HP Inc./Xerox

Gescheiterter Deal

Ausgabe-Nr.: 40/2019

John Visentin, Vice Chairman und CEO von Xerox: „Eine verbesserte Kapital-Allokation, Umsatzwachstum, Diversifikation, Bilanzstärke und erstklassiges Humankapital ergeben sich aus der Kombination unserer beiden branchenführenden Unternehmen.“

Das ‚HP Board of Directors‘ lässt verlauten, dass es den Antrag der Xerox Holdings Corporation zur Übernahme des Unternehmens einstimmig ablehnt. Der Hersteller begründet diese Entscheidung damit, dass das Xerox-Angebot nicht dem Wert von HP entsprach und zudem nicht im besten Interesse der HP-Aktionäre war. Außerdem berücksichtigte die Unternehmens-Führung bei ihrer Entscheidung die „äußerst unsichere Natur des Vorschlags, einschließlich der möglichen Auswirkungen übergroßer Schulden auf die Aktien des kombinierten Unternehmens“.

„Wir stellen fest, dass der Umsatz von Xerox seit Juni 2018 von 10,2 Milliarden US-Dollar auf 9,2 Milliarden US-Dollar (nach zwölf Monaten) gesunken ist. Dies wirft für uns erhebliche Fragen zur Entwicklung Ihres Geschäfts und zu den künftigen Aussichten auf. Darüber hinaus halten wir es für entscheidend, die erzielbaren Synergien aus einer möglichen Kombination einer strengen Analyse zu unterziehen“, heißt es in einem HP-Schreiben vom 17. November 2019 an John Visentin, Vice Chairman und CEO von Xerox (Anrede: „Dear John”).

Zuvor erhielt das HP-Management ein Schreiben von Visentin (Anrede: „Ladies and Gentleman“) mit folgender Argumentation: „Die erheblichen Synergien, die infolge einer Transaktion entstehen, sind nur der Anfang der einzigartigen Wertschöpfungs-Möglichkeit, die Sie und wir gemeinsam identifiziert haben. Eine verbesserte Kapital-Allokation, Umsatzwachstum, Diversifikation, Bilanzstärke und erstklassiges Humankapital ergeben sich aus der Kombination unserer beiden branchenführenden Unternehmen“, möchte Visentin dem Gegenüber die Akquisition schmackhaft machen.

Seine Vision: Ein Zusammenschluss der Produkt-Portfolios und globalen Reichweiten würde es ermöglichen, in den Segmenten Production, Large Enterprise und SMB effektiv zu konkurrieren und gleichzeitig differenzierte Managed Services zu offerieren. Weiterhin könne das neue Unternehmen eine Führungsrolle in wichtigen Wachstums-Märkten einnehmen, darunter 3D-Druck, digitale Verpackungen sowie Etiketten, Graphics, Textildruck, Workflow-Software und IoT-fähige Dienste.

Im Rahmen des Übernahme-Angebots unterbreitete Visentin den Vorschlag, HP-Aktionären 22 US-Dollar pro Aktie anzubieten, so dass ein gesamter Transaktions-Wert von rund 33,5 Milliarden US-Dollar entsteht. Die HP Inc. generiert einen Umsatz in Höhe von 58,5 Milliarden US-Dollar (2018), Xerox gerade mal schlappe 9,2 Milliarden US-Dollar. – Da waren die Augen wohl größer als der Magen.

 

Weitere Artikel dieser Ausgabe