Marktbericht ITK

Stabiles Wachstum

Ausgabe-Nr.: 2/2020

Die Digitalbranche ist weiter im Aufschwung und wird auch 2020 ihre Umsätze steigern. Der deutsche Markt für IT, Telekommunikation und Unterhaltungs-Elektronik soll in diesem Jahr um 1,5 Prozent auf 172,2 Milliarden Euro wachsen. Zudem werden deutsche Unternehmen bis zum Jahresende voraussichtlich 39.000 zusätzliche Jobs schaffen. Damit wären erstmals mehr als 1,2 Millionen Menschen in der Branche beschäftigt.

Diese Zahlen teilte der Digitalverband Bitkom e. V. in Berlin vergangene Woche auf seiner Jahres-Pressekonferenz mit. „Aktuelle Debatten um Künstliche Intelligenz, 5G-Netze und digitale Souveränität zeigen, welche enorme Bedeutung die digitale Wirtschaft in Deutschland hat. Das stabile Wachstum der Bitkom-Branche ist Ausdruck der zunehmenden Digitalisierung von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Das gilt auch und gerade für das wirtschaftlich allgemein sehr schwierige Jahr 2019, das von Handelskonflikten, konjunktureller Eintrübung und Brexit-Streit geprägt war“, skizziert Bitkom-Präsident Achim Berg die derzeitige Lage.

Die Umsätze im ITK-Markt stiegen 2019 um zwei Prozent auf 169,6 Milliarden Euro gegenüber 2018 mit 166,3 Milliarden Euro (-> Grafik 1). Zu Jahresbeginn sagte der Verband lediglich ein Wachstum von 1,5 Prozent voraus. Die Informationstechnik gewinnt als größtes Segment der Branche weiter an Bedeutung. Die Umsätze sollen in diesem Bereich 2020 um 2,7 Prozent auf 95,4 Milliarden Euro zunehmen (2019: 92,9 Milliarden Euro).

Am stärksten wächst das Segment Software mit einem Plus von 6,4 Prozent auf 27,6 Milliarden Euro. Der Markt für IT-Dienstleistungen, darunter Projektgeschäft und IT-Beratung, legt ebenfalls überdurchschnittlich um 2,4 Prozent auf 41,9 Milliarden Euro zu. „Unternehmen verändern ihre Organisations-Struktur und entwickeln Digitalstrategien, was die Nachfrage nach IT-Beratung und Software-Anwendungen stimuliert“, lautet die Erklärung aus Berlin. Das Geschäft mit IT-Hardware entwickelt sich dagegen leicht rückläufig. Die Umsätze sollen um 0,4 Prozent auf 25,9 Milliarden Euro sinken (-> Grafik 2).

Die Telekommunikation setzt mit aller Wahrscheinlichkeit das Wachstum der letzten beiden Jahre fort. 2020 soll der Markt um 0,9 Prozent auf 68,8 Milliarden Euro zulegen (2019: 68,1 Milliarden Euro). Mit Telekommunikations-Diensten werden nach Bitkom-Berechnungen 48,8 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht einem moderaten Plus von 0,4 Prozent. Das Geschäft mit Endgeräten wächst um 2,5 Prozent auf 12,8 Milliarden Euro. Die Investitionen in die Infrastruktur erhöhen sich um zwei Prozent auf 7,2 Milliarden Euro (-> Grafik 3).

Die Unterhaltungs-Elektronik befindet sich im Gegensatz zu den anderen beiden Märkten weiter auf Talfahrt. Laut Bitkom-Prognose fallen die Umsätze 2020 zum dritten Mal in Folge kräftig. Der kleinste ITK-Teilmarkt schrumpft dieses Jahr voraussichtlich um sieben Prozent auf acht Milliarden Euro (2019: minus 7,7 Prozent und 2018: minus 6,6 Prozent).

Zum Arbeitsmarkt: 2019 entstanden in der Bitkom-Branche 42.000 zusätzliche Jobs. Damit wurden seit 2016 rund 200.000 Arbeitsplätze geschaffen. Auch in 2020 sollen 39.000 neue Stellen entstehen. Demnach würden erstmals über 1,2 Millionen Menschen im ITK-Markt ihr Geld verdienen (-> Grafik 4). Die positive Job-Bilanz wird allein durch den Mangel an IT-Spezialisten getrübt, der sich immer weiter zuspitzt. Nach einer Bitkom-Studie waren Ende vergangenen Jahres 124.000 Jobs für IT-Experten unbesetzt (-> INFO-MARKT-Ausgabe Nr. 42/2019). Das ist ein Anstieg um 51 Prozent im Vergleich zu 2018 mit 82.000 offenen Stellen.

Neben der Verkündung aktueller Marktdaten stellte der Verband im Rahmen seiner Veranstaltung auch die ‚Digitalstrategie 2025‘ vor. Denn Deutschland verliert gerade den Anschluss an die internationalen Vorreiter wie Dänemark, Singapur, China oder die USA (-> Artikel auf Seite 8). Bei der Strategie handelt es sich um eine kritische Bestandsaufnahme des Status quo. Sie schlägt konkrete Maßnahmen vor, wie Deutschland seine Digitalisierungs-Fähigkeit auf ein besseres Niveau heben kann.

Dazu gehören vier zentrale Handlungsfelder: Der Bund braucht erstens mehr Bildungskompetenz, muss zweitens erstklassige digitale Infrastrukturen für das Smart Country schaffen (etwa Glasfaser-basierte und mobile Datennetze, intelligente Verkehrs- sowie Energienetze und leistungsfähige digitale Netze in smarten Städten), ist drittens als Leitanwender digitaler Technologien gefordert und muss viertens einen ganzheitlichen Ansatz in der Datenpolitik erdenken.

 

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