Arbeitsmarkt

Stabilität trotz unruhiger Zeiten

Ausgabe-Nr.: 11/2019

Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland: „Viele Arbeitgeber agieren zurzeit vorsichtiger und halten ihre Belegschaft stabil. Das bedeutet weniger Entlassungen, aber Zurückhaltung bei Einstellungen.“

Die hiesige Arbeitswelt trotzt weitgehend negativen internationalen Entwicklungen, wie beispielsweise den Handelskonflikten zwischen den USA und Europa. Dennoch zeigen deutsche Arbeitgeber nach wie vor Zurückhaltung, wenn es um die Einstellung neuer Mitarbeiter geht. Der Netto-Beschäftigungsausblick* für das vierte Quartal 2019 ist mit plus sechs Prozent allerdings stabil. Dies sind die Ergebnisse des aktuellen ManpowerGroup Arbeitsmarkt-Barometers.

„Im zweiten Quartal ist die Wirtschaft in Deutschland leicht geschrumpft und internationale Handelskonflikte belasten die Konjunktur. Dies zeigt sich auch in den zurückhaltenden Beschäftigungsabsichten der deutschen Unternehmen. Viele Arbeitgeber agieren zurzeit vorsichtiger und halten ihre Belegschaft stabil. Das bedeutet weniger Entlassungen, aber Zurückhaltung bei Einstellungen“, sagt Frits Scholte, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland GmbH & Co. KG in Frankfurt.

Im vierten Quartal 2019 beabsichtigen elf Prozent der Unternehmen, weitere Mitarbeiter einzustellen. Vor einem Jahr waren es noch 14 Prozent. 85 Prozent der Arbeitgeber erwarten von Oktober bis Dezember hingegen keinerlei Veränderungen bei der Belegschaft (2018: 82 Prozent). Einen Personalabbau streben nur drei Prozent an (2018: drei Prozent) (-> Tabelle 1). Insgesamt zeichnet sich der deutsche Arbeitsmarkt also durch stabile Verhältnisse aus.

Immerhin 29 Prozent der Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitern planen Einstellungen und 68 Prozent wollen auf ihrem derzeitigen Niveau verharren. Der Beschäftigungsausblick von +21 Prozent für das vierte Quartal 2019 bedeutet aber ein dickes Minus von 20 Prozentpunkten im Vergleich zum vierten Quartal des Vorjahres. Es ist der schwächste Ausblick seit mehr als zwei Jahren. Kleine Betriebe mit unter 50 Mitarbeitern (plus zehn Prozent) und mittelgroße Unternehmen (+18 Prozent) weisen dagegen beständigere Beschäftigungs-Aussichten auf. Im Jahresvergleich verlieren sie nur zwei beziehungsweise sieben Prozentpunkte (-> Grafik 1).

Ein Blick in die verschiedenen Branchen: Den schwächsten Arbeitsmarkt prognostiziert die Logistik- und Kommunikationsbranche mit einem Minus von einem Prozent. Hierbei handelt es sich um einen deutlichen Rückgang gegenüber dem Vorjahr, als die Branche mit plus elf Prozent positiv ins letzte Quartal blickte. „Wenn die Aufträge weniger werden, sparen viele Firmen zuerst bei den Dienstleistern und Zulieferern. Das spiegelt sich in der Branchenentwicklung. Vor allem Logistiker und Kommunikations-Firmen suchen im vierten Quartal dieses Jahres weniger Mitarbeiter als alle anderen Branchen“, erklärt Scholte.

Nach optimistischen Beschäftigungs-Aussichten in den vergangenen vier Quartalen sind die Versorger im Bereich Gas, Wasser und Strom aktuell pessimistischer. Sie sagen einen Ausblick von plus zwei Prozent voraus. Nur fünf Prozent der Unternehmen aus diesem Segment planen, neue Mitarbeiter einzustellen. Daraus ergibt sich ein Minus von neun Prozentpunkten gegenüber dem Vorquartal. Das ist der stärkste Abfall aller untersuchten Branchen im Vergleich zum Barometer für das dritte Quartal 2019.

Darüber hinaus muss die verarbeitende Industrie mit einem Ausblick von plus sieben Prozent ebenfalls Einbußen hinnehmen (ein Prozentpunkt Verlust im Vergleich zum selben Zeitraum 2018). Lediglich acht Prozent der Firmen möchten einstellen, im Vorquartal waren es noch zehn Prozent. „Der exportabhängigen deutschen Industrie macht die schwache Weltkonjunktur besonders zu schaffen. Zuletzt ist die Produktion so weit zurückgegangen wie seit einer Dekade nicht mehr. Die Autoindustrie sieht schwere Zeiten auf sich zukommen: Absatzeinbrüche weltweit zwingen Hersteller zum Sparen und treffen auch ihre Zulieferer. Personaleinsparungen und Kurzarbeit sind die Folge. Die Androhungen von Auto-Zöllen seitens der USA vergrößern die Unsicherheiten“, beleuchtet Scholte die Gründe für die negative Entwicklung.

Handel und Gastronomie sind mit einem Wert von plus einem Prozent relativ stabil (Verlust von vier Prozentpunkten gegenüber 2018). Lediglich sechs Prozent der Unternehmen wollen zwischen Oktober und Dezember einstellen. Die Finanzbranche hat gleichermaßen nüchterne Erwartungen an das vierte Quartal: Sie steht unverändert bei einem Beschäftigungsausblick von plus sieben Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von sechs Prozentpunkten.

Den besten Wert aller Branchen im vierten Quartal 2019 haben öffentliche und soziale Einrichtungen: Mit einem Netto-Beschäftigungsausblick von plus zwölf Prozent erreichen sie den stärksten Wert der vergangenen acht Jahre. Dies ist der einzige Sektor, der weder im Vergleich zum Vorquartal noch zum Vorjahr verliert. Eine Erklärung hierfür ist schnell gefunden: Denn Fachkräfte werden im Gesundheitswesen und in der Pflege händeringend gesucht. Auch Erzieher für den Kita-Ausbau sind gefragt.

Der Arbeitsmarkt nach Regionen: Der Süden Deutschlands weist den stärksten Wert aller Regionen auf. Dort liegt der Beschäftigungsausblick bei plus zwölf Prozent (vier Prozentpunkte höher als 2018). Der Norden steht demgegenüber bei einer Beschäftigungsprognose von plus einem Prozent. Das macht ihn zur schwächsten  Region des Arbeitsmarkt-Barometers. Nur vier Prozent der norddeutschen Firmen gedenken, ihre Belegschaft zu vergrößern. Der Osten gewinnt gemessen an den beiden Vergleichswerten und steht bei plus sieben Prozent. Der Westen legt mit plus neun Prozent sogar noch etwas stärker zu.

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*Der Netto-Beschäftigungsausblick ergibt sich, indem der Prozentsatz der Arbeitgeber, die im kommenden Quartal Personalabbau planen, von dem der Arbeitgeber, die mit Stellenzuwächsen rechnen, abgezogen wird. Das Ergebnis dieser Berechnung ist der Netto-Beschäftigungsausblick.

 

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