Arbeitszeitmonitor 2019

Im Schnitt drei Überstunden pro Woche

Ausgabe-Nr.: 9/2019

Compensation-Partner-Geschäftsführer Tim Böger: „Derzeit erleben wir einen Wirtschaftsboom und die Work-Life-Balance steht im Vordergrund, wodurch die Bereitschaft zu Überstunden tendenziell geringer ist.“

Eine immer wieder heikle Angelegenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist das Thema ‚Mehrarbeit‘. Insgesamt leisten 54 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland Überstunden. Zu diesem Ergebnis gelangen die Vergütungsanalysten von Compensation Partner. Für die Studie befragten die Experten 215.403 Fach- und Führungskräfte in ganz Deutschland.

„Die angespannte Situation der Finanzkrise führte im Jahr 2009 zu deutlich mehr Überstunden als heute. Derzeit erleben wir einen Wirtschaftsboom und die Work-Life-Balance steht im Vordergrund, wodurch die Bereitschaft zu Überstunden tendenziell geringer ist“, ordnet Tim Böger, Geschäftsführer der COP Compensation Partner GmbH in Hamburg, die Resultate ein. Beschäftigte in Deutschland leisteten im Krisenjahr 2009 im Schnitt 6,5 Überstunden wöchentlich. Seit 2010 sinkt die Anzahl aber kontinuierlich (-> Grafik 4).

Gegenwärtig kommen die Erwerbstätigen im Durchschnitt auf 3,03 Überstunden pro Woche. Frauen verrichten im Schnitt 2,2 und Männer 3,7 Überstunden. Fachkräfte liegen bei 2,7 und Führungskräfte bei 7,8 Stunden. Rund 51 Prozent der Fachkräfte und 83 Prozent der Führungskräfte sammeln aktuell Mehrarbeitszeit.

In ihrer gesamten Berufslaufbahn sollen Fachkräfte 9.655 Überstunden anhäufen. Ein Drittel bekommt diese jedoch nicht ausgeglichen. Sie arbeiten somit über ein Jahr (13 Monate) umsonst. Führungskräfte kommen angeblich auf 15.390 zusätzliche Arbeitsstunden im Rahmen der Karriere. Unter ihnen erhalten 74 Prozent keinen Ausgleich. Aufsummiert arbeiten sie 21 Monate ohne Bezahlung.

Laut der Auswertung liegen kaum regionale Unterschiede hinsichtlich der Anzahl der Überstunden vor. Auffällig sind die leicht erhöhten Werte in den Stadtstaaten. Demnach arbeiten Beschäftigte in Berlin und Hamburg mit durchschnittlich 3,3 Überstunden pro Woche am längsten. „Die Region hat keinen signifikanten Einfluss auf die Höhe der Überstunden. In Ballungsgebieten mit vielen Unternehmen ist die Anzahl an Beschäftigten mit hoher Auslastung höher als im ländlichen Raum“, sagt Böger.

Außerdem fand die Untersuchung heraus, dass die Überstunden parallel zur Einkommens-Klasse ansteigen. Während Fachkräfte mit einem Jahresgehalt von bis zu 20.000 Euro 1,9 Überstunden pro Woche verrichten, arbeiten solche mit über 120.000 Euro durchschnittlich 6,8 Stunden zusätzlich. Führungskräfte mit über 120.000 Euro im Jahr kommen auf über zehn Stunden wöchentlich.

Des Weiteren steht ebenso das Alter der Mitarbeiter in Relation zur Mehrarbeitszeit: Berufseinsteiger mit unter 20 Jahren leisten im Schnitt 1,7 Überstunden pro Woche. Beschäftigte im Alter zwischen 30 und 39 Jahren kommen auf 3,1 Überstunden. Nach dem 60. Lebensjahr bleiben Arbeitnehmer wöchentlich rund 3,7 Stunden länger im Büro. Demzufolge gilt: Je älter ein Mitarbeiter ist, desto mehr Arbeitszeit verbucht dieser.

 

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