltschutz für den eigenen Job besitzen. Ein zentrales Ergebnis: 58 Prozent aller Teilnehmer würden „vielleicht“ ihren Arbeitgeber wechseln, wenn dieser in einem hohen Ausmaß klimaschädlich agieren sollte.

„Laut unserer Umfrage neigen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dazu, den Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Berufswahl zu berücksichtigen. Allerdings sind die wenigsten Beschäftigten dazu bereit, dafür größere Gehaltseinbußen in Kauf zu nehmen – vor allem Mitarbeiter mit schwächeren Einkommen sind dazu meist nicht in der Lage“, resümiert Philip Bierbach, Geschäftsführer der Gehalt.de GmbH in Hamburg.

Insgesamt 418 Arbeitnehmer beteiligten sich an der Erhebung, die zwischen April und September 2019 erfolgte. Von diesen wollen 35 Prozent den Aspekt der Nachhaltigkeit künftig bei ihrer Berufswahl berücksichtigen. Unter den Frauen sind es 43 Prozent und unter den männlichen Beschäftigten 32 Prozent. Zudem würden immerhin 58 Prozent aller Befragten eine Kündigung in Betracht ziehen, wenn sich ihr Arbeitgeber klimaschädlich verhält. Weitere 16 Prozent meinten, dass sie „definitiv“ den Arbeitsplatz wechseln würden.

Die Kyocera Document Solutions GmbH in Meerbusch fragte Mitarbeiter in deutschen und österreichischen Büros. Demnach gibt die Mehrheit der Angestellten
ihren Arbeitgebern bei der Umsetzung von umweltfreundlichen Office-Prozessen eher mäßige Noten. 30 Prozent der Befragten bewerteten die Leistung ihres Unternehmens in diesem Bereich mit der Schulnote befriedigend oder schlechter.

Bei Gehalt.de sagen rund 23 Prozent, dass sie derzeit in einem Beruf tätig sind, in dem sie etwas für die Umwelt leisten. Weiterhin geben etwa 45 Prozent an, dass ihr Arbeitgeber zum Klima- oder Umweltschutz beiträgt. Allerdings ist dies für 73 Prozent kein ausschlaggebendes Kriterium für die Berufswahl. „Große Konzerne stehen zwar oft in der Kritik, doch sie befassen sich sehr wohl mit dem Thema Nachhaltigkeit und haben zum Teil eine ganze Abteilung, die für die sogenannte Corporate Social Responsibility zuständig ist“, merkt Bierbach an.

Des Weiteren nahm die Studie die Korrelation zwischen Nachhaltigkeit und Gehalt detaillierter unter die Lupe. Das Resultat: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ist nicht dazu bereit, einen umweltfreundlicheren Beruf für ein niedrigeres Gehalt anzunehmen. Für 21 Prozent stellt dies hingegen kein Problem dar.

Bemerkenswert: Mehr als ein Drittel (34 Prozent) würde sechs bis zehn Prozent weniger Gehalt akzeptieren. Demgegenüber halten lediglich zwei Prozent der Teilnehmer Einbußen von mehr als 30 Prozent für gerechtfertigt (-> Tabelle 1). Die Bereitschaft, ein niedrigeres Gehalt zu billigen, ist unter Frauen (33 Prozent) stärker ausgeprägt als bei den Männern (16 Prozent). Unter denen, die den Aspekt ‚Nachhaltigkeit‘ bei ihrer Berufswahl miteinbeziehen, liegt der Wert bei 31 Prozent.

Das Fazit: Inzwischen sind der Klimawandel und dessen Folgen in dem Bewusstsein der Menschen hierzulande fest verankert. Auch immer mehr Beschäftigte erwarten von ihrem Arbeitgeber ein nachhaltiges Verhalten und nehmen dafür unter Umständen sogar geringere Gehälter sowie Jobwechsel in Kauf. Allerdings handelt es sich hierbei nur um den ‚harten Kern‘. Für die meisten steht der Umweltschutz, wenn es an das Portemonnaie geht, nach wie vor hinten an.

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe