Microsoft/Liqui Moly

„Verhageltes Jahresergebnis“

Ausgabe-Nr.: 5/2020

Software-geschädigte Liqui-Moly-Führungsriege: Der Spezialist für Mittel gegen Motorschäden blieb im letzten Jahr mit einem riesigen Software-Schaden fast auf der Strecke.

In der Berichterstattung in der letzten Woche veröffentlichten wir über den amerikanischen Software-Giganten, der mit einer Produkt-Ankündigung seine Anwender an der Nase herumführt („Täuschungs-Manöver“). Im vergangenen Jahr beschäftigten wir uns mit einer von Microsoft zu verantwortenden Investitions-Ruine bei dem Öl- und Additivspezialist Liqui Moly. Erfreulich daher, dass dieser Microsoft-Kunde trotzdem das abgelaufene Jahr mit einem guten Ergebnis abschließen konnte.

„Die Software-Umstellung verhagelt uns das Jahresergebnis. Trotz erheblicher Schwierigkeiten bleiben wir auf Wachstumskurs und schlossen 2019 mit einem Rekord-Umsatz von 569 Millionen Euro und einem Plus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr ab“, verkündete Öl- und Additivspezialist Liqui Moly GmbH in einer PR-Meldung im letzten Monat. „Das zeigt, dass wir auch unter widrigen Bedingungen erfolgreich sein können“, sagt Geschäftsführer Ernst Prost mit Blick auf die Software-Probleme vor einem Jahr.

Der Spezialist aus Ulm, der ein „neues Additiv gegen Motorschäden entwickelte“, blieb im letzten Jahr mit einem riesigen Software-Schaden fast auf der Strecke. Er wollte vor einem Jahr seine Software-Anwendungen mit Microsoft modernisieren und damit die Abläufe vereinfachen und Kosten einsparen*.

Der Anwender erlebte ein Desaster und fand sich unversehens auf einer Dauerbaustelle wieder (-> INFO-MARKT Nr. 27/2019). Liqui Moly wollte mit der neuen Software die Steuerung von Einkauf, Produktion und Verkauf optimieren. „Trotz der Unterstützung durch renommierte Software-Häuser gelingt es uns noch immer nicht, auf dem Level zu produzieren und zu liefern, das wir und unsere Kunden von uns erwarten“, ärgerte sich der Liqui-Moly-Chef.

Die Folge waren massive Lieferschwierigkeiten. „Unsere Kunden waren zu Recht entsetzt, so etwas kannten sie von uns einfach nicht“, berichtet Geschäftsführer Prost. Der verkorkste Software-Wechsel verhagelte kräftig die Zahlen für die ersten Monate. Doch Schritt für Schritt konnten die Probleme behoben werden, so dass es gelang, zumindest ein Stück des verlorenen Terrains zurückzugewinnen. Der mühsame Start in das vergangene Jahr hinterließ jedoch deutliche Spuren beim Ertrag. Fehlende Umsätze sowie Zusatzkosten zur Behebung der Software-Probleme drückten ihn unter den Wert von 2018, aber die Umsatzrendite ist nach wie vor zweistellig.

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* Nach der letzten ERP-Marktstudie des Aachener Marktanalysten und Spezialisten für die Auswahl von Business Software Trovarit sind die eingesetzten ERP-Lösungen in Deutschland überaltert. Die untersuchten Systeme waren 2016 durchschnittlich seit 10,2 Jahren (2014: 8,9 Jahre) im Betrieb. Einige Installationen hatten darüber hinaus mehr als 30 Jahre auf dem Buckel.

 

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