Xerox/HP Inc.

Riskante Spiele

Ausgabe-Nr.: 39/2019

Ob der David den Goliath schlucken wird, ist zumindest beim Erscheinen dieser Ausgabe ungewiss. Für Xerox, die vor kurzem erst selbst ein Opfer der Begierde des japanischen Fuji-Konzerns geworden sind, könnte die geplante Aktion auch in einem Desaster enden. Denn die Erträge im HP-Druckergeschäft schmelzen dahin und könnten zur Bedienung der immensen Verschuldung von Xerox, die mit einer Übernahme verbunden ist, nicht ausreichen.

„Wenn dieser Deal tatsächlich zustande kommt, stürze ich mich aus dem Fenster”, kommentiert ein Xerox-Vertragspartner die Nachricht des Wall Street Journals, das sich in der letzten Woche auf informierte Kreise berief und über ein Kaufangebot von Xerox an HP berichtete (-> INFO-MARKT Nr. 38/2019). Die Befürchtungen des deutschen Xerox-Konzessionärs basieren auf der Vorstellung, dass in so einem Fall womöglich die Fusion der beiden Unternehmen unter der Federführung der deutschen Xerox-Geschäftsführung abgewickelt werden könnte.

Das könnte in der Tat in einem Super-GAU enden. Denn dieser Anbieter, der vor etlichen Jahren ankündigte, den Umsatz in Deutschland auf 500 Millionen Euro hochzuschrauben, lieferte dank eines fortgesetzten Missmanagements einen Flop nach dem anderen ab und ist inzwischen hierzulande fast in der Bedeutungslosigkeit versunken. Das letzte Desaster, das in unserer Publikation für negative Schlagzeilen sorgte, war die Personalie N. Poepsel-Wunderlich (-> INFO-MARKT Nr. 37/2019). Bedenklich auch, dass nur die wenigsten Zusammenschlüsse wirklich zu dem gewünschten Erfolg führten und die vorausgesagten Ergebnisse realisierten.

Bei einer Xerox-HP-Fusion werden aus verschiedenen US-Quellen folgende Information geliefert: Der Kaufpreis müsste deutlich über dem aktuellen Marktwert von 27 Milliarden Dollar liegen. Xerox bietet 22 Dollar pro HP-Aktie, so dass die Übernahme etwa 32 Milliarden Dollar verschlingen würde. Für Xerox mit einer Bewertung von 8 Milliarden Dollar und einem Umsatz von knapp 10 Milliarden Dollar ist das nicht zu stemmen. Daher soll die Finanzierung durch die Zusage einer Bank gesichert sein. Die Verschuldung von Xerox würde sich auf mindestens 20 Milliarden Dollar belaufen.

Es sollen sich durch den Zusammenschluss Synergieeffekte ergeben, deren Einsparungen voraussichtlich rund 2 Milliarden Dollar betragen. Beide Firmen kündigten bereits Umstrukturierungen mit einem Stellenabbau von rund 9.000 Stellen an (Kostensenkung bei HP jährlich: eine Milliarde Dollar). Xerox will noch in diesem Jahr die Ausgaben um 640 Millionen Dollar drücken.

Ob die Rechnung aufgeht, steht in den Sternen. Denn im konsumorientierten Drucker-Geschäft steht HP mit dem Rücken zur Wand. Die Verbraucher sind mittlerweile so aufgeweckt, dass sie sich bei den Tintenpatronen über das Internet mit No-Name-Ware eindecken. Und im gewerblichen Bereich wird das Geld mit Service-Leistungen verdient und dort findet die Wertschöpfung zu einem immer größeren Teil in den indirekten Vertriebskanälen statt.

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