Blockchain/Projekte

Beflügelung für neue Business-Modelle

Ausgabe-Nr.: 01/2020

Bret Taylor, President und Chief Operating Officer bei Salesforce: „Wir rüsten Unternehmen für die Zukunft, indem wir bahnbrechende Technologien zugänglich und benutzerfreundlich machen. Heute realisieren wir genau das mit Salesforce Blockchain.“

Immer mehr Hersteller integrieren die neue Technologie in ihre Geschäftsmodelle. Branchen-Größen wie die Telekom, IBM, Salesforce, Samsung, SAP oder Microsoft setzen unter anderem auf die Blockchain. Trotz der vielfältigen Anwendungs-Möglichkeiten verhalten sich die meisten Unternehmen noch zurückhaltend. Die Gründe: fehlende Anwendungen, ein Mangel an Experten sowie rechtliche Unsicherheiten. Laut den Analysten von Gartner wird die Technologie bis 2023 weltweite Waren-Bewegungen und Dienstleistungen von zwei Billionen US-Dollar jährlich überwachen und verfolgen.

Bei Blockchain geht es darum, dass Daten-Transaktionen nicht zentral auf einem Server gespeichert werden, sondern dezentral in einem Netzwerk von Rechnern. Dabei ist sichergestellt, dass hinterlegte Daten nicht verändert werden können und somit keinen Angriffspunkt für Cyberkriminelle bieten.

Wir knüpfen an unsere Berichterstattung zum Thema ‚Blockchain‘ an (-> INFO-MARKT-Ausgabe Nr. 43/2018) und stellen einige neue Pilot-Projekte sowie Produkte vor. Nach einer Studie des Bitkom-Verbandes findet die Blockchain am häufigsten in den Unternehmens-Bereichen Buchhaltung/Finanzen/Controlling (56 Prozent) und Logistik/Lager (34 Prozent) ihren Einsatz. Jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) setzt diese Technologie in Marketing und Vertrieb ein. Dahinter liegen die Abteilungen Einkauf (19 Prozent), Produktion (18 Prozent) sowie Personal (17 Prozent) (-> Grafik 1).

Salesforce: Das Unternehmen kündigte für 2020 eine Low-Code-Blockchain-Plattform für das Customer Relationship Management an, mit deren Hilfe eine schnelle und einfache Möglichkeit zum Aufbau vertrauenswürdiger Partner-Netzwerke geschaffen werden soll. Über diese Lösung können Unternehmen geprüfte, verteilte Datensätze in einem vertrauenswürdigen Netzwerk von Partnern und Dritten gemeinsam nutzen.

„Wir rüsten Unternehmen für die Zukunft, indem wir bahnbrechende Technologien zugänglich und benutzerfreundlich machen. Heute realisieren wir genau das mit Salesforce Blockchain. Fortan können Firmen durch vertrauenswürdige Partner-Netzwerke neue Ökosysteme und Vernetzungs-Ebenen schaffen“, sagt Bret Taylor, President und Chief Operating Officer bei Salesforce Inc. in San Francisco.

SAP: Der Anbieter befasst sich ebenfalls mit dem Verfahren und sieht speziell in Verbindung mit dem ‚Internet of Things (IoT)‘ eine große Bandbreite an Einsatzmethoden. Zum Beispiel lassen sich mit der Blockchain-Technologie durch IoT übermittelte Verbrauchsdaten von einzelnen Elektro-Autos und Ladestationen in der Abrechnungs-Lösung ‚SAP Subscription Billing‘ erfassen.

„SAP Subscription Billing könnte die Blockchain konstant auf Echtzeitdaten zur tatsächlichen Nutzung von Parkraum überwachen. Die Lösung nimmt die Daten aus der Blockchain und fügt sie in die Park- oder Energie-Rechnung für die Autobesitzer ein, die dann zwecks Abrechnung und Fakturierung an die Garagen-Betreiber und Versorgungs-Unternehmen weitergeleitet wird. Die Fahrer könnten auf ihren mobilen Geräten nahezu in Echtzeit ihre Parkkosten und ihren Energieverbrauch einsehen und so ganz einfach die Kosten im Blick behalten“, erläutert Dr. Oliver Gass, Produktmanager für SAP S/4Hana Cloud Integration bei der SAP Deutschland SE & Co. KG, eine exemplarische Anwendung.

Die Blockchain-Plattform von IBM versetzt Kunden in die Lage, Netzwerke jeder Größenordnung für komplexe Einsatzzwecke aufzubauen, unter anderem für grenzüberschreitende Zahlungen, für Lieferketten und die digitale Identifikation.

T-Systems: Die Telekom-Tochter bietet ihren Geschäftskunden ab 2020 ein ‚German Blockchain Ecosystem‘ (GBE) an (-> INFO-MARKT-Ausgabe Nr. 41/2019). Der Digitaldienstleister ist das erste europäische Unternehmen mit einem Blockchain-as-a-Service-Marktplatz. Dieser erlaubt es Kunden, unterschiedliche Anwendungen mit Blockchain abzubilden. Das erste Produkt auf dem Marktplatz ist die Lösung ‚Validation-as-a-Service‘. Sie prüft und verarbeitet über eine Blockchain-Infrastruktur Unternehmens-übergreifende Prozesse angeblich zuverlässig und sicher.

Microsoft: Auch der Software-Hersteller beteiligt sich an dem neuartigen Verfahren in Form des ‚Azure Blockchain Services‘. Jener vereinfacht die Entwicklung, Verwaltung und Governance von Konsortium-Blockchain-Netzwerken. Dafür stellen die Amerikaner ein vollständig verwaltetes Netzwerk bereit. Durch eine integrierte Governance für gemeinsame Management-Aufgaben, wie das Hinzufügen neuer Mitglieder, das Setzen von Berechtigungen und die Authentifizierung von Benutzer-Anwendungen, können sich Kunden auf die Workflow-Logik und die App-Entwicklung konzentrieren.

Samsung: Die Koreaner offerieren eine Vielzahl von Blockchain-basierten Diensten, wie etwa Portemonnaies für Krypto-Währungen oder dezentralisierte Apps (DApps). Darunter befinden sich das ‚Samsung Blockchain Plattform Software Development Kit (SDK)‘ und die ‚Blockchain Wallet App‘. Unter Zuhilfenahme der Letzteren können Nutzer Transaktionen mit Krypto-Währungen durchführen und auf DApps zugreifen.

Diese Anwendung wird durch den ‚Samsung Blockchain Key­store‘ ermöglicht. Das Tool soll ähnlich wie eine Offline Wallet-App funktionieren, auf die Dritte nur sehr schwer zugreifen können. Vertrauliche Informationen werden in einem sicheren Bereich gespeichert, der durch eine Reihe von verschiedenen Software- und Hardware-Funktionen, wie ‚Samsung Knox‘ und eine ‚Trusted Execution Environment (TEE)‘, geschützt wird. Zusätzlich gibt der Hersteller aus Korea DApp-Entwicklern durch ein SDK die Gelegenheit, den Keystore in eigene DApps zu integrieren.

IBM: Das Unternehmen bezeichnet sich als „der führende Anbieter von Open-Source-Blockchain-Lösungen für den Einsatz in Unternehmen“. Seit 2016 arbeiten die Amerikaner mit Hunderten von Kunden aus den Bereichen Finanzdienstleistung, Supply Chain, Behörden, Einzelhandel, digitales Rechtemanagement und dem Gesundheitswesen zusammen. Die Cloud-basierte IBM Blockchain Platform bietet Kunden umfassende Funktionen, um ihre eigenen Unternehmens-Netzwerke zu nutzen.

IBM ist schon früh Hyperledger beigetreten, einer Open-Source-Initiative mit dem gemeinsamen Ziel, branchenübergreifend Blockchain-Technologien voranzutreiben. „Die großen Fortschritte, die wir bei dem Thema Blockchain erreicht haben, zeigen, dass diese Technologie die Entstehung neuer Geschäftsmodelle beflügelt und eine wichtige Rolle dabei spielen kann, wie die Welt beim Aufbau smarterer Geschäftsbeziehungen zukünftig zusammenarbeiten wird“, sagt Bridget van Kralingen, Senior Vice President Global Industries, Clients, Platforms & Blockchain bei der IBM Corporation in Armonk (New York).

lab10 collective: Eine weitere Facette, wie von der neuen Technologie Gebrauch gemacht werden kann, demonstriert der Grazer IT-Anbieter lab10 collective eG. Dieser bietet Unternehmen und Konsumenten, die nachhaltig und CO2-neutral wirtschaften möchten, die Blockchain-Plattform ‚Artis‘ an. Sie soll dem „Klimawandel aktiv entgegenwirken und nachhaltige Investments ermöglichen“ (-> Kasten auf Seite 6).

Kyocera testete ein Blockchain-gesteuertes Kraftwerk. Dieses Virtual Power Plant (VPP) soll die Peer-to-Peer-Netzwerktechnologie mit den erneuerbaren Energieprodukten für eine verbesserte Energieverteilung kombinieren.

U-Bahn-Anbieter aus Shenzhen: Ein anderes interessantes Anwendungsfeld stellt die Rechnungs-Bearbeitung dar. Ein U-Bahn-Anbieter installierte in der chinesischen Stadt Shenzhen jüngst ein Blockchain-E-Invoicing-System. Nutzer können am Ende einer Fahrt automatisch Rechnungen über ‚WeChat‘ empfangen. Dies soll zu jährlichen Einsparungen von 400.000 Chinesischen Yuan (rund 50.000 Euro) führen. Neben Kosteneinsparungen kommt der Blockchain in Verbindung mit der elektronischen Rechnungsstellung auch eine Authentifizierungs-Funktion zu. Dabei stehen die Rückverfolgbarkeit der Rechnungsquelle und die Echtheit der Dokumente im Fokus.

Kyocera: Darüber hinaus testete dieser japanische Hersteller im letzten Jahr ein Blockchain-gesteuertes Kraftwerk. Dieses Virtual Power Plant (VPP) soll die Peer-to-Peer-Netzwerktechnologie* mit den erneuerbaren Energieprodukten für eine verbesserte Energieverteilung kombinieren. Im Rahmen des Tests wurde ein kleines VPP mit Photovoltaik-Solarmodulen und -Batterien installiert. Die Energie wird durch die dezentrale Technologie kontrolliert, um den Energiefluss zu protokollieren und zu steuern. Die Blockchain überprüft die Transaktionen und zeichnet sie auf. Auf diese Weise können Verbraucher die Energie, die sie mit ihren eigenen Solarmodulen erzeugen, über ein Mikronetz teilen. Gleichzeitig wird das größere Energienetz geringer belastet.

 

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