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KI-Einsatz im MFP-Markt – Teil 1

KI definiert das Geschäft neu

Dr. Alfried Große, Herausgeber INFO-MARKT GmbH
Dr. Alfried Große, Herausgeber INFO-MARKT GmbH
Unsere Meinung zu ... Der Drucker- und MFP-Markt erlebt derzeit das, was viele lange nur als Wetterleuchten am Horizont abgetan haben: Die normative Kraft der KI ist angekommen – nicht als wohlfeile PR-Floskel, sondern als handfeste Systemveränderung. Was die Hersteller heute in ihre Plattformen integrieren, ist nichts weniger als der Versuch, den MFP vom Ausgabegerät zum autonomen Workflow-Manager zu transformieren. Während die Hersteller bei der KI-Integration fast unisono auf dem Gaspedal stehen, muss sich der Fachhandel entscheiden: Will er künftig im Maschinenraum dieser Entwicklung stehen oder die Entwicklung als Zaungast begleiten?
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Die großen Anbieter haben ihre strategischen Linien klar gezogen. HP denkt den Drucker als „kontextbewussten Partner“ in einem vernetzten Ökosystem, Xerox setzt mit seiner „AI-First Reinvention“ auf autonome Systeme, Ricoh verankert KI tief in seinen Digital Services, Canon macht den MFP zur Analyse- und Sicherheitsinstanz im Netzwerk, Konica Minolta baut den intelligent vernetzten Arbeitsplatz und Kyocera treibt die Evolution hin zu cloudbasierten, KI-gestützten Systemen voran. Was hier sichtbar wird, ist ein Paradigmenwechsel: Der MFP wird zur Datenmaschine, KI zum Betriebssystem der Dokumentenprozesse.

Für den Fachhandel bedeutet das eine Zäsur. Der klassische Hardwarevertrieb, ohnehin in einem ruinösen Preiskampf gefangen, verliert weiter an Substanz. Bilanziell auf Rosen gebettet ist hier längst niemand mehr. Gleichzeitig eröffnet KI die Chance, genau diesen Margendruck zu durchbrechen. Denn plötzlich geht es nicht mehr um Seitenpreise und Ausgabegeschwindigkeit, sondern um automatisierte Rechnungsverarbeitung, intelligente Dokumentenklassifizierung oder vollständig digitalisierte Workflows. Der Händler verkauft nicht mehr Technik, sondern Produktivität – und erschließt damit Budgets, die bislang außerhalb seines Einflussbereichs lagen, etwa in Buchhaltung, HR oder Logistik. Während Hardwaremargen oft im einstelligen Bereich verharren, locken im Software- und Servicegeschäft Margen von 60 bis 80 Prozent. Wer diesen Hebel nicht nutzt, lässt sich die Butter vom Brot nehmen.

Auch im Servicegeschäft verschiebt sich das Kräfteverhältnis dramatisch. KI verwandelt das reaktive Break-Fix-Modell in ein proaktives Steuerungssystem. Predictive Maintenance erkennt Probleme, bevor sie entstehen, Remote-Services reduzieren Vor-Ort-Einsätze, und automatisierte Logistikprozesse sorgen für punktgenaue Versorgung mit Verbrauchsmaterialien. Das klingt nach Effizienzgewinn – ist es auch. Gleichzeitig schrumpft jedoch das klassische Servicevolumen. Die Revolution frisst ihre Kinder nicht, sie rationalisiert sie.

Noch gravierender ist der Wandel im Rollenverständnis des Handels. Der Verkäufer von gestern, der sich im Feature-Selling erschöpfte, hat im KI-Zeitalter ausgedient. Gefragt ist der Berater, der Geschäftsprozesse analysiert, Automatisierungspotenziale erkennt und daraus belastbare Business Cases entwickelt. Techniker mutieren zu Daten- und Cloud-Spezialisten, die nicht nur Geräte warten, sondern komplexe Systemlandschaften orchestrieren. Hinzu kommt die Notwendigkeit, regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act und Datenschutzfragen sicher zu beherrschen. Wer hier nicht liefert, wird vom Kunden nicht mehr als Partner, sondern bestenfalls noch als Lieferant wahrgenommen.

Gleichzeitig steigt die Kundenbindung auf ein neues Niveau. KI-gestützte Lösungen greifen tief in die Geschäftsprozesse ein, schaffen Abhängigkeiten und erhöhen die Wechselhürden erheblich. Ein Anbieterwechsel wird zur Operation am offenen Herzen. Für den Handel bedeutet das eine klare Zweiteilung: Wer einmal im System verankert ist, bleibt es – wer den Einstieg verpasst, bleibt außen vor. Die Karten werden neu gemischt, aber nicht mehr oft.

Mit dem Aufkommen sogenannter Agentic AI zeichnet sich bereits die nächste Eskalationsstufe ab. Autonome Systeme, die Dokumente analysieren, Aufgaben verteilen, Sicherheitsmaßnahmen einleiten oder den Energieverbrauch optimieren, verschieben die Wertschöpfung weiter in Richtung Software und Daten. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr, wer die Hardware liefert, sondern wer die Prozesse managed.

Der MFP-Markt gleicht damit zunehmend einer Geisterbahn, in der hinter jeder Biegung eine neue Disruption lauert. Die KI ist dabei nicht das Problem, sondern das Werkzeug. Entscheidend ist, wer es beherrscht. Für den Fachhandel ist die Lage eindeutig: Wer sich konsequent zum Lösungsanbieter entwickelt, hat gut lachen. Wer in alten Strukturen verharrt, wird vom Markt aussortiert. Es geht längst nicht mehr um Geräte, sondern um die Hoheit über Prozesse, Daten und Kundenbeziehungen.

Dr. Alfried Große, Herausgeber INFO-MARKT GmbH

15.04.2026

BLOG

Unsere Blogbeiträge

Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges

Wachstum durch Vertrauen

Der deutsche Mittelstand ist frustriert: Erhoffte Reformen blieben aus, die Bürokratie wächst und geopolitische Unsicherheiten belasten die Wirtschaft zusätzlich. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große fordert Compass-Geschäftsführer Dirk Henniges eine grundlegende Staatsreform mit schlankerem Staatsapparat, einen radikalen Bürokratieabbau sowie eine Unternehmenssteuer- und Energiepreisreform und seziert die tektonischen Verschiebungen im IT- und MFP-Markt. Darüber hinaus erklärt der Compass-Chef, warum die Compass Gruppe trotzdem überdurchschnittlich wächst, im schrumpfenden Printmarkt aktiv Marktanteile gewinnt und warum wahre Standorttreue nichts mit Naturromantik, sondern mit lokaler Wertschöpfung auf Augenhöhe zu tun hat.

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Thomas Fröber, Bereichsleiter Marketing & Vertrieb der Büroring eG

Robotik als neues Kerngeschäft des Fachhandels

Robotik ist längst kein Nischenthema mehr für Großkonzerne und Hightech-Labore. Sie hält Einzug in Hotels, Krankenhäuser, Büros, Reinigungsunternehmen und den Einzelhandel und damit genau in jene Zielgruppen, die der Büro- und PBS-Fachhandel seit Jahren als Kernkunden betreut. Der Büroring hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und mit BR.ROBOTIC – Intelligence in Motion ein Konzept entwickelt, das seinen Mitgliedern den strukturierten, wirtschaftlich tragfähigen Einstieg in einen der wachstumsstärksten Märkte der kommenden Dekade ermöglicht. Auf dem PBS Forum 2026 in Dresden, das der Büroring mit PBS Deutschland erstmals als gemeinsame Plattform ausgerichtet hat, stand BR.ROBOTIC im Mittelpunkt eines viel beachteten Präsentationsblocks. Die Resonanz war eindeutig.

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Dr. Alfried Große, Herausgeber INFO-MARKT GmbH

KI definiert das Geschäft neu

Unsere Meinung zu …
Der Drucker- und MFP-Markt erlebt derzeit das, was viele lange nur als Wetterleuchten am Horizont abgetan haben: Die normative Kraft der KI ist angekommen – nicht als wohlfeile PR-Floskel, sondern als handfeste Systemveränderung. Was die Hersteller heute in ihre Plattformen integrieren, ist nichts weniger als der Versuch, den MFP vom Ausgabegerät zum autonomen Workflow-Manager zu transformieren. Während die Hersteller bei der KI-Integration fast unisono auf dem Gaspedal stehen, muss sich der Fachhandel entscheiden: Will er künftig im Maschinenraum dieser Entwicklung stehen oder die Entwicklung als Zaungast begleiten?

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Alfried Große_ INFO-MARKT GmbH

Mehr als nur Druck

Unsere Meinung zu ….

Der Markt des Online Printings ist längst kein digitaler Bauchladen für Flyer, Broschüren und Visitenkarten mehr. Er entwickelt sich mit bemerkenswerter Konsequenz zu einem industriell organisierten, softwaregetriebenen und hochautomatisierten Segment, in dem sich verdichtet, was der gesamten Printbranche bevorsteht. Es geht um Prozesse, Daten, Plattformen, Automatisierung – und um die Frage, wer in dieser neuen Ordnung der Dinge künftig einen Platz in der Wertschöpfungskette ergattert.

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Torsten Bechler, Manager Product Marketing DACH der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Warum der günstigste Einkaufspreis nicht automatisch der beste Deal ist

Beim Einkauf von Multifunktionssystemen gilt der erste Blick reflex­artig dem Preis – verständlich, schließlich entscheidet der Einkauf zunächst über die Marge. Doch wer sich ausschließlich am niedrigsten Gerätepreis orientiert, läuft Gefahr, sich die eigene Kalkulation schönzurechnen. Denn die eigentliche Musik spielt nicht beim Kauf, sondern im laufenden Betrieb.

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Christopher Rheidt

Neue Führungsstruktur

Mit Wirkung zum 1. April 2026 vollzieht die Kyocera-Gruppe eine signifikante personelle und strukturelle Weichenstellung in der EMEA-Region sowie auf dem deutschen Markt. Der bisherige Geschäftsführer der TA Triumph-Adler GmbH, Christopher Rheidt, wechselt an die Spitze der Europazentrale, während Dietmar Nick, CEO von Kyocera Document Solutions Deutschland, eine markenübergreifende Leitungsfunktion für Deutschland übernimmt, indem er zusätzlich auch die Geschäftsführung der TA-Triumph-Adler-Gruppe verantwortet.

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Büroring Vorstand Ingo Dewitz

Sanierung am offenen Herzen

Die Vorzeichen könnten kaum düsterer sein: Ein erodiertes Geschäftsmodell, schwindende Liquidität und eine Kostenstruktur, die noch immer auf längst vergangenen Glanzzeiten fußt. Beim Büroring in Haan steht nicht weniger als die Existenz der Genossenschaft auf dem Spiel. Doch der neue Vertriebsvorstand Ingo Dewitz setzt nicht auf Durchhalteparolen, sondern auf eine schonungslose Bestandsaufnahme und den kompletten Umbau der DNA – weg vom klassischen Lagergeschäft, hin zum digitalen Marktplatz und technologischen Vorreiter. INFO-MARKT sprach mit dem neuen Vertriebsvorstand über die geplante Radikalkur.

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Frank Eismann, Geschäftsführer und Gründer der GFC-Gruppe

Kurs auf Europa

Lange wurde hinter verschlossenen Türen verhandelt, nun ist es offiziell: Die GFC-Gruppe geht neue, europäische Wege. Durch den Zusammenschluss mit der französischen Groupe Factoria, einem Portfoliounternehmen der französischen Groupe Dellen, entsteht ein neuer Power-Player auf dem deutschen Markt. Ein Deal, der nicht nur durch seine Diskretion besticht, sondern auch ein Signal an die Branche sendet, das den Markt für Managed IT Services verändern wird.

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Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH

Die Antwort auf zunehmende Komplexität

Wenn sich auf einer internationalen Veranstaltung die Gespräche mehr um Software, Services und neue Denkmodelle als um Hardware drehen, ist das mehr als eine Momentaufnahme – es ist ein Indikator für einen tiefgreifenden Strukturwandel. Auf der Sharp Inspire Expo in Lissabon wurde deutlich, wie sehr sich der Fokus der Branche zu integrierten digitalen Wertschöpfungen verschiebt. Im Gespräch mit Kai Scott, Geschäftsführer der Sharp Business Systems Deutschland GmbH, und Torsten Bechler, Manager Product Marketing DACH der Sharp Business Systems Deutschland GmbH, spricht INFO-MARKT Herausgeber Dr. Alfried Große darüber, wann die Fahnenstange der technologischen Entwicklung im Gerätebereich erreicht ist, warum Konzepte wie „One Sharp“ weniger Marketingformel als eine strategische Antwort auf die steigende Komplexität informationsverarbeitender Prozesse sind und über die neue Rolle des Fachhandels in diesem Szenario.

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Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH

Nachhaltig, nahbar, unbeirrbar

Der Mittelstand als Rückgrat, nicht als Randnotiz. GREEN IT verkörpert den unbeirrbaren Glauben an die Zugkraft des Mittelstandes trotz Konjunkturflaute, Bürokratiestau und Digital-Löchern. Im Gespräch mit INFO-MARKT-Herausgeber Dr. Alfried Große stellt sich für Florian Stäwen, Geschäftsführer, CFO und Partner der GREEN IT Das Systemhaus GmbH, die Standortfrage gar nicht. Während viele Unternehmen zunehmend im Jammermodus gebetsmühlenartig den Strukturwandel beklagen, setzt GREEN IT auf die normative Kraft des Faktischen und baut das Geschäft weiter aus – mit eigenen Ideen, eigenen Werten und eigenem Tempo.

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